Festtag in Nürnberg

Bayern feiert die Reformation

Das Reformationsfest im Film: Video von Axel Mölkner-Kappl

Ein festlicher Gottesdienst, ein Staatsakt und ein buntes Straßenfest rund um die Sebaldskirche - so feierte der Freistaat Bayern am vergangenen Wochenende das Reformationsjubiläum in Nürnberg.

Vor Mitgliedern von Staatsregierung und Kirchenleitung, Vertreterinnen und Vertretern aus der Ökumene sowie zahlreichen bayerischer evangelischer Christinnen und Christen unterstrich Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm in seiner Predigt, wie wichtig Martin Luthers Glaube für die Menschen von heute sei. Die Bedeutung der Reformation für Geschichte und Kultur sei kaum zu überschätzen, so der Landesbischof.

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Die Reformation sei in erster Linie eine religiöse Erneuerungsbewegung gewesen und ein Aufruf, Gott neu zu entdecken, predigte Heinrich Bedford-Strohm. Martin Luther habe erkannt: "Ich muss mir mein Heil gar nicht verdienen. Ich brauche nur auf den zu schauen, der das alles für mich schon getan hat, aus unendlicher Liebe heraus getan hat: Jesus Christus selbst. Er nimmt mir alles ab, was mich von Gott trennt."

Niemand, so der Landesbischof, solle sagen, dass die Frage nach dem gnädigen Gott keinen mehr interessiere. Auch heute gebe es gnadenlose Götter, "auch wenn sie andere Namen tragen als im 16. Jahrhundert." Als Beispiele nannte Bedford-Strohm den Schlankheitswahn oder zu hoch gesteckte moralische Ansprüche. Diese könnten leicht zu Werkgerechtigkeit und einem moralischen Hochmut führen. Es könne eine Folge von Luthers "wunderbarer Botschaft" sein, auch im Einsatz gegen Ungerechtigkeit in der Welt oder die Zerstörung der Umwelt barmherzig mit sich selbst und anderen umzugehen, sagte der Landesbischof. Es sei etwas schiefgelaufen, "wenn wir anfangen übereinander zu richten und einander unter Rechtfertigungsdruck zu bringen". Richter allein sein Jesus Christus. "Und er richtet uns alle nach dem Maß der Liebe."

Im anschließenden Staatsakt im Historischen Rathaussaal hoben Vertreter von Staatsregierung und Stadt die Bedeutung der Reformation für Bayern und ihre Folgen bis heute hervor. So erklärte der Nürnberger Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) die Religionsgespräche 1525 im Nürnberger Rathaus zu einem "Schlüsselereignis der Reformation". Damals habe man die Fenster weit geöffnet, damit das Volk den Disput der Ratsherren mitverfolgen konnte. Nürnberg, so Maly, sei der einzige Ort, an dem das Bayerische Reformationsfest stattfinden könne.

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann bezeichnete den Protestantismus in Bayern als tragende Säule der Gesellschaft. Martin Luther habe auch den Freistaat geprägt. Die typisch lutherischen Eigenschaften, Leistungsbereitschaft und Fleiß, seien dem Freistaat ebenso wie die Solidarität mit Kranken und Schwachen eine Verpflichtung, sagte Herrmann in Vertretung des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer, der bei der europäischen Trauerfeier für Helmut Kohl in Straßburg dabei war. "Anpacken zählt bei uns und ist fundamental wichtig".

Schick: Kirchenspaltung überwinden

Das 500-jährige Reformationsjubiläum sei nicht Gelegenheit für einen nostalgischen Blick zurück, sondern Anlass für einen Blick nach vorn, erklärte Bedford-Strohm bei dem Empfang. "Wir müssen uns ständig erneuern und davon wird die ganze Gesellschaft profitieren", sagte er. Er sei dankbar, dass ein Reformationsjubiläum erstmals in einem ökumenischen Geist gefeiert werde.

Der Bamberger katholische Erzbischof Ludwig Schick sagte in seinem Grußwort, Luther rufe die Christen dazu auf, die Botschaft Jesu Christi "in aller Entschiedenheit in die heutige Zeit einzubringen". Das Reformationsgedenken fordere dazu auf, die Spaltung der Kirchen zu überwinden. Die Katholiken feierten das Jubiläum mit, "nicht weil sich das so gehört", sondern weil für die ganze Christenheit notwendig sei, sich zu reformieren.

Gaukler und Marktfrauen

Rund um die Sebalduskirche erwartete die Besucherinnen und Besucher ein buntes mittelalterliches Treiben. Historische Handwerker, Gaukler, Ritter und die Schauspieler der Laienspielgruppe aus Langenzenn zauberten eine mittelalterliche Kulisse. Sie erinnerten an das Zeitalter der Reformation in einem Nürnberg, das zur damaligen Zeit ein "Hotspot" gewesen sei, wie es die Nürnberger Regionalbischöfin Elisabeth Hann von Weyhern im Gottesdienst formuliert hatte. Die damalige Wirtschaftsmetropole war ein Zentrum der Malerei, Dichtung, Musik und Kunst und Schauplatz zahlreicher europäischer und gesamtdeutscher Entscheidungen.

Evangelische Jugend übergibt 95 Thesen

Aber auch Gegenwart und Zukunft kamen nicht zu kurz: Dafür sorgte die Evangelische Jugend in Bayern (EJB) , die bei dem Straßenfest Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm 95 neue Thesen übergab. Sie hoffe, dass die Thesen unter dem Motto "Reformation reloaded" aufgenommen und weiterbearbeitet würden, sagte die EJB-Vorsitzende Paula Tiggemann. Bedford-Strohm freute sich über die jungen Leute, die mit Postern und Plakaten zur Übergabe gekommen waren: "Das ist ein Bild von junger Kirche, das wünsche ich mir so", sagte er. Es werde ihm Motivation sein.


03.07.2017 / ELKB/epd