Irak

Aufbauarbeit im Irak stärken

Zacho Alte Römische Brücke

Die bayerische Landeskirche unterstützt zahlreiche Projekte, sie möchte den Menschen helfen, ihr Land wiederaufzubauen.

Bild: Michael Martin

Oberkirchenrat Michael Martin und Hans-Martin Gloël im Interview: Sie berichten über ihre Irak-Reise und stellen die Unterstützungsarbeit der bayerischen Landeskirche für den Wiederaufbau vor.

Vom 24. Bis 31. Juli reisten Oberkirchenrat Michael Martin und Hans-Martin Gloël, Referent für Ökumene und Weltverantwortung, in den Irak. Sie besuchten Städte wie Dohuk und Erbil und zahlreiche Dörfern in der Niniveh-Ebene und in Kurdistan. Wir haben sie zu Ihren Eindrücken und zur konkreten Aufbauarbeit vor Ort befragt.

Was war das Ziel der Reise?

Michael Martin: Die bayerische Landeskirche unterstützt in Zusammenarbeit mit dem Lutherischen Weltbund, mit anderen Landeskirchen und vielen Partnern zahlreiche Projekte im Irak. Wir haben uns vor Ort ein Bild gemacht, mit verschiedenen Betroffenen in Dörfern, Städten und Camps in der Niniveh-Ebene, in Dohuk, Erbil und in zahlreichen Dörfern Kurdistans gesprochen. Wichtig waren auch die Begegnungen mit den Verantwortungsträgern, also mit Politikern vom Bürgermeister bis zum Minister für Erziehung, und mit kirchlichen Leitungspersonen. Natürlich haben wir auch Projekte des Wiederaufbaus oder der Unterstützung für Existenzgründungen  besucht und uns informiert, hier unterstützt die ELKB konkret mit Fördergeldern.  

Zitat

Die Entschiedenheit der meisten jungen Menschen verschiedener Ethnien und Religionen im Land zu bleiben und das Land nicht nur mit Steinen, sondern auch geistig auf zu bauen, das hat mich sehr bewegt.  

Oberkirchenrat Michael Martin über die Gespräche mit jungen Studierenden in Dohuk.

Wie sehen die Wiederaufbaumaßnahmen konkret aus?

Hans-Martin Gloël: Die bayerische Landeskirche fördert noch bis Mai 2019 die Renovierung von 67 Häusern in der Ninive-Ebene in den Orten Qaraqosh, Bartella, Ba’shiqa und Bahzani. Dafür geben wir 200.000 Euro.

Michael Martin: Bewegt hat mich bei unserem Besuch die enormen Aufbauleistungen in Dörfern und kleinen Städten der Ninive-Ebene. Diese Orte wurden vom IS verwüstet und auch bei der Befreiung vom IS durch Luftangriffe teilweise zerstört. Innerhalb nur eines Jahres, das auch noch sehr schwierig war – wir wissen um politische Turbulenzen infolge des Referendums in Kurdistan, um den geschlossenen Flughafen in Erbil, die schlechte wirtschaftliche Situation –  wurden durch private Initiative und viele Nichtregierungsorganisationen vor allem in der Niniveh-Ebene Bedingungen geschaffen, dass 50-70 Prozent der Geflohenen und Vertriebenen zurückkommen konnten. Dass ihre Häuser wieder bewohnbar werden, hilft den Menschen konkret, im Land zu bleiben.

Die Reise in Bildern: Eindrücke von Oberkirchenrat Michael Martin

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Wie können die Menschen dort in den verwüsteten Städten Ihren Lebensunterhalt verdienen?

Hans-Martin Gloël: Wichtig sind Projekte, die den Aufbau einer eigenen wirtschaftlichen Existenz am Ort fördern. Wir haben mit einem assyrischen Christen gesprochen, der  in Baghdad bedroht wurde und in der Kurdischen Autonomieregion in einem kleinen Freizeitpark mit einer finanziellen Förderung im Mai ein Restaurant eröffnete. Das Restaurant läuft gut an. Bis 2019 fördert die ELKB  36 Projekte, die den Antragstellern und ihren Familien, also im Durchschnitt fünf Personen, den Start einer eigenen Existenz ermöglichen. Das sind Existenzgründungen wie eine Schreinerei, Bäckerei, ein Friseursalon, Autowerkstätten, ein Mini-Supermarkt oder ein Geschäft für Solaranlagen. Diese Unterstützung hilft den Familien konkret, eine Zukunft vor Ort zu planen.

Kirchen und Partnern arbeiten gemeinsam in Dohuk für den Aufbau. Die bayerische Landekirche fördert dort CAPNI. Was ist CAPNI?

Michael Martin: CAPNI ist die Abkürzung für "Christian Aid Programm Northern Iraq". Es ist ein Haus Kirchlicher Dienste, das überkonfessionell arbeitet.

Informationen zum Thema

Spendenkonto: Christen helfen im Irak

ELKB
DE57 5206 0410 0001 0101 07
GENODEF1EK1
Stichwort: Christen helfen im Irak

Die Spenden kommen direkt den Partnerorganisationen der ELKB, die vor Ort Hilfe leisten, zu Gute.

 

Dort werden verschiedene Arbeitsbereiche koordiniert, beispielsweise Programme zur Förderung des Christentums des Ostens wie Bibel-Unterricht oder die Dokumentation von Sprachen und Geschichte der  Kirchen in der Region. Aber auch Programme zur Entwicklung von Dörfern, zu Gesundheit, medizinischen Angeboten und mobilen Kliniken. 23 Personen sind hier tätig. Vier lutherische Kirchen in Deutschland und die EKD haben das neue CAPNI-Headquarter gemeinsam gefördert.  Es gibt ein jährliches Treffen auf unsere Initiative hin mit den 16 Partnern. Wir haben dort gemeinsam über Prioritäten und über Konzepte für die gemeinsame Weiterarbeit beraten.  

Was hat Sie am meisten bewegt?

Michael Martin: Wir haben in vier Gesprächsrunden mit jungen Menschen verschiedener Konfessionen und Religionen über ihre Zukunftspläne gesprochen. Die Entschiedenheit der meisten jungen Menschen verschiedener Ethnien und Religionen im Land zu bleiben und das Land nicht nur mit Steinen, sondern auch geistig auf zu bauen, das hat mich sehr bewegt.  

Ich nehme viele Fragen mit: Wie können wir den Menschen in ihrer Heimat helfen, dass sie gut und sicher leben können und nicht fliehen müssen?  Damit verbunden: wie kann das jahrtausendealte christliche Leben im Mosaik dieses Landes erhalten bleiben? Wie kann Vertrauen wieder aufgebaut werden nach der Erfahrung von so viel Gewalt und Verlust?

Wie werden Sie diese Fragen und Erfahrungen nun in Ihre konkrete Arbeit einbringen?

Hans-Martin Gloël: Wir möchten CAPNI weiter stärken, dass es finanziell unabhängiger und stärker für Christen und ihre Nachbarn in der Region arbeiten kann. Die Existenzgründungsprojekte und Kredite sollen zukünftig auch  für Christen starten, die aufgrund fehlender Arbeitsmöglichkeiten an ihrem Ort kaum eine Möglichkeit sehen, Arbeit zu bekommen. Einrichtungen und Programme, die das Miteinander und die Friedenserziehung im Konzept haben, wollen wir verstärkt fördern. Das sind erste Schritte, über weitere konkrete Projekte und Konzepte wird zeitnah entschieden

Michael Martin: Wir überlegen auch konkret, wie wir als bayerische Landeskirche durch Projekte, Besuche, Berichte in unserer Öffentlichkeit, Gespräche mit deutschen Politikern dazu beitragen können, dass sich die Situation im Irak verbessert, dass interne Konflikte beispielsweise zwischen Kurdistan und der Zentralregierung in Bagdad überwunden und friedliches Zusammenleben wieder möglich wird.

 


01.08.2018 / ELKB/Andrea Seidel