Reformationsjubiläum

„Mit beherrschtem Stolz“

Reformationsgottesdienst, Regensburg

Mit einem Festgottesdienst in der Dreieinigkeitskirche hat das evangelische Regensburg die 475. Wiederkehr der Reformation gefeiert

Bild: ELKB

Das evangelische Regensburg hat die Reformation gefeiert: Vor 475 Jahren wurde die Stadt evangelisch und feierte in der Neupfarrkirche erstmalig das Abendmahl in beiderlei Gestalt - mit Brot und Wein.

Am 15. Oktober 1542 wurde zum ersten Mal das evangelische Abendmahl in Regensburg gefeiert. 475 Jahre später wurde dieses Ereignis mit einem Festwochenende vom 13. bis zum 15. Oktober gefeiert. Beim Festgottesdienst in der Dreieinigkeitskirche sagte der bayerische evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, dass die christliche Botschaft damals so aktuell sei wie heute. Sie sei gerade angesichts der derzeitigen gesellschaftlichen Herausforderungen eine „zutiefst zuversichtlich machende Botschaft“.

Im Kern besage die Botschaft, dass Christen sich die Liebe Gottes nicht verdienen müssten, sagte Bedford-Strohm. Christen könnten leben, ohne ständig schauen zu müssen, wie sie ihr „moralisches Punktekonto nach oben bekommen können“. Denn Gott nehme alle Menschen an, egal wie sie seien“, sagte er. Auf diese Liebe Gottes könnten alle Menschen vertrauen.

Während des Gottesdienstes, zu dem Vertreter der 24 evangelischen Gemeinden des Donaudekanats gekommen waren, wurde auch ein Schuldbekenntnis ablegt, das der Trauer über Trennendes zwischen den christlichen Kirchen Ausdruck verlieh. Bereits am Vorabend hatte Dekan Eckhard Herrmann bei einem Empfang der Stadt im historischen Reichssaal an die Anfänge evangelischen Lebens in Regenburg erinnert. Dass es damals im Jahr 1519 auch zu antijüdischen Ausschreitungen und der Zerstörung der Synagoge in Regensburg gekommen sei, „erfüllt uns heute noch mit Scham“, sagte er. Daraus entstehe die Verpflichtung, „dafür einzutreten, dass unbescholtene Menschen wegen ihrer Sprache, Hautfarbe und Herkunft nie mehr vertrieben werden und Angst um ihr Leben haben müssen“.

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Der Regensburger Regionalbischof Hans-Martin Weiss erklärte, dass man angesichts der beeindruckenden evangelischen Tradition in der Stadt „mit Freude und beherrschtem Stolz“ das Reformationsjubiläum begehe. Dabei verwies er auch auf die Herausforderungen, die die Kirche angesichts eines „sensationellen architektonischen Geflechts“ an evangelischen Gebäuden, in den kommenden Jahre zu stemmen habe.

Während des Sonntags gab es zahlreiche Führungen, Ausstellungen und Besichtigungen des evangelischen Regensburgs. Am frühen Abend zelebrierten die evangelischen Christen in der Neupfarrkirche das Abendmahl mit den liturgischen Gefäßen, die schon im Jahr 1542 im Einsatz waren, als die Reformation in Regensburg ihren Ausgang nahm.


16.10.2017 / epd