Regensburg

"Wie der Teufel das Weihwasser"

Regensburger Stadtmaus

Mit der Regensburger Stadtmaus geht es ins Lutherjahr.

Bild: iStock_joyt


Bei der Stadtmaus in Regenburg tauchen die Besucher in die Geschichte ein - auf den Spuren von Nachtwächtern, Verbrechern, Marktweibern und Poeten. Nun gibt es auch eine evangelische Erlebnisführung.
 

Ein Mann in Wams und Gehrock schreitet über den Regensburger Neupfarrplatz. Unter seinem Arm: ein Holzfass. Wie aus der Zeit gefallen wirkt die Figur unter den eilig vorübergehenden Menschen. Auch die Bauernmagd, die sich zu ihm gesellt, entstammt einem anderen Jahrhundert. Keck baut sie sich vor dem Bürgersmann auf: "Hans Blaufärber! Was fällt dir ein?!", ruft sie empört.

Eine Szene aus dem Freilicht- oder Improvisationstheater? Nein. Es ist eine der zahlreichen Führungen der Regensburger Stadtmaus. Die Agentur mit dem Nagetier im Namen bietet Erlebnisführungen an. Das heißt, sie bereitet Geschichte in Geschichten auf, setzt historische Fakten in Szene, bereitet sie dramaturgisch auf, um sie ins Hirn und Herz der Besucher zu bringen. Die neueste Kreation heißt "Wie der Teufel das Weihwasser" und beschäftigt sich anlässlich des Reformationsjubiläums mit einer Zeit, als Regensburg evangelisch war.

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Doch wer war dieser Hans Blaufärber mit seinem Fass unter dem Arm? "Er war der Erste, der uns historisch mit Namen überliefert ist, der sich in Regensburg zu Luther und zum evangelischen Glauben bekannt hat", sagt Firmengründer Hubertus Hinse, der als gelernter Theaterpädagoge für Texte und Regie bei den Führungen zuständig ist. Blaufärber hielt selbst Bibellesungen und feierte das Abendmahl - alles in einer mehr oder minder rechtlichen Grauzone. Denn zu diesem Zeitpunkt, 1523, waren weder katholischer Bischof noch der Kaiser von solcherart Unternehmungen begeistert.

Blaufärber wurde aus der Stadt gescheucht. "Stadtvertreibungen waren damals ein probates Mittel für Ehrenstrafen, wenn man sich nicht korrekt verhielt." Doch einige Regensburger sammelten für Blaufärber, sodass er nach Wittenberg reisen konnte, Martin Luther traf, der ihm sogleich ein Schreiben an den Regensburger Stadtrat mitgab. "Wir haben damit eine Figur, die Luthers Herold in Regensburg war", sagt Hinse. Blaufärber soll nun den Stadtrat dazu bewegen, einen evangelischen Prediger in die Stadt zu holen.

"Was schmuggelst du wieder in deinen Fässern?", fragt derweilen Anna, die katholische Magd. "Ist kein Wein drin oder Kraut in diesen Fässern", sagt sie. "Bücher sind es, von Doctor Luther."

1542 wird Regensburg evangelisch. Während sich Blaufärber noch als revolutionär erweist, was sein Umdenken angeht, verfestigen sich in der Stadt bald die evangelischen Strukturen. Zu erkennen am ersten evangelischen Superintendenten Johann Joachim Metzger (1673-1754), der in der evangelischen Reichsstadt einem barocken Lebensgefühl folgt. Als eines Tages seine Kutsche nicht auftaucht, um ihn von der Dreieinigkeitskirche in sein Wohnhaus in der Pfarrergasse zu bringen, weigert er sich, die wenigen Meter per Fuß zurückzulegen. Für Stunden ist er ein Gefangener seiner Kirche, weil sein Standesbewusstsein keinen Fußmarsch erlaubt. "An das Denken und Gefühl dieser Menschen docken wir heute an", erklärt Hinse.

Eineinhalb Stunden lang geht es durch relevante Orte und Kirchen der evangelischen Stadtgeschichte. Die Darsteller schlüpfen dafür in historische Kostüme. Der Talar des Superintendenten stammt zum Beispiel von Pfarrer Gustav Rosenstein und wurde zum ersten Mal 1917 in Tallin getragen. Anlässlich der Führung ließ Rosenstein ins Revers sticken: "2017 - Stadtmaus. Mit allen guten Segenswünschen für die künftigen TrägerInnen."

Die Führung »Wie der Teufel das Weihwasser« ist bei der Stadtmaus Regensburg zu buchen ab sofort bis Jahresende 2017 unter www.stadtmaus.de.
 


16.05.2017 / Gabriele Ingenthron/epd