Pressemitteilung vom 12.05.2016

Landeskirche verleiht Freiherr Wilhelm von Pechmann-Preis

Breit-Keßler: Warum ist Protestantismus wieder anfällig für Ausgrenzung von Fremden? 

Die Münchner Regionalbischöfin und Ständige Vertreterin des Landesbischofs, Susanne Breit-Keßler und Synodalpräsidentin Annekathrin Preidel überreichten heute in der Münchner St. Markuskirche den mit insgesamt 10.000 Euro dotierten Freiherr Wilhelm von Pechmann-Preis der Evangelisch Lutherischen Kirche in Bayern an die diesjährigen Preisträger.

„Bedauerlicherweise ist es heute wieder nötiger denn je, sich Parolenbrüllern und Hasspredigern entgegen zu stellen“, so Breit-Keßler in ihrer Begrüßung. Man solle sich nicht täuschen: Dies seien „Menschen mitten aus der Gesellschaft, gebildet, gut situiert, fromm“. Die Führungsriege der AfD sei vielfach evangelisch und oft in ihren Gemeinden engagiert. „Damit müssen wir uns auseinandersetzen“, so Breit-Keßler, bis hin zur Frage, „warum der Protestantismus immer wieder anfällig ist für Denkstrukturen, die Anderes, Fremdes, Neues so vehement ausgrenzen“.
Es gebe in Deutschland „seit langem ein hohes Maß an längst nicht mehr latenter Ausländerfeindlichkeit, manchmal offenem Rassismus und widerlichem Antisemitismus“, hob Breit-Keßler hervor. Insbesondere wenn Menschen unzufrieden seien und nach Sündenböcken suchten, müsse die Demokratie verteidigt werden, denn „ihre größter Feind ist der Trugschluss, sie sei nicht in Gefahr."
Auf das Evangelium jedenfalls könnten sich die neuen Rechten mit ihren Programmen nicht berufen, so die Regionalbischöfin. Sie seien unvereinbar mit der Vision Jesu von einem friedfertigen Miteinander auf Erden, zu dem nach dem Neuen Testament die Völker aus allen Himmelsrichtungen zusammenströmen. „Letztlich verraten und pervertieren die neuen Rechten genau die konservativen Werte, die zu verteidigen sie vorgeben“.

 

Mehr zum Thema

Synodalpräsidentin Annekathrin Preidel rief in ihrem Schlusswort dazu auf, nicht aufzuhören „uns erzählen zu lassen, was geschehen ist, auf dass wir sensibel bleiben für das, was um Gottes willen nicht wieder geschehen soll.“ Einmal mehr könnte es sein, „dass wir unterschätzen und nicht wahrhaben wollen, was sich in Deutschland zusammenbraut“. Menschenwürde, Toleranz und Respekt stünden „heute, hier und jetzt mitten in unserem Land“ auf dem Spiel. „Kirche für Andere sind wir, wenn wir dem Rad der fremdenfeindlichen Menschenverachtung zivilcouragiert in die Speichen fallen“, so die Synodalpräsidentin. In diesem Sinne seien die beiden ausgezeichneten Projekte „leuchtende Beispiele einer Kirche für Andere“.

Ausgezeichnet wurden:

Kreisverband Ansbach der Evangelischen Landjugend
für die beiden Veranstaltungen:
„Orte des Grauens-Zeichen der Hoffnung“ -eine Erkundungsfahrt mit 110 Personen zu fünf Stationen des Nationalsozialismus in Ansbach und Umgebung
und „Lebensborn: Himmlers SS und ihre Kinder in Ansbach“. Erzählcafé mit 92 Teilnehmern im Bezirksklinikum Ansbach.

Bürgerinitiative „Wunsiedel ist bunt, nicht braun“, die Jugendinitiative gegen Rechtsextremismus Wunsiedel, die Evang.-Luth. Kirchengemeinde Wunsiedel, die Projektstelle gegen Rechtsextremismus „bunt – nicht braun“, sowie das Evang. Bildungs- und Tagungszentrum Bad Alexandersbad für das Projekt „Rechts gegen Rechts – Der unfreiwilligste Spendenlauf Deutschlands.“
Eine kreative Protestaktion am 15. November 2014 gegen den jedes Jahr in Wunsiedel stattfindenden Aufmarsch von Rechtsextremisten: Für jeden Meter, den die Neonazis bei ihrem Gedenkmarsch zurücklegten, wurde eine bestimmte Summe Geld an die Aussteigeraktion EXIT gespendet und damit der mögliche Ausstieg aus der rechtsextremistischen Szene finanziert. Insgesamt kamen 10.000 Euro zusammen.

Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern hat diesen Preis gestiftet zum Gedächtnis an Wilhelm Freiherr von Pechmann (1859-1948), den ersten gewählten Präsidenten der Evangelisch-Lutherischen Generalsynode in Bayern. Freiherr von Pechmann war entschiedener Gegner des „Dritten Reiches“ und bekleidete neben seinem Beruf als leitender Banker zahlreiche nationale und internationale Ehrenämter in Wirtschaft und Kirche. Der Preis würdigt seine besonderen Verdienste um Humanität und Recht, Christentum und Kirche und sein Eintreten für jüdische Mitbürger. Ausgezeichnet werden herausragende Leistungen in der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus in der historisch-wissenschaftlichen Forschung, in Bildungsarbeit und Publizistik, sowie vorbildliches Engagement für Gemeinsinn und Zivilcourage in der Gegenwart.

 


12.05.2016 / München, Johannes Minkus, Pressesprecher