Reformation im Fluss

"Vom Leistungsdruck befreit"

Das Schiff 'MS Franconia'

Es startete in Volkach und machte in den Dekanaten Würzburg und Lohr Station. An Pfingsten ist das Schiff "MS Franconia" in Aschaffenburg und Wertheim.

Bild: Ralph Bauer, Mainpost

Als swingendes "Jesusboat" war die MS Franconia im Dekanat Lohr am Main unterwegs. Auch ein Dekanatskindertag und Gottesdienste fanden an Bord statt. Wieder dabei: Regionalbischöfin Gisela Bornowski.

In ihrer Predigt auf dem Main betonte die Regionalbischöfin, Martin Luther habe die Christen mit seinem reformatorischen Wirken von Leistungsdruck und Glaubensanstrengung befreit. Es gehe um ein "Leben aus der Rechtfertigung", ein Leben aus dem Vertrauen heraus, "dass Gott mich liebt, und ich nichts leisten kann und muss, um mir diese Liebe zu verdienen". Das Vertrauen habe die Kirche damals "völlig verschüttet" und an seine Stelle die Angst vor einem Leben nach dem Tod in der Hölle gesetzt.

"Wir können uns nicht den Himmel verdienen"

Die Menschen seien Gott "unendlich viel wert", und auch das, was sie täten - egal ob im Beruf, im Ehrenamt oder in der Familie. Aber obwohl er unsere Mühen und unser Tun schätze, so "können wir uns nicht den Himmel verdienen", sagte Bornowski. Man könne eben "kein Sparkonto eröffnen", mit dessen Guthaben man sich dereinst dann den Eintritt ins Himmelreich finanziere. Man könne sich nicht nur Gott nicht verdienen, sagte die evangelische Theologin: "Ich kann mir nicht einmal die Liebe meines Mannes verdienen. Erst recht nicht die Liebe meiner Kinder. Ich kann mir auch nicht meine Gesundheit verdienen."

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Gerne evangelisch

An solchen Anforderungen zerbrächen Menschen mitunter. Wer es nicht schaffe, habe oft Schuldgefühle. Die reformatorische Erkenntnis Luthers habe die Menschen eigentlich von diesem Denken befreit. Man dürfe es hören und glauben, dass Gott sage: "Du bist mir recht, weil ich dich liebe! Auch wenn du es nicht allen recht machen kannst! Und deshalb darfst du dich selber auch lieben! Sei dir selber gut!" Sie sei sehr gerne evangelisch, sagte Bornowski, und gerne Christin: Vor allem deshalb, weil Gott "mich in meiner Unzulänglichkeit zärtlich" angeblickt habe und trotzdem an einem festhalte.

Letzter Halt: Aschaffenburg

Die letzten Stationen, die die MS Franconia anfährt, sind die Dekanate Wertheim und Aschaffenburg. Dort legt das Reformationsschiff am 4. und 5.Juni an. Im Miltenberger Hafen wird das Schiff in eine Disko verwandelt (4. Juni, ab 17 Uhr, für Jugendliche ab 13 Jahren). Und am Pfingstmontag fährt es von Miltenberg über Obernburg zum ökumenischen Stadtkirchentag nach Aschaffenburg.


22.05.2017 / epd/ELKB