Pressemitteilung vom 17.10.2016

Synodalpräsidentin ehrt den vor 75 Jahren von den Nazis ermordeten Kirchenjuristen Martin Gauger in der KZ-Gedenkstätte Dachau

Eröffnung der Ausstellung „Seine Kirche aber schwieg“ in den Räumen der Versöhnungskirche

In einem Gottesdienst in der evangelischen Versöhnungskirche auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Dachau hat heute die Präsidentin der bayerischen Landessynode, Annekathrin Preidel, an Martin Gauger erinnert.

Gauger war der einzige namentlich bekannte Jurist, der es 1934 ablehnte, den Amtseid auf Adolf Hitler zu leisten. Am 15. Juli 1941 wurde Martin Gauger in der Euthanasie-Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein ermordet. Gauger stand ab 1935 im Dienst der „Bekennenden Kirche“ in Berlin. Seit 1938 war er bei der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern angestellt. Die bayerische Kirchenleitung beendete im Juni 1940 das Dienstverhältnis. Gaugers Mutter hatte die Landesbischöfe Hans Meiser und Theophil Wurm vergeblich gebeten, sich dafür einzusetzen, dass ihr Sohn ein ordentliches Gerichtsverfahren bekomme.

Mehr zum Thema

Mit der Erinnerung an Martin Gauger können wir heute „nichts mehr gut machen“, so die Synodalpräsidentin. „Aber wir können mit unseren Worten, Gesten und Gedächtnisritualen dafür sorgen, dass das Unheilvolle nicht vergessen wird und uns diejenigen gegenwärtig bleiben, die das Unrecht beim Namen nannten“. Sie seien für uns „Vorbilder für eine glaubwürdige Kirche“, so Preidel. Heilung sei nur „auf dem Weg des erinnernden Durcharbeitens möglich“, sagte Preidel. „Heilung wird nicht möglich, wenn sich der Nebel der Gleichgültigkeit und der Geschichtsvergessenheit über die Dinge legt.“

Im Jahr 2006 hatte Landesbischof Johannes Friedrich gegenüber der (inzwischen verstorbenen) Schwester Gaugers, Hedwig Heiland, namens der Vereinten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) und des Landeskirchenrats der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern sein Bedauern über das Versagen der Kirche gegenüber Dr. Gauger ausgesprochen. In einer Gedenkveranstaltung im April 2015 aus Anlass seines 110. Geburtstages hatte die bayerische Kirchenleitung Martin Gauger im Landeskirchenamt München geehrt.

Mit dem Gedenkgottesdienst heute in der Versöhnungskirche wurde die Ausstellung „Seine Kirche aber schwieg“ des Berliner Antikriegsmuseums eröffnet, deren Texte für die Dachauer Präsentation im Blick auf die vielen internationalen Gäste der Gedenkstätte ins Englische übersetzt wurden. Die Ausstellung wird bis Ende Februar gezeigt: montags von 11 bis 13 Uhr, dienstags bis samstags von 10 bis 16 Uhr und sonntags von 12 bis 13 Uhr.


17.10.2016 / München, Johannes Minkus, Pressesprecher