Pressemitteilung vom 02.02.2016

Mitgefühl für die Flüchtlinge und Rechtsordnung sind kein Gegensatz

Landesbischof Bedford-Strohm spricht vor Münchner Studenten über Migration

Mitgefühl für die Not der Flüchtlinge und eine klare Rechtsordnung sind aus christlicher Sicht kein Gegensatz. Das hat der bayerische Landesbischof und EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm heute in einer Vorlesung über ethisch-theologische Aspekte der Migration an der Ludwig-Maximilians Universität in München klargestellt.

Er erinnerte daran, dass die Kirchen nie die Abschaffung aller Grenzen gefordert hätten. Die Landesgrenzen haben einen sozialethischen Wert, „als sie die Grundlage für die Aufrechterhaltung der Ordnung eines Staates oder eines Staatenverbundes sein können, ohne die am Ende auch die Schwachen Schaden leiden“.
Doch gleichzeitig müsse der Grenzschutz so wahrgenommen werden, dass der „Anspruch jedes Menschen auf Schutz vor Verfolgung, Terror und Krieg“ ernst genommen werde, betonte der Landesbischof.

 

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Bei der Entscheidung über Asylanträge dürften verbindliche rechtliche Regelungen und humanitäre Motive nicht gegeneinander ausgespielt werden, so Bedford-Strohm. Gerade dann, wenn das Recht ein Handeln impliziere, das für einzelne Menschen eine Härte bedeute, müsse es mit Empathie ausgeführt werden. Die Durchführung von Rechtsverfahren zur Entscheidung von Asylanträgen impliziere immer auch die Möglichkeit, dass Menschen in ihre Herkunftsländer zurückkehren müssten. Aber auch dann müssten diese Menschen, „die den falschen Versprechungen der Schlepperbanden auf den Leim gegangen sind, alles verkauft haben, um sie zu bezahlen und nun umso verzweifelter sind,“ im Rückführungsverfahren mit Empathie behandelt werden.

Bedford-Strohm wandte sich auch gegen eine falsche Gegenüberstellung von Gesinnungs- und Verantwortungsethik. Jede Verantwortungsethik beruhe auch auf einer bestimmten Gesinnung. Gesinnungsethik und Verantwortungsethik müssten deswegen aufeinander bezogen werden. Wenn die Gesinnung eine christliche sei, heiße verantwortliches Handeln, die Konsequenzen auch für die Schwächsten in die eigenen Überlegungen miteinzubeziehen.

 


02.02.2016 / München, Johannes Minkus, Pressesprecher