Pressemitteilung vom 19.3.2015

Landessynode äußert sich zur Situation der Christen in Syrien und im Irak

Die Synode hat sich im Rahmen ihrer Frühjahrstagung in Bad Wörishofen mit der Situation der Christen in Syrien und Irak beschäftigt und dazu eine offizielle Erklärung verabschiedet.

Die Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern hat sich im Rahmen ihrer Frühjahrstagung vom 15. bis 19. März in Bad Wörishofen mit der Situation der Christen in Syrien und Irak beschäftigt und heute dazu folgende Erklärung verabschiedet:

„Die Lage der Christen und der anderen Minderheiten wie Jeziden, Kurden und auch muslimischen Gruppen in Syrien und im Irak, hat sich weiter verschlechtert. Dies wurde in den letzten Wochen deutlich bei den Angriffen auf die christlichen Dörfer am Khabour-Fluß in Ostsyrien. Tausende flohen in die Provinzstadt Hassake, Hunderte wurden entführt, die Existenz der christlichen Dörfer ist bedroht. Wir sind Zeugen des Versuchs der totalen Auslöschung christlicher Kultur im Nahen Osten. Die Terrormilizen des sogenannten „Islamischen Staates“ gehen mit unerträglicher Grausamkeit gegen alles vor, was ihrer engen und fanatischen Auslegung des Koran widerspricht.

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Mit großer Sorge und Anteilnahme verfolgen wir das Schicksal unserer Glaubensgeschwister in Syrien und im Irak. Gemeinsam mit den Flüchtlingen aus den orientalischen Kirchen in unserer Mitte leiden wir mit den Kindern, Frauen und Männern, die im Nahen Osten schrecklicher Verfolgung und Bedrohung ausgesetzt sind. Neben den Eroberungen, Vertreibungen, Entführungen, Vergewaltigungen und Morden wird mit der Zerstörung der antiken Denkmäler Mesopotamiens auch versucht, die kollektive Identität der Minderheiten und die Jahrtausende alte Kultur zu zerstören. Die Christen des Irak sehen sich als Nachfahren der biblischen Assyrer mit ihrer Hauptstadt Ninive, dem heutigen Mosul. Die Zerstörung der assyrischen Schätze in Mosul und der Ruinenstädte Nimrod, Hatra und Chorsabad durch den „Islamischen Staat“ ist der gezielte Versuch, diese vorarabischen und vorislamischen Wurzeln der Christen abzuschlagen. Es werden hier nicht nur Steine zerhauen, es wird das Erbe und die Würde der christlichen Assyrer zerstört.

Als Evangelisch Lutherische Kirche in Bayern stehen wir an der Seite unserer bedrängten Glaubensgeschwister. Wir ermutigen die Kirchengemeinden an der Fürbitte für die bedrängten Christen und anderen Minderheiten im Nahen Osten festzuhalten und im Gebet nicht nachzulassen.

Wir unterstützen die weltweite Aktion „Demand for Action“ der orientalischen Christen als dringenden Ruf an die Vereinten Nationen, endlich für den Schutz der Menschen des Nahen Ostens aktiv zu werden. Deshalb appellieren wir dringend an die Vereinten Nationen, die Zukunft des Nahen Ostens endlich mit der notwendigen Intensität zu thematisieren, Konzepte dafür zu entwickeln, wie Menschen geschützt werden können und wie die religiöse und ethnische Vielfalt erhalten werden kann.

Wir appellieren an die Bundesregierung, ein weiteres größeres Aufnahmekontingent für Flüchtlinge aus Syrien und Irak, die dem Krieg dort entkommen sind, zu beschließen.

Ausdrücklich danken wir allen, die sich bei uns in der Flüchtlingsarbeit engagieren und so für eine positive Willkommenskultur in unserer Gesellschaft eintreten.“


19.03.2015 / München, Johannes Minkus, Pressesprecher