Reformationstag 2018

Freiheit und Zuversicht im christlichen Glauben

Mann auf Gipfel über den Wolken

Freiheit und Zuversicht aus dem Glauben gewinnen - ein Impuls vom Reformationstag 2018.

Bild: unsplash/Junior Moran

Mit zahlreichen Gottesdiensten, Feiern und Veranstaltungen in Bayern haben die evangelischen Christen am Mittwoch in Bayern den Reformationstag gefeiert.

Am Reformationstag erinnern Protestanten in aller Welt an den Beginn der Reformation durch die Veröffentlichung der 95 Thesen von Martin Luther. Mit seiner Kritik an der Kirche seiner Zeit hat Luther Veränderungen angestoßen, die später zum Entstehen der evangelischen Kirche führten. In Bayern fanden zahlreiche Gottesdienste, Feiern und Veranstaltungen statt. Die Themen Freiheit und Zuversicht standen im Zentrum vieler Ansprachen und Predigten.

Regionalbischöfin Dorothea Greiner: Der Glaube, der in der Liebe tätig ist

Die Bayreuther Regionalbischöfin Dorothea Greiner rief in Münchberg im Landkreis Hof die evangelischen Christen zu mehr alltäglicher Glaubenspraxis auf. "Gottes Wort, Gebet, gottesdienstliche Gemeinschaft - ohne diese drei 'G' verkümmert unsere Liebe zu Gott", sagte die Theologin in der Stadtkirche von Münchberg. So gehöre beispielsweise die Bibel nicht nur auf den Altartisch, sondern auch "auf einen Tisch in unserem Haus".

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Als Folge der rationalistischen Aufklärung im 18. Jahrhundert habe sich besonders im Protestantismus eine Haltung verbreitet, in der "die Nächstenliebe zur eigentlichen Gestalt der Gottesliebe" geworden sei. Beides gehört nach Worten Greiners zwar untrennbar zusammen, jedoch drücke sich die Liebe zu Gott in ihrer eigenen Form aus: "Durch das Lesen der Bibel, das tägliche Beten und die Gemeinschaft mit Gott und anderen Christen im Gottesdienst wächst die Liebe zu Gott, sodass sie unser Leben immer mehr trägt."

Der von Liebe und Freiheit geprägte christliche Glaube sei in seiner besonderen Selbstrelativierung einzigartig auf der Welt, betonte die Regionalbischöfin außerdem: "Nichts hilft mehr gegen alle Hassparolen auf dieser Welt als der Christusglaube, weil für den Christusglauben die Liebe höher als alles ist."

Regionalbischof Hans-Martin Weiss: Befreit neu anfangen

Der evangelische Regensburger Regionalbischof Hans-Martin Weiss wies in der Christuskirche in Neumarkt zum Reformationsfest auf die befreiende Wirkung von Neuanfängen und Vergebung hingewiesen. Jeder Mensch brauche im Alltag Erleichterung und Entlastung nach Fehlleistungen, "weil er jetzt in Not ist, jetzt Gnade braucht, jetzt Frieden nötig hat", sagte Weiss.

Regionalbischöfin Dorothea Greiner

Dorothea Greiner,© ELKB / Poep

Bild: ELKB / Poep

"Die Liebe ist größer selbst als der Glaube. Darum: Nichts hilft mehr gegen alle Hassparolen auf dieser Welt als der Christusglaube, weil für den Christusglauben die Liebe höher als alles ist." 
 

Predigt zum Reformationsfest 2018 als PDF

Der Glaube könne helfen, sich selber und die Welt anders zu sehen und so ganz neu zu erfahren. Selbst wenn die eigene Stimmung immer wieder einmal kippt, gelte gerade für Christen: "Humor ist, wenn man trotzdem lacht", erklärte Weiss. Der Reformator Martin Luther habe diese Erleichterung in der unbedingten Liebe Gottes zu den Menschen gefunden. Das Leben leichter und mit Humor zu nehmen, sei deshalb kein Ausdruck der Sünde, sondern im Gegenteil "ein Ausdruck für die Überwindung der Sünde" gewesen.

Regionalbischof Michael Grabow: „Ja“ zu einem gesellschaftlich und kulturell pluralen Europa

In seinem Vortrag „Was die Reformation mit der modernen Demokratie und Europa zu tun hat“ stellte Regionalbischof Michael Grabow wichtige und grundlegende Impulse der Reformatoren vor, die zur Aufklärung und zu unserer modernen Demokratie, entscheidend beigetragen haben: Toleranz und Gewissensfreiheit, Förderung der Bildung, Armenfürsorge und das Subsidiaritätsprinzip. „Die Reformatoren wollten die Kirche zu ihren Ursprüngen zurückführen und die einzelnen Christen zu einem selbstverantworteten Glauben an Jesus Christus führen – und sie schufen dadurch gleichzeitig eine Basis für unser heutiges Staatsverständnis einer modernen Gesellschaft, in der jeder Verantwortung trägt für das Gelingen eines friedlichen und gerechten Zusammenlebens, bei dem jeder und jede Einzelne ein Anrecht auf eine menschenwürdige Existenz hat“, so Michael Grabow.

Grabow sprach sich für ein deutliches „Ja“ zu einem gesellschaftlich und kulturell pluralen Europa aus. Dafür müsse sich die europäische Christenheit einsetzen. Er warnte die Kirchen davor, diese gesellschaftliche Pluralität zu unterlaufen und religiös-konfessionellen Monopol- und Alleinvertretungsansprüche auf Gebiete zu erheben. Zur Evangelisierung der Menschen in Europa sei ein freies und entschiedenes Bekenntnis zu Jesus Christus notwendig, aber kein neuer Konfessionalismus.

Heute sei es eine Selbstverständlichkeit geworden, als Christ Demokrat zu sein – aber es sei keine Selbstverständlichkeit, dass Deutschland eine Demokratie bleibe. Michael Grabow appellierte: „Lassen Sie uns nicht nachlassen, unsere Demokratie zu verteidigen gegen jeden, der sie infrage stellt oder bekämpft. Denn es sind unsere Werte, unsere christlichen und reformatorischen Werte, die wir dabei verteidigen.“

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm: Reformationstag ist der Tag der Freiheit

Landesbischof und EKD-Ratsvorsitzender Heinrich Bedford-Strohm predigte am Reformationsfest nicht in einer bayerischen Kirche, sondern in der Reformationsstadt Wittenberg. Dort warb er für eine neue "Welle der Zuversicht" angesichts gesellschaftlicher Unsicherheiten. "Angst zu machen, ist ohne Segen. Wir haben auch heute allen Grund, die Angstmacher und falschen Ablassprediger zu stellen: Niemand wird dadurch befreit, dass er andere ausgrenzt", betonte Bedford-Strohm.

Der Reformationstag sei der Tag der Freiheit, so der Ragtsvorsitzende. "Er ist der Tag der Freiheit von Angst in einer Zeit, in der die Sorge um die Zukunft uns zu lähmen droht. Er ist der Tag der Freiheit von all den selbstauferlegten Gesetzen, die uns heute vom echten Leben abschneiden, in einer Zeit, in der wir all den Selbstoptimierungen, den Ansprüchen, dem Erfolgsdruck, so oft vergeblich gerecht zu werden suchen. Er ist der Tag der Freiheit zur Liebe in einer Zeit, der die Algorithmen der digitalen Welt den Hass nach oben spülen, so dass er die Herzen der Menschen vergiftet und viele dadurch den falschen Eindruck gewinnen, alles würde schlechter und schlimmer werden."

In einer solchen unseren Zeit stehe der Reformationstag für eine wahrhaft erlösende Botschaft: "Du musst Dich nicht länger knechten lassen von all dem, was Dich herunterzieht: Du darfst ganz aus der Gnade leben. Du darfst ganz aus der Liebe leben. Du darfst ganz aus der Freiheit leben." Diese Freiheit sei "das Grundgefühl, das unser verunsichertes Land so dringend braucht."


01.11.2018 / epd/ELKB