Rede zum Tag der Deutschen Einheit

Verantwortete Freiheit

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm - Rede zum Tag der Deutschen Einheit 2017 in Ingolstadt

"Nationalismus ist eine Erscheinungsform von Sünde. Nationalismus vergiftet das Klima zwischen Menschen" - so Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm in seiner Rede zum Tag der Deutschen Einheit 2017.

Bild: Mölkner-Kappl

Vor den Gefahren eines wachsenden Nationalismus in Europa hat Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm bei seiner Rede zum Tag der Deutschen Einheit in Ingolstadt gewarnt.

"Wer sein eigenes Land oder seine eigene Volksgruppe überhöht und dadurch gegen die anderen in Stellung bringt, produziert Hass, irgendwann Gewalt und am Ende vielleicht sogar wieder unzählige Tote", sagte Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm bei seiner Festrede zum Tag der Deutschen Einheit am Montagabend in Ingolstadt. Auch wo dies "mit dem christlichen Mäntelchen" umgeben werde, sei Widerspruch angesagt. Kirche stehe für das Gegenteil: Versöhnung der Völker und Anerkennung der Würde eines jeden Menschen, unabhängig von seiner Nationalität oder Volksgruppe, so Bedford-Strohm.

Zitat

Welche Heilung würde unsere Gesellschaft erfahren, wenn die so lebensfreundliche  Dynamik von Selbstdistanz, Selbsterkenntnis und Neuorientierung sich Raum schaffen würde? Wenn Bereitschaft zur Selbstkritik an die Stelle von Selbstrechtfertigung und Schuldzuweisung treten würde? Die Kultur der Beschuldigung, Abwertung und Anprangerung der anderen könnte einer Kultur der Nachdenklichkeit und kritischen Selbstprüfung weichen

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm

Freiheit sei heute das zentrale Thema der Gesellschaften. Dabei dürfe es aber nicht zu einer "individualistischen Verengung des Freiheitsbegriffs" kommen, mahnte der Landesbischof. Egoismus, Gier und Verlust an sozialem Zusammenhalt seien die Folgen, wenn das Individuum mehr und mehr ins Zentrum rücke. Mehr Selbstdistanz und Selbsterkenntnis täten sowohl im privaten wie auch im öffentlichen Leben gut. So dürfe auch die politische Debatte nicht mit einer "Kultur wechselseitiger Beschuldigungen oder gar persönlicher Beleidigungen" verwechselt werden. Wer dies tue, offenbare einen Mangel an sachlicher Argumentationskraft.

Bedford-Strohm übte darüberhinaus Kritik an den Medien. Sie trügen Mitverantwortung am Verfall der politischen Kultur, wenn sie persönlichen Diffamierungen und politischer Unkultur ihre Aufmerksamkeit schenkten. Eine Sensation sollte es sein, wenn Politiker zu ihren Fehlern und Irrtümern stehen könnten, "wenn Menschen, die ihre Fehler freiherzig einräumen, nicht medial hingerichtet würden, sondern für ihre Fähigkeit zur Selbstdistanz und ihre Lernbereitschaft Respekt erfahren würden". Vor allem im Internet und in den sozialen Medien beobachte er zunehmend eine "Kultur der Abwertung und Anprangerung", kritisierte Bedford-Strohm.

Ingolstadt begeht seit 1997 den 3. Oktober mit einem Festakt unter dem Motto "Reden zur deutschen Einheit". Dazu kamen bisher prominente Redner wie der frühere Bundeskanzler Helmut Kohl, der Bürgerrechtler Friedrich Schorlemmer oder im Jahr 2009 der spätere Bundespräsident Joachim Gauck nach Ingolstadt.


03.10.2017 / epd/ELKB