Religionsunterricht 2020/2021

Lebensmut, Hoffnung und Zuversicht

Zwei Schüler mit Globus und Schulbüchern

MIt gemischten Gefühlen blicken Schüler und Lehrerinnen auf den Schulstart 2020/2021

Bild: pixabay

Mit Dankbarkeit und Sorge sieht Oberkirchenrat Stefan Blumtritt auf das Schuljahr 2020/2021. Auch der Religionsunterricht wird vor neuen Herausforderungen stehen.

Herr Blumtritt, wenn Sie an den Religionsunterricht denken, mit welchen Gefühlen blicken Sie auf das neue Schuljahr?

Stefan Blumtritt: Dankbarkeit – dafür, dass sich sehr viele staatliche und kirchliche Lehrkräfte für das digitale Lernen fit gemacht haben und sich für die Schulorganisation aber auch für andere Aufgaben für das Miteinander in Schule und Gesellschaft eingesetzt haben; dafür, dass der Staat, das Kultusministerium dem Religionsunterricht den Rücken gestärkt haben; dafür, dass sich zahlreiche Eltern, dafür eingesetzt haben, dass die Fragen ihrer Kinder zu Corona und dem Miteinander in schwierigen Zeiten beantwortet werden.

Sorge, dass die Erwartungen an einen schulischen „Normalbetrieb“ im September nicht in Gänze erfüllt werden können: dass womöglich neben der religiösem Bildung auch das soziale Miteinander im Klassenzimmer, das Aufeinanderachten, aus nachvollziehbaren und hoffentlich zeitlich befristeten Gründen leiden werden.

Hoffnung, dass unser Glaube als ein kraftspendendes und verbindendes Element durch den Religionsunterricht gestärkt wird: dass wir gerade auch in schwierigen Zeiten Gott als den erfahren, der das Leben will, dem wir uns anvertrauen können und der uns trägt; dass Begegnung und Gespräch von Angesicht zu Angesicht im Lebensraum Schule wieder leichter möglich werden.

 

Was tut die ELKB, damit der Religionsunterreicht 2020/2021 gut starten kann?

Stefan Blumtritt: In enger Abstimmung mit dem Kultusministerium und den regionalen Schulreferenten*innen sind unterschiedliche Unterrichtszenarien für mögliche Beschränkungen zu Schuljahresbeginn aus den Erfahrungen des Lockdowns und den ersten Lockerungen erarbeitet worden. Vom digitalen Homeschooling bis zum wechselnden Präsenzunterricht im Gruppen haben die Kollegen*innen vor Ort vieles im Blick und können regional flexibel und angemessen reagieren. Eine Vielzahl von innovativen Unterrichtsprojekten und -materialien der vergangenen Monate werden den Lehrkräften über die bekannten Portale des Religionspädagogischen Zentrums in Heilsbronn zur Verfügung gestellt.

 

Wie sieht Religionsunterricht in Zeiten von Corona aus?

Stefan Blumtritt:  Froh – endlich gibt es ein Wiedersehen!
Gelassen – Gott schenkt uns Zeit. Das Versäumte wird jetzt schrittweise nachgeholt.

Wertschätzend – ich finde mit meinen Sorgen und Ängsten Gehör und bin damit nicht allein.

Profiliert – meine Erlebnisse und Geschichten finde ich in meinem Glauben und seinen Geschichten wieder. Er trägt Generationen von Menschen durch schwierige Zeiten.

Digital – da wo nötig und dann verlässlich und spannend.

Analog – da, wo immer möglich, im Klassenzimmer oder in Gottes schöner Natur.

 

In der Krisensituation wurde vielfach der Ruf nach der "Fokussierung auf die Kernfächer" laut. Wie wichtig ist denn Religionsunterricht?

Stefan Blumtritt: Der Religionsunterricht ist der spirituelle Bildungsraum im Lebensraum Schule, in dem besonders Lebensfragen, Krisen, Ängste aufgenommen werden können, mit biblischen Erfahrungen in Verbindung gebracht werden und so Lebensmut, Hoffnung und Zuversicht gestiftet werden können. Ich halte deshalb den Religionsunterricht in unterschiedlichen Formen, digital zuhause und in der Begegnung vor Ort in der Schule, als stabilisierendes Moment für unverzichtbar in dieser Zeit.

 

Im letzten Schuljahr wurden ja mancherorts Erfahrungen mit digitalem Religionsunterricht gemacht. Hat sich das bewährt? Wird RU in Zukunft mehr digital stattfinden?

Stefan Blumtritt: Beim digitalen Religionsunterricht gibt es sehr innovative Lehrkräfte, die in dieser Zeit „Leuchtturmprojekte“ geschaffen haben: Zum Beispiel in Nürnberg ein digitales Klassenzimmer und die Evangelische Jugendarbeit in Uffenheim zeigt mit  Rosa, dem Regenbogenkakadu“ beispielhaft die Verknüpfung der Lernorte Jugendarbeit, kirchliche Bildungsarbeit und Schule.

Aber natürlich stehen wir wie alle anderen Fächer wir noch relativ am Anfang der Digitalisierung von Unterricht außerhalb des Klassenzimmers. Das geht von Schulbüchern, die einfach in PDF umgewandelt werden, bis zu interaktiven Schulbüchern (wir erproben gerade ein sehr vielversprechendes Exemplar), über einfache Arbeitsblätter per Mail oder Download, oder Videokonferenzen für den Klassenverband im Präsentations- und Interaktionsmodus. Ob sich digitaler Unterricht bewähren wird, hängt an unserer Bereitschaft, sich auf neue Formen und auf entsprechende Fortbildungen einzulassen. Nach Corona – wann immer das sein wird – werden digitale Unterrichtsformen zum fixen Bestandteil eines innovativen und profilierten Religionsunterricht gehören – das für diese besondere Unterrichtsthematik unabdingbare persönliche Gespräch, die menschliche Interaktion, werden sie nicht ersetzen, wohl aber ergänzen, können.

Zur Person

Oberkirchenrat Stefan Blumtritt, Bild: © ELKB

Stefan Blumtritt

Oberkirchenrat Stefan Blumtritt ist Leiter der Abteilung D - gesellschaftsbezogene Dienste im Landeskirchenamt und unter anderem zuständig für die Bereiche Erziehung, Bildung und Unterricht.


07.09.2020 / ELKB