Zum Ökumenischen Schöpfungstag

Natur ist "Mitkreatur" in Gottes Schöpfung

Landesgartenschau Bayreuth Gottesdienst Tag der Schöpfung

Trotz Dauerregens haben sich mehrere hundert Besucher zum Gottesdienst unter freiem Himmel versammelt.

Bild: ELKB

 "Wir müssen nicht unser ökologisches Punktekonto vor Gott möglichst hoch kriegen, damit wir gute Menschen sind", so Bedford-Strohm am Sonntag bei der Feier des Ökumenischen Schöpfungstags in Bayreuth.

Umweltbewusstes Handeln darf sich nach Ansicht von Bayerns evangelischem Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm nicht durch falsche Erwartungshaltungen erzwingen lassen. Die Menschen dürften aus Freiheit so handeln, wie es für die Schöpfung nötig sei: "Wie müssen nicht unser ökologisches Punktekonto vor Gott möglichst hoch kriegen, damit wir gute Menschen sind"; sagte Bedford-Strohm am Sonntag bei einer Veranstaltung zum Ökumenischen Schöpfungstag in Bayreuth.

In den vergangenen Jahrzehnten habe sich der Lebensstil vieler Menschen etwa durch Energiesparen oder Autoverzicht deutlich verändert, merkte der Bischof an. Bedford-Strohm, der nach eigenen Worten täglich mit dem Rad zu seinem Dienstsitz in München fährt, räumte jedoch auch persönliche "Zielkonflikte" ein. Um an internationalen Konferenzen teilzunehmen und dort persönliche Gespräche zu führen, seien umweltbelastende Flugreisen noch notwendig. "Wenn ich das nicht mehr machen würde, müsste ich alle ökumenischen Austauschformen und Konferenzen ad acta legen, bei denen wir über die Lösung weltweiter Probleme nachdenken. Mit dieser Spannung muss ich derzeit noch leben."

 

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Bedford-Strohm, der auch amtierender Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist, nahm gemeinsam mit den Bamberger Erzbischof im Rahmen der Bayerischen Landesgartenschau in Bayreuth an einer Podiumsdiskussion zum Stand der Klimapolitik teil. Dabei sprach sich der katholische Oberhirte für eine entschlossene Strategie zum Stopp der Erderwärmung aus. "Der Klimawandel macht die Armen dieser Welt noch ärmer, und er betrifft auch unsere eigenen zukünftigen Generationen." Auch kleine Schritte könnten zielführend sein: "Man sollte sich schon fragen, ob man wirklich alle zwei Jahre ein neues Handy braucht", sagte Schick.

Vor der Podiumsdiskussion hatten beide Bischöfe einen ökumenischen Gottesdienst auf der Seebühne der Landesgartenschau gefeiert. Trotz Dauerregens hatten sich dazu mehrere hundert Besucher unter freiem Himmel versammelt. In seiner Predigt rief Bedford-Strom dazu auf, Natur als "Mitkreatur" in Gottes Schöpfung wahrzunhemen: "Dann sehen wir sie nicht als Besitz, als Objekt unserer Ausbeutung, über die wir nach Belieben verfügen dürfen, sondern dann gehen wir selbst behutsam, achtsam, liebevoll mit ihr um."

Der Gottesdienst war die bayerische Zentralveranstaltung zum Ökumenischen Schöpfungstag. Vom 1. September bis zum 4. Oktober engagieren sich Christen weltweit in der sogenannten "Schöpfungszeit" in besonderer Weise für zukunftsfähige Formen des Lebens und Arbeitens auf der Erde. Unter dem diesjährigen Leitwort "Die ganze Schöpfung - Lobpreis Gottes" finden in dieser Zeit spezielle Gottesdienste statt. Der 4. Oktober ist der Gedenktag des Heiligen Franziskus von Assisi, der als Schutzpatron von Tieren, Natur und Umwelt verehrt wird.

 


19.09.2016 / epd