Pressemitteilung vom 11.05.2016

Willkommenskultur ist praktizierte Nächstenliebe

Unverständnis über Seehofer-Äußerung 

Scharfe Kritik hat der Landeskirchenrat der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern an der Äußerung von Ministerpräsident Seehofer geäußert, dass ein „Ende der Willkommenskultur in Deutschland notariell beglaubigt“ worden sei. „Wer zu uns kommt, muss menschenwürdig behandelt werden. Das verstehen wir unter Willkommenskultur“, stellte Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm klar.
Fremde aufzunehmen und Menschen in Not beizustehen sei Kern des christlichen Glaubens. Das hohe Engagement von Tausenden Ehrenamtlicher für die Flüchtlinge in Bayern sei ein „großartiges Zeichen praktizierter Nächstenliebe und Ausdruck einer gesellschaftlichen Kultur, auf die wir stolz sein können“, betonten die Mitglieder des Landeskirchenrates. 

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 Bislang sei es verbindlicher Konsens von Politik und Kirchen gewesen, diese Willkommenskultur wertzuschätzen und zu fördern, sagte Bedford-Strohm. Falls sich der Ministerpräsident tatsächlich von diesem Konsens verabschieden wolle, löse das „Unverständnis und Verärgerung“ aus, so der Landeskirchenrat: „Auf der einen Seite bei Empfängen das Engagement der Ehrenamtlichen für Flüchtlinge zu loben, und auf der anderen Seite das Ende der Willkommenskultur zu proklamieren, ist ein Widerspruch. Dieser schadet der Glaubwürdigkeit der Staatsregierung ebenso wie dem entschiedenen gesamtgesellschaftlichen Eintreten gegen Rechtsextremisten, die sich bestätigt fühlen könnten.“
Der Landesbischof stellte klar, dass nicht alle Menschen, die nach Deutschland kommen, auch hier bleiben könnten. Die Entscheidung darüber falle aber im Rahmen der rechtlichen Verfahren. Er erwarte, dass der Ministerpräsident seine Äußerungen – sollten sie zutreffend berichtet worden sein – rasch klarstelle.


11.05.2016 / München, Johannes Minkus, Pressesprecher