Pressemitteilung vom 23.10.2015

Evangelische Landeskirche und DGB Bayern: Zäune sind keine Lösung

Bekämpfung von Fluchtursachen und Integration in Arbeit sind die wichtigsten Aufgaben.

Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern (ELKB) und der Bezirksvorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) Bayern stimmen beim Thema Flüchtlinge in der Bewertung der Situation und in der Einschätzung der Herangehensweise zur Lösung der Situation weitgehend überein. Bei einem Gespräch am Mittwochnachmittag in München waren sich ELKB und DGB einig, dass Abschottung, Grenzzäune und Transitzonen keine Lösung sind.

Heinrich Bedford-Strohm, bayerischer Landesbischof und EKD-Ratsvorsitzender erinnerte an die Bibelstelle, wo Jesus sagt: ‚Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen‘. „Als Christen können wir gar nicht anders, als beim Umgang mit Flüchtlingen diesen Satz Jesu im Hintergrund zu haben“. Europa als Ganzes müsse seiner Verantwortung gerecht werden. Auch die damit verbundenen Lasten müssten von allen getragen werden.

Matthias Jena, Vorsitzender des DGB Bayern, sagte: „Humanität kann keine Obergrenze haben. Die Menschen, die zu uns kommen, flüchten aus Angst um ihr Leben. Wir sind verpflichtet, ihnen zu helfen.“

Als wichtigste Aufgaben identifizieren ELKB und DGB Bayern die Bekämpfung von Fluchtursachen und die Integration der Flüchtlinge, vor allem über den Spracherwerb sowie durch Integration in den Arbeits- und Ausbildungsmarkt.

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Bedford-Strohm warnte davor, dass die Menschen in den Flüchtlingslagern in den Nachbarländern von Syrien sich gezwungen sehen könnten, auch den gefährlichen Weg nach Europa anzutreten, wenn in den Lagern nicht einmal die Lebensmittelversorgung sichergestellt sei. Die bayerische Landeskirche werde in diesen Tagen 500.000 Euro für die Versorgung in den Flüchtlingslagern zu Verfügung stellen, kündigte Bedford-Strohm an.

Jena betonte: „Die Integration in Arbeit und Ausbildung ist der Schlüssel für eine gelingende Integration insgesamt. Der Spracherwerb ist dafür wiederum die Voraussetzung. Es müssen etliche Hindernisse abgebaut werden, die den Zugang in Arbeit und Ausbildung erschweren: Zum Beispiel müssen erworbene Kompetenzen schneller anerkannt und Beschäftigungserlaubnisse zügiger erteilt werden. Dabei muss völlig klar sein, dass Lohnstandards und das Arbeitsrecht auch für Flüchtlinge uneingeschränkt gelten. Sie sind keine Menschen und keine Beschäftigten zweiter Klasse.“

ELKB und DGB Bayern warnen gemeinsam davor, Flüchtlinge und andere sozial schwache Gruppen gegeneinander auszuspielen.

Jena stellte klar: „Flüchtlinge dürfen jetzt nicht als Scheinargument für Fehlentwicklungen herhalten, die wir seit mehreren Jahren haben, zum Beispiel beim sozialen Wohnungsbau. Auf dem Arbeitsmarkt müssen wir die Förderung im Hartz-IV-System insgesamt verstärken, egal ob Flüchtling oder nicht.“

Bedford-Strohm rief dazu auf, jenseits der unterschiedlichen politischen Lösungsvorschläge in jedem Flüchtling „den einzelnen Menschen zu sehen, mit seiner ganz individuellen Lebensgeschichte, mit seinen Hoffnungen und Wünschen. So wie Gott jeden von uns anschaut.“

ELKB und DGB Bayern legen allen gesellschaftlichen und politischen Akteuren nahe, die Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen zu unterstützen, die an der Integration der Flüchtlinge beteiligt sind.

Oberkirchenrat Detlev Bierbaum sagte, dass die Evangelische Erwachsenenbildung in Bayern bereit stehe, die vielen ehrenamtlich Engagierten mit Fortbildungen zu unterstützen. Auch für die Koordination des ehrenamtlichen Einsatzes vor Ort sei Personalkapazität nötig.

Jena sagte: „Die Gewerkschaften wirken über die Betriebs- und Personalräte in die Betriebe und Verwaltungen hinein, um dort die Willkommenskultur zu festigen. Wir wünschen uns, dass auch Polizisten, Lehrer, Sozialarbeiter, die Beschäftigten in Jugend- und Ausländerämtern sowie alle anderen Hauptamtlichen von ihren Arbeitgebern und Dienstherren die Unterstützung erhalten, die sie benötigen.“

 

Gemeinsame Pressemitteilung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und des DGB Bayern. Diese Pressemitteilung wird zeitgleich von der ELKB und vom DGB Bayern verschickt.


23.10.2015 / München, Johannes Minkus, Pressesprecher