Nach dem Anschlag in Berlin

"Unsere Gedanken gehen jetzt zu den Angehörigen"

Altar der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin-Charlottenburg.

Zahlreiche Gedanken und Gebete gehen nach Berlin, wo am Montagabend in unmittelbarer Nähe der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche zwölf Menschen bei einem Anschlag getötet wurden.

Bild: Johann H. Addicks / addicks@gmx.net/ GFDL

Mit Trauer und der Mahnung zur Besonnenheit haben Vertreterinnen und Vertreter der Landeskirche auf den Anschlag in Berlin reagiert, bei dem zwölf Menschen getötet und viele weitere verletzt wurden.

"Wir sind alle erschüttert über den Anschlag von Berlin, dem so viele unschuldige Menschen zum Opfer gefallen sind", sagte Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm am Dienstag in einer Videobotschaft. Man könne nur erahnen, welche Abgründe sich nun für die Angehörigen und die Verletzten auftäten.

Die Zuversicht nicht nehmen lassen

Der Ort an dem das Verbrechen stattgefunden habe, der Weihnachtsmarkt, stehe für Mitmenschlichkeit und Zuversicht. „Ich sage in aller Klarheit: Wir werden uns diese Zuversicht, diese Kultur der Mitmenschlichkeit von diesen Gewalttätern nicht zerstören lassen“. Eine Atmosphäre der Angst, des Hasses und des Misstrauens dürfe sich in Deutschland nicht breit machen. Die gute Nachricht von Geburt, Tod und Auferstehung Jesu Christi zeige: „Die Gewalt hat nicht das letzte Wort, das Leben siegt“. Die Botschaft von Weihnachten werde niemand zerstören können, betonte Bedford-Strohm auch in einer Sendung ZDF-Spezial. „Wir halten jetzt zusammen, wir lassen uns von der Angst nicht übermannen.“

Breit-Keßler: Wir brauchen eine Zeit der Besonnenheit

In Gedanken und Gebeten sei sie bei den Menschen am Breitscheidplatz, äußerte sich auch die ständige Vertreterin des Landesbischofs, Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler, am Abend der Tat über die Sozialen Medien. „Ich denke an Polizei und Rettungskräfte, die Menschenmögliches tun, um zu helfen.“ Harsche Kritik übte die Regionalbischöfin an den Versuchen, „aus dem Elend anderer schon in diesen Minuten politisches Kapital“ zu schlagen. Dies sei der Niedergang der politischen Kultur. „Wir brauchen eine Zeit der Besonnenheit“, forderte Breit-Keßler auch in einer Sondersendung der „Münchner Runde“ im Bayerischen Fernsehen. „Jetzt ist die Zeit der Trauer.“

Anarbeiten gegen Lähmung

Man müsse die Gefühle und Ängste der Menschen sehr ernst nehmen, aber gleichzeitig gegen Lähmung vorgehen, „indem man sagt: "Leute, lasst uns in Kirchengemeinden, in der Gesellschaft und überall das Gespräch miteinander suchen – mit Politikern, Politikerinnen, mit der Polizei, mit den Juristen, mit all denen, die damit zu tun haben, damit wir unser freiheitlich-demokratisches System bewahren und erhalten.‘ Das ist alles ein Anarbeiten gegen Lähmung. Das ist ganz ganz wichtig.“ Gegen den Ausspruch von IS- Vertretern „Ihr liebt das Leben, wir lieben den Tod.“ setzte die Regionalbischöfin: „Jawoll, wir lieben das Leben gerade auch als Christenmenschen, und dafür setzen wir uns ein, und dafür kämpfen wir, auch für unser wunderbares Land, und das lassen wir uns nicht nehmen.“

Greiner: nicht auf Verführer oder Vereinfacher hereinfallen

Das grauenvolle Attentat auf dem Weihnachtsmarkt erinnere an das Geschehen an der Uferpromenade in Nizza und an weitere Anschläge – auch in Würzburg und Ansbach, schreibt Regionalbischöfin Dorothea Greiner in einem Wort zum Feiertag. Durch diese Gewalttaten und durch politische Entwicklungen seien Unsicherheit und Sorge im vergangenen Jahr bei vielen Menschen gewachsen. Dagegen stehe das geballte „Fürchte Dich nicht“ der Weihnachtsbotschaft. „Wir selbst brauchen diesen Ruf der Engel.“ Seine Botschaft „Euch ist heute der Heiland geboren“ bewähre sich heute und verändere den Blick auf die Gegenwart: „Unsere Welt braucht Christenmenschen, die – gefestigt durch Gottvertrauen – nicht auf Verführer oder Vereinfacher hereinfallen. Weder lähmende Angst noch Misstrauen führen uns weiter, wohl aber ein Glaube, der durch Gottes ‚Fürchte dich nicht‘ geweckt, wachsam, gelassen und vernünftig in die Zukunft geht.“


21.12.2016 / ELKB