Pressemitteilung vom 30.03.2017

Bayerische Landeskirche macht sich auf den Weg zu Reformen

Heute ging in Coburg die viertägige Tagung der Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern zu Ende.

Die wichtigsten Beschlüsse im Überblick:

Reformprozess gestartet

Im Zentrum der diesjährigen Frühjahrstagung der bayerischen Landessynode im oberfränkischen Coburg von 26.-30. März stand der Reformprozess "Profil und Konzentration". Mit ihrer einmütigen Zustimmung haben die 108 Synodalen den Startschuss gegeben für einen breit angelegten missionarischen Reformprozess unter dem Titel "Profil und Konzentration". Landesbischof Bedford-Strohm: "Wir haben jetzt die Chance, Kirchenentwicklung kreativ zu gestalten, bevor wir womöglich irgendwann nur noch reaktiv arbeiten werden." Der Vorsitzende des synodalen Organisationsausschusses, Dekan Günter Saalfrank, betonte, dass es für „Profil und Konzentration“ kein fertiges Umsetzungskonzept der Kirchenleitung gebe, sondern die Mitarbeit der Dekanate, Gemeinden, Dienste und Einrichtungen ausdrücklich erwünscht und unerlässlich sei für ein Gelingen des Prozesses.

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Die Kirche wirkt in immer unterschiedlicheren Lebensräumen. Es soll daher verstärkt dezentral geplant und gestaltet werden können, je nach den Erfordernissen vor Ort. Ausgehend von den verbindenden Grundaufgaben der Kirche wird angeregt, dass Gemeinden, Dienste und Diakonie in Regionen gemeinsam überlegen, wie Kirche vor Ort präsent ist. Der Impuls von „Profil und Konzentration“ ist dabei, stärker die Chancen von Vernetzung zu nutzen: Gemeinden können in manchen Bereichen gemeinsam mehr Menschen erreichen als alleine und sich gegenseitig mit ihren Angeboten unterstützen. Regionale Schwerpunktbildungen können helfen, die örtliche Arbeit zu entlasten. Dazu wird angeregt, bisherige zentrale Entscheidungskompetenzen zu Personal und Finanzen zu dezentralisieren. Synodalpräsidentin Annekathrin Preidel: "Dabei wollen wir den Dekanaten und Regionen viel Gestaltungsfreiheit ermöglichen". Nach dem Beschluss der Synode und aller anderen kirchenleitenden Organe in Coburg sollen in den kommenden Monaten in den Dekanaten und kirchlichen Einrichtungen die Diskussionen beginnen - etwa über neue Formen christlicher Gemeinschaft, die Arbeit am geistlichen und spirituellen Profil, Vernetzung mit kommunalen und ökumenischen Partnern und die engere Kooperation von Diakonie und Kirche.

Barmer Theologische Erklärung in Kirchenverfassung aufgenommen

Die Synode hat mit großer Mehrheit beschlossen, in den Grundartikel der Kirchenverfassung einen Hinweis auf die Barmer Theologische Erklärung aufzunehmen. Der geänderte dritte Absatz des Grundartikels lautet in der neu beschlossenen Fassung: „Mit den christlichen Kirchen in der Welt bekennt sie ihren Glauben an den Dreieinigen Gott in den altkirchlichen Glaubensbekenntnissen. Sie hält sich in Lehre und Leben an das evangelisch-lutherische Bekenntnis, wie es insbesondere in der Augsburgischen Konfession von 1530 und im Kleinen Katechismus D. Martin Luthers ausgesprochen worden ist

Damit bezeugt sie die Rechtfertigung des sündigen Menschen durch den Glauben um Christi willen als die Mitte des Evangeliums. In der Barmer Theologischen Erklärung von 1934 weiß sie die befreiende und verbindliche Kraft des Evangeliums Jesu Christi aufs Neue bekannt.“

Evangelische Erwachsenenbildung stellt sich neu auf

Die Evangelische Erwachsenenbildung wird sich künftig in ihrer Ausrichtung noch stärker mit den Kirchengemeinden vernetzen, um diese zu entlasten und mit inhaltlich profilierter Arbeit die regionale Entwicklung in den Dekanatsbezirken unterstützen. Dazu sollen 10 hauptamtliche Stellen auf Landesebene eingerichtet werden. Die Synode hat die dafür nötige Umwidmung bestehender Stellen und Zuschussgelder befürwortet.

Antrag auf Sonderzuweisungen für Kirchengemeinden

Mehrere Kirchengemeinden hatten einen Antrag auf zusätzliche Finanzmittel gestellt. Die Synode bittet die Gemeindeabteilung im Landeskirchenamt ein Konzept zur Unterstützung besonders finanzschwacher Gemeinden zu erarbeiten- auf Basis einer Evaluation des innerkirchlichen Finanzausgleiches. Dabei solle auch ein Anreizsystem für die verstärkte Zusammenarbeit von Gemeinden geschaffen werden.

Aktuelle Stunde zur Situation der Asylbewerber In einer aktuellen Stunde am Donnerstag beschäftigte sich die Synode mit der Situation von Asylbewerbern und von Haupt- und Ehrenamtlichen in Unterstützerkreisen und Kirchengemeinden. Als Fachleute standen Ministerialrat Hans-Eckhard Sommer aus dem Bayerischen Innenministerium und Pfarrer Jost Herrmann, Koordinator für Asylunterstützerkreise im Landkreis Weilheim-Schongau, den Synodalen Rede und Antwort.


30.03.2017 / Coburg/München, Johannes Minkus, Pressesprecher