Predigten zu Weihnachten

"Ich steh an Deiner Krippe hier"

Weihnachten

Mit der Friedensbotschaft des Weihnachtsfestes beschäftigten sich in diesem Jahr die Weihnachtspredigten des Landesbischofs sowie der Regionalbischöfinnen und -bischöfe.

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Mit der Anbetung des Kinds in der Krippe beschäftigten sich in diesem Jahr die Weihnachtspredigten des Landesbischofs sowie der Regionalbischöfinnen und -bischöfe.

Von dem Kind gehe eine Bewegung aus, die die Welt verändere, predigte Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm im Gottesdienst am ersten Weihnachtsfeiertag in München St. Matthäus."Gott ist in ihm Mensch geworden und hat einer Welt, in der es so viele Kriegserklärungen gibt, ein für alle Mal die Liebe erklärt." Die Menschen, die dem göttlichen Kind begegneten, könnten nicht anders, als sich demütig zu verneigen und anzubeten. Die Johannesoffenbarung (7,9-12) erzähle von Menschen, die um den Thron Gottes versammelt sind, Menschen "die zum ersten Mal begreifen, was Liebe ist und war und sein wird. ... Gottes Präsenz in Liebe ist so groß, dass selbst die Engel und die Ältesten nicht anders können, als niederzufallen." Thron und Lamm, diese zwei sehr unterschiedlichen Bilder für Gott zeigten, dass Gott in den Höhen und Tiefen da sei. Das zeigten schon die Hirten, die aus dem täglichen Existenzkampf an die Krippe kämen.

Doch dieser Kampf sei längst entschieden. "Auf dem Thron am Ende der Zeiten sitzt nicht irgendein Gewaltherrscher, kein Hassprediger und auch nicht der Tod. Auf dem Thron am Ende der Zeiten sitzt Gott, der Ewige, der Himmel und Erde gemacht hat, und das Lamm, das unseren Schmerz kennt, unsere Verletzlichkeit kennt. Das Lamm, das nur die Macht der Liebe kennt und keine andere." Vor ihm hätten Nationalismus und Menschenfeindlichkeit ein Ende. "Allein Gott gehören Lob und Ehre.... Nicht den Mächtigen und Mächten dieser Welt." Daraus erwachse ein Trotz, der stark mache. Anbetung und aufrechter Gang gehörten zusammen, so der Landesbischof und erinnerte an Martin Luther, der demütig vor Gott in die Knie ging, "um den Menschen sagen zu können: 'Hier stehe ich, ich kann nicht anders.' Und so gehen wir demütig in die Knie vor unserem Gott und treten ein für eine Welt, in der Hass, Egoismus, Geldgier, Missbrauch, Ausbeutung der Natur, die Verfolgung von Menschen wegen ihres Glaubens und die Geißel des Krieges endlich überwunden sind.“

Eine Bewegung, die die Welt verändert

Heinrich Bedford-Strohm,© (c) ELKB / Poep

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"Und so gehen wir demütig in die Knie vor unserem Gott und treten ein für eine Welt, in der Hass, Egoismus, Geldgier, Missbrauch, Ausbeutung der Natur, die Verfolgung von Menschen wegen ihres Glaubens und die Geißel des Krieges endlich überwunden sind."

Die Predigt von Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm als PDF.

„Wir haben alle unseren Platz an der Krippe“

Susanne Breit-Keßler,© ELKB / Poep

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"Wir können alle Leben schenken, durch unsere überraschende Liebe zu anderen Menschen. Dadurch, dass wir ihnen zur Seite stehen, auf sie in Gottes Namen aufpassen. Gott wird Mensch und zeigt uns damit, dass er ganz und gar auf unserer Seite steht. Gott wird Mensch. Und gibt uns damit die Möglichkeit, selber wahrer, getroster Mensch zu werden."

Die Predigt von Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler als PDF

„Meine Seele erhebt den Herrn…“

Regionalbischöfin Gisela Bornowski,© (c) Kirchenkreis Ansbach-Würzburg

Bild: (c) Kirchenkreis Ansbach-Würzburg

"An Weihnachten spricht Gott die Menschen neu an. Er offenbart sich, er macht klar und deutlich, wie er verstanden werden will. Er sagt, wer er ist und zeigt, wie er ist. Gott öffnet den Himmel und lässt sein Wort hören, sein schöpferisches, liebendes Wort. Er kommt als ein Mensch, als einer von uns, als einer, der uns menschlich anredet. Er kommt als einer, der nach uns fragt, der sich uns mitteilt in liebevollen Worten, der damit eine Brücke schlägt von sich zu uns."

Die Predigt von Regionalbischöfin Giesela Bornowski als PDF

Christlicher Glaube braucht Bräuche

Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner,© Heike Rost

Bild: Heike Rost

"Danke an Sie alle, die Sterne aufhängen, Kränze oder Krippen aufstellen, Lichterketten an Weihnachtsbäumen anknipsen oder einfach eine Kerze entzünden als Zeichen der Freude über die Geburt Jesu. Unsere Welt braucht das. Danke für diesen Ausdruck unseres Glaubens, der unser Leben hell macht – sichtbar um uns und unsichtbar in uns."

Die Fernsehansprache von Regionalbischöfin Dorothea Greiner als PDF.

Christen sind Brückenbauer

Regionalbischof Hans-Martin Weiss,© Kirchenkreis Regensburg

Bild: Kirchenkreis Regensburg

"Wir sind von Gott geliebte Menschen. Wir können miteinander in Frieden leben. Wir können unser Leben von Gottes Liebe bestimmen lassen. Wir können aus dem Weihnachtsfest hilfreiche Impulse für unser Leben mitnehmen. In Gottes Nähe können wir Trauer, Schmerz und Sorgen hinter uns lassen und uns freuen. Das können wir, weil Christus zwischen Gott und uns eine Brücke gebaut hat."

Die Predigt von Regionalbischof Hans-Martin Weiss als PDF

Breit-Keßler: Lebenslang von Liebe umgeben

Sich mit Herz und Verstand in die Weihnachtsgeschichte zu vertiefen, dazu ermunterte Münchens Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler in ihrer Predigt am Heiligabend in der Münchner Bahnhofsmission. "Denn wir haben alle unseren Platz an der Krippe. Wir haben alle eine Beziehung zu dem Kind, das geboren worden ist. Eine Beziehung, die so unterschiedlich ist, wie wir selbst." Breit-Keßler erinnerte an Maria und Josef, die "auf den letzten Drücker ein Notquartier" finden. "Viele von Ihnen kennen das: Keine Wohnung oder nur ein armseliges Zimmer, geteilt vielleicht mit anderen, fernab von zu Hause. Und da hinein kommt Gott!" Gott werde ein kleines Kind, damit wir "wissen oder wenigstens erahnen, dass er uns lebenslang mit seiner Liebe umgibt. Auch dann, wenn wir glauben, ihn gar nicht zu spüren. Er ist da, er kennt jeden, jede von uns mit Namen und begleitet uns durch unser ganzes verrücktes Leben." Die Engel seien ein Sinnbild für die Gegenwart Gottes - wie die Mitarbeitenden der Bahnhofsmission, die Breit-Keßler für ihren Einsatz lobte:  "Sie sind wahre Himmelsgeschöpfe mit allem, was Sie jeden Tag und jede Nacht, nicht nur an Weihnachten für andere tun."

Greiner: Die Bedeutung der Bräuche

Ihr Mann schenke ihr jedes Jahr eine neue Figur zur Weihnachtskrippe, erzählte die Bayreuther Regionalbischöfin Dorothea Greiner in ihrer Weihnachtsbotschaft bei TV Oberfranken. Lichterbaum, Krippe, Lieder, die biblische Weihnachtsgeschichte - damit könne es Weihnachten werden. Je mehr die Welt aus den Fugen zu geraten scheine, desto wesentlicher würden feste Riten und Bräuche. "Sie gaukeln uns nicht die heile Welt vor, sondern festigen uns selbst in der Hoffnung, die im Glauben an Christus, den Erlöser und Retter der Welt gründet." Diese Botschaft würde sie gerne auch Geflüchteten mitgeben: "Jesus ist doch für alle Menschen geboren. Er kann und will das Leben jedes Menschen verändern und froh machen."  Greiner berichtete davon, dass allein in Oberfranken in den letzten zwei Jahren 200 iranische Christen getauft worden seien. "Ich bitte unsere Behörden und Gerichte, dass sie den Glauben dieser Christen, die sich in unseren Gemeinden engagieren, nicht als asyltaktisch abtun. Manchmal stecken diese jungen Christen uns sogar mit ihrer Glaubensfreude an."

Weiss: Nach dem Verbindenden suchen 

Menschen, die in der Weihnachtszeit Freude verbreiteten und sich gegenseitig Frieden wünschten, seien wie Weihnachtsengel für ihn, predigte Regionalbischof Hans-Martin Weiss an Heiligabend in der Regensburger Oswaldkirche. Christen seien Brückenbauer, erklärte Weiss."Mit ihrem Singen und Beten können sie eine Brücke bauen zwischen unseren Herzen und Gott. Sie können einander dafür erwärmen, dass sie sich für die Liebe und Zuwendung Gottes aufschließen lassen." Brückenbauer suchten nach dem Verbindenden. Deshalb wolle er Mut machen, Brücken zu bauen: sich für Fehler zu entschuldigen und sich gegenseitig das Herz leichter zu machen, anderen zu verzeihen und ihnen neue Chancen einzuräumen sowie auf Fremde zuzugehen und ihren anderen Glauben und unterschiedliche Überzeugungen zu akzeptieren. "Viele Brücken zu Menschen in andern Länder müssen gebaut werden, damit wir mehr Verständnis haben dafür, wie notwendig es ist, zu teilen. Es ist leichter, all diese Brücken zu bauen, wenn wir die Brücke sehen, die Gott zu uns gebaut hat."

Bornowski: Das Wort, das Gott der Welt zu sagen hat

Über den Beginn des Johannesevangelisums - "am Anfang war das Wort" - predigte die Regionalbischöfin von Ansbach-Würzburg Gisela Bornowski am ersten Weihnachtsfeiertag in der Würzburger St. Johanniskirche. Worte seien wirkmächtig, so Bornowski, Worte könnten zerstören aber auch aufrichten - das erste Wort nach einem Streit oder einem feindseligen Schweigen beispielsweise. "Wir leben vom Wort, wir richten uns nach Worten aus – sie haben Macht über uns." Umso sorgsamer und verantwortungsvoller müsse damit umgegangen werden, im persönlichen Gespräch oder auf Foren im Internet. Sonst gelte: "Am Anfang war das Wort und es ist nicht mehr aufzuhalten." Für Gott sei das Wort ein Weg sich mitzuteilen. Aber auch Gottes Wort sei deutbar, missverstehbar. "Die Menschen begreifen Gottes Wort in der Schöpfung nicht. Wenn wir unsere Welt anschauen und das, was wir aus ihr gemacht haben, dann fragt sich mancher: Wo ist Gott, warum lässt er das alles zu, hat er sich zurückgezogen?" An Weihnachten spreche Gott die Menschen neu an: "Gott hat in Jesus sein großes Ja über uns gesprochen. Jesus ist das fleischgewordene Wort Gottes. So will er sich verstanden wissen. So wie Jesus es vorlebt, was er sagt und tut, will Gott selber zu den Menschen sein. Sein Leben und Wirken, sein Predigen, sein Leiden und Sterben und Auferstehen sagen es uns. Das ist das eine Wort, das Gott der Welt zu sagen hat."


26.12.2018 / ELKB