Pressemitteilung vom 11.03.2016

„Weniger wird mehr sein!“

Landesbischof Bedford-Strohm zum Auftakt des Themenjahres „Kirche und die EineWelt“ in Nürnberg 

Wenn die Kirchen von Globalisierung sprechen, dann müssen sie der Perspektive der Menschen in den armen Ländern den gleichen Stellenwert geben wie der eigenen europäischen Perspektive, so der bayerische Landesbischof und EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm heute in Nürnberg. Der Globalisierung der Wirtschaft müsse eine Globalisierung der Menschlichkeit entsprechen. Der Landesbischof sprach über „Reformatorische Theologie angesichts der Herausforderungen der Globalisierung“ im Rahmen eines Symposiums zum bayerischen Auftakt des Themenjahrs „Kirche und die Eine Welt“ veranstaltet vom Partnerschaftszentrum der bayerischen Landeskirche, Mission EineWelt. 

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In vielen Stimmen aus den Kirchen in den armen Ländern komme ein „Schrei nach Gerechtigkeit“ zum Ausdruck, berichtete Bedford-Strohm. Der „riesige Graben zwischen dem Ressourcenverbrauch der reichen und der armen Länder“ offenbare „gravierende Ungerechtigkeiten“. Angesichts des Klimawandels sei es unmöglich, „die Zerstörungsqualität des gegenwärtigen Wirtschaftens zu ignorieren“.

Als Konsequenz aus dieser Einsicht werde sich das Leben in Deutschland und Europa „ändern müssen“, betonte der Landesbischof. Kriterien der sozialen Gerechtigkeit und ökologischen Nachhaltigkeit müssten ins Zentrum rücken. „Weniger wird mehr sein“, so Bedford-Strohm. „Die Menschen werden glücklicher sein, weil sie tief in der Seele wissen, dass sie nicht gegen die anderen leben, sondern mit ihnen.“

Zur Frage, ob sich die Kirche zu politischen oder wirtschaftsethischen Fragen äußern solle, habe sich seit den 80er Jahren ein „bemerkenswerter Wandel“ vollzogen. Damals habe die Devise gegolten „Konzentriert euch auf das Beten!“. Heute dagegen, so Bedford-Strohm, erwarteten viele in Politik und Gesellschaft, dass sich die Kirchen in die öffentlichen Debatten einmischten. Die Religionsgemeinschaften sollten nach seiner Überzeugung eine wichtige Rolle spielen bei der Korrektur gesellschaftlicher Fehlentwicklungen. Die großen Zukunftsfragen unserer Zeit wie gerechte Handelsbeziehungen, die Überwindung von Krieg und Terror und die ökologische Umorientierung der Wirtschaft seien nur auf globaler Ebene zu lösen. In der weltweiten Zivilgesellschaft sei die starke Stimme der Kirche als weltweites Netzwerk mit tiefer lokaler Verwurzelung deswegen wichtiger denn je.

 


11.03.2016 / München, Johannes Minkus, Pressesprecher