Christen im Irak

Rückkehr nach Mosul

Wiederaufrichtung des Kreuzes auf einer Kirchenkuppel in Batnaya

Sie kehren zurück: Zwei Männer richten das Kreuz auf einer Kirchenkuppel in Batnaya wieder auf

Bild: CAPNI

Sie kehren zurück! Viele seien es. Christen, Gemeinden, die vor über zwei Jahren vom so genannten "Islamischen Staat" aus ihren Dörfern und Städten der Ninive-Ebene vertrieben worden sind.

Viele junge Christen seien es, sagt Archimandrit Emanuel Youkhana von der apostolischen Kirche des Ostens, die zum Beispiel in Bartella, einem Dorf östlich von Mosul dafür sorgen, dass das „Mat Matti Center for Religious Services“ seine Arbeit wieder aufnehmen und den Rückkehrern zur Verfügung stehen kann.

Informationen zum Thema

Spendenkonto: Christen helfen im Irak

ELKB
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Stichwort: Christen helfen im Irak

Die Spenden kommen direkt den Partnerorganisationen der ELKB, die vor Ort Hilfe leisten, zu Gute.

 

Nebenan in Mosul tobt noch der Krieg. Immer mehr Menschen aus der Stadt suchen Zuflucht in der Ninive-Ebene. Das christliche Hilfswerk CAPNI (Christian Aid Program for Northern Iraq) hat sich im Laufe der vergangenen Monate auf diese Situation vorbereitet und fragt sich derzeit, was seine Rolle in diesem neuen Kapitel für geflüchtete Menschen, in diesem Fall für sunnitische Muslime sein kann, die über zwei Jahre unter dem IS gelebt, gelitten, aber in vielen Fällen wohl auch mit ihm kooperiert haben.

Konzentration auf den Wiederaufbau

Das von der ELKB geförderte Hilfswerk CAPNI hat entschieden, sich in der Ninive-Ebene jetzt vor allem auf den Wiederaufbau von Bildungseinrichtungen in christlichen Dörfern zu konzentrieren. Auf der Wunsch-Liste stehen auch 33 Kirchen, für deren Aufbau man jedoch auf die Regierung hofft. Schließlich habe der Staat auch in Baghdad in den letzten Jahren für den Wiederaufbau von Kirchen gesorgt, sagt CAPNI-Direktor Emanuel Youkhana.

Der Not der aus Mosul Geflüchteten zu begegnen wird aber auch als selbstverständliche christliche Aufgabe verstanden: Die ELKB unterstützt den Lutherischen Weltdienst mit einer halben Million Euro, der mit seinem Nothilfeprogramm von insgesamt rund 8,5 Mio US-Dollar in der Ninive-Ebene und anderen Regionen des Nordiraks über 44.000 Haushalte oder über 200.000 Menschen erreichen will, Geflüchtete sowie Menschen der aufnehmenden Orte.

Zerstörtes Vertrauen

Ob sie auch nach Mosul zurückkehren werden, wenn die Stadt dann endgültig aus den Händen des IS befreit ist? Nikodemus, der syrisch-orthodoxe Erzbischof von Mosul lebt noch im Exil in Erbil und mit ihm rund 10.000 Familien seiner Diözese. Tausende von Familien haben in den vergangenen Monaten bereits das Land verlassen, um anderswo in der Welt Zukunft zu suchen. Nikodemus spricht von zerstörtem Vertrauen, weil es nicht der IS sondern die muslimischen Nachbarn in Mosul gewesen seien, die den roten Buchstaben Nun auf die Häuser gesprüht haben, um ihre Bewohner als Christen zu kennzeichnen; sie seien es gewesen, die das Kreuz von der Kirche herunter genommen haben.

Lagerkirche in Erbil

Mit einem roten Nun haben die Christen in diesem Flüchtlingslager in Erbil die Stühle ihrer Lagerkirche trotzig bemalt.

Bild: Hans-Martin Gloël

Eine traditionsreiche Region

Aber, und das sagt Nikodemus auch: Wenn eine starke irakische Zentralregierung unsere Sicherheit garantieren kann, wenn wir unseren Besitz wieder zurück erhalten, wenn die Infrastruktur wieder ausreichend hergestellt wird, dann kehren wir nach Mosul zurück. Es ist die Region, in die Jona von Gott gesandt wurde, um die Botschaft zu predigen, die Umkehr und Neubeginn ermöglicht hat. Diese Botschaft wurde gehört und Ninive hat Gottes Heil erfahren. Wir können den Christen helfen, die sich dort heute in Gottes Mission gesandt wissen – dass die Verkündigung der frohen Botschaft in Ninive Zukunft hat.


12.12.2016 / Hans-Martin Gloël