Video: Poetry Slam in Freisinger Kirche

Wer(´s) glaubt wird selig

Siegerin Fee Brembeck vor der voll besetzten Christi-Himmelfahrts-Kirche in Freising

Sie erntete den größten Jubel: Mit ihren Texten zum Reformationsjubiläum und zum Theologiestudium überzeugte Slampoetin Fee Brembeck das Publikum in der voll besetzten Christi-Himmelfahrts-Kirche.

Bild: Christoph Galle

So laut ist es in der Christi-Himmelfahrts-Kirche in Freising wohl selten zugegangen: Bei einem Poetry Slam begeisterten Poetinnen und Poeten aus ganz Deutschland mit Texten rund um den Glauben.

Unter dem Titel "wer(´s) glaubt wird selig" hatte die Hochschulgemeinde Freising zusammen mit der katholischen Stiftung Bildungszentrum anlässlich des Reformationsjubiläums zu einem modernen Dichterwettstreit in die evangelische Christi-Himmelfahrts-Kirche eingeladen. Namhafte Poetinnen und Poeten waren dazu aus ganz Deutschland angereist. Die große Resonanz überraschte selbst die Veranstalter: Junge und Alte, Einheimische und Auswärtige, Christen und Nichtchristen füllten die Kirche bis auf den letzten Platz und erfüllten den Raum mit Lachen, Jubel und Begeisterung.

Impressionen vom Poetry Slam

Wie bunt die Mischung an Themen und Formen war, zeigt die Zusammenschau von Axel Mölkner-Kappl.

Gerade im Jubiläumsjahr der Reformation habe man einen Poetry Slam in die Kirche geholt, betonte Hochschulpfarrerin Anne Lüters zu Beginn der Veranstaltung. Sei doch die Reformation unter anderem ein Sprachereignis gewesen. Die Sprachgewalt Martin Luthers, seine Fähigkeit, "den Leuten aufs Maul zu schauen"  und seine Übersetzung der Bibel ins Deutsche hätten es den Christen ermöglicht, die Bibel selbst zu verstehen und ihren eigenen Zugang zum Glauben zu finden. Heute werde der Kirche oft ein Sprachproblem vorgeworfen. Umso wichtiger sei es, denjenigen zuzuhören, die mit ihrer Sprache Menschen bewegen und ansprechen, und sie zu ihrem Glauben und zu ihren Zweifeln zu befragen.

Zweifel, Satire und Humor

Das kam dann auch auf bunte und sehr unterschiedliche Weise zu Wort. Professionell moderiert von dem Münchner Slam-Master Ko Bylanzky und dem Berliner Wortkünstler Lars Ruppel zeigten acht Slampoetinnen und -poeten mit teils witzig-ironischen, teils sehr ernsten und tiefsinnig-poetischen Texten ihr Können. Das Spektrum der ersten Runde reichte von dem zweifelnden Gespräch "Hallo, Mister Gott!" der Fürther Künstlerin Lara Ermer über die fragende Anrede Gottes "Wo bist Du?" des Darmstädter Slampoeten Marco Michalzyk, die in der Erkenntnis "Die Frage ist nicht 'wo ist er?' sondern 'wo sind wir?'" gipfelte, bis hin zu der satirisch-rasanten Rede des Münchner Poetry Slammers Yannik Sellmann, der dafür warb, sich doch zukünftig auf Wladimir Klitschko als Ziel weltweiter Verehrung zu einigen.

Wenn ich Papst wäre....

Auch im zweiten Teil war die Bandbreite der Beiträge sehr groß: Der amtierende bayerische Meister Alex Burkhard machte sich Gedanken über das Leben nach dem Tod. Die Berliner Wortkünstlerin Tanasgol Sabbagh zeichnete mit Sprache Bilder aus einem Familienalbum und machte dabei wortgewaltig deutlich, welchen unterschiedlichen Stellenwert der Glaube im Leben ihrer Familie einnahm. Was er unternehmen würde, wenn er selbst Papst wäre, überlegte Slampoet Bo Wimmer aus Marburg. "Die Liebe, die aus Liebe entsteht", die Beziehung einer Mutter zu ihrem Kind, stand im Zentrum des Beitrags der Regensburger Künstlerin Clara Nielsen, die damit auch ins Finale einzog.

Mit ihren Texten zum Reformationsjubiläum und zum Theologiestudium überzeugte schließlich Slampoetin Fee Brembeck das Publikum, das immer begeisterter applaudierte. Die Münchner Theologiestudentin nahm fröhlich den Preis entgegen, der ihr von der Direktorin der katholischen Stiftung Bildungszentrum, Claudia Pfrang, überreicht wurde.

Zufriedene Veranstalter

Diese und die anderen Veranstalter, zu denen auch die Evangelische Dekanatsjugend sowie die katholische Jugendstelle und der Kreisjugendring Freising zählten, sind sehr zufrienden mit dem Abend. "Da waren viele gute Predigten dabei", schwärmt der katholische Hochschulseelsorger Dirk Berberich. Wieder einmal sei ihm aufgegangen, wie eng Glaube und Sprache zusammengehören. Seine evangelische Kollegin freut sich über das bunt gemischte Publikum: "Das Alter reichte von ewa zehn bis weit über 70. Und alle wollten hören, was diese jungen Leute über den Glauben zu sagen haben. Ein solch generationenübergreifendes Publikum für einen Poetry Slam ist vielleicht nur in einer Kirche möglich."


12.05.2017 / elkb