Pressemitteilung vom 23.03.2018

Landeskirchenrat lässt Umgang mit NS-belasteten Kirchenmitarbeitern nach 1945 erforschen

Der Landeskirchenrat will klären lassen, wie die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern nach 1945 mit ihren NS-belasteten Mitarbeitern umgegangen ist

Das soll in einem zweijährigen Projekt unter der Leitung des promovierten Historikers und Pfarrers der Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau, Björn Mensing, erforscht werden. Dafür werden die Personalakten im Landeskirchlichen Archiv in Nürnberg und Bestände im Bundesarchiv in Berlin ausgewertet, aber auch Interviews mit noch lebenden Zeitzeugen geführt.

Auslöser des Forschungsprojekts war eine Reportage der Zeitung „Fränkischer Tag“ über den Fall des 1987 verstorbenen Pfarrers und Religionslehrers Alfred Schemmel. Dieser war, wie inzwischen nachgewiesen, zwischen 1942 und 1944 als SS-Hauptsturmführer im Konzentrationslager Auschwitz unmittelbar am Holocaust beteiligt. Schemmel war ein evangelischer Volksschullehrer aus Siebenbürgen und fälschte nach 1945 seine Biographie.

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Der Fall warf die Frage auf, wie die bayerische Landeskirche damals verfahren ist, als sie Personen in ihren Dienst nahm, die durch ihre nationalsozialistische Vergangenheit möglicherweise erheblich vorbelastet waren.

Neben den Pfarrern werden auch die Diakone, die Kirchenjuristen und weitere Kirchenbeamte im gehobenen und höheren Dienst untersucht, sowie die "weltlichen" Mitglieder der Landessynode. Mit einer Recherche nach NS-Verstrickungen und deren Nachwirkungen auf die kirchlichen Karrieren von mehr als 2300 Personen handelt es sich um ein Pilotprojekt. Noch keine Gliedkirche der Evangelischen Kirche in Deutschland hat ein solches Forschungsprojekt in Auftrag gegeben.


23.03.2018 / München, Johannes Minkus, Pressesprecher