Osterbotschaften

Aus der Hoffnung leben

Sonne über einer Frühlingswiese

Hoffnung auf eine Auferstehung nach dem Tod und in diesem Leben - davon sprachen bayerische Kirchenvertreter und -vertreterinnen in ihren Osterpredigten.

Bild: ELKB

Von der Trauer zur Freude, vom Tod zum Leben - an Ostern feiern Christen die Auferstehung Jesu. Hier lesen Sie die Predigten bayerischer Kirchenvertreter und -vertreterinnen.

Dass Ostern nicht mit Jubel begann, sondern mit Schmerz und Trauer von drei Frauen - das machte Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm in seiner Predigt in der Münchner Matthäuskirche deutlich. "Für sie ist wirklich alles zusammengebrochen. Das Persönliche genauso wie das große Ganze." Es sei wahrscheinlich eine Mischung aus Schmerz, Fassungslosigkeit, Verzweiflung, aber auch einer tiefen Liebe zu Jesus gewesen, mit der die Frauen ans Grab gekommen seien. Wer heute die verzweifelten Mütter von Giftgasopfern in den Frensehbildern aus Syrien sehe oder die klagenden Frauen zwischen den Trümmern einer Kirche in Ägypten, der könne eine Anhung davon erhalten, wie es den Frauen gegangen sein müsse. Aber gerade diese Frauen hätten die "ungeheure Erfahrung" gemacht, die Weltgeschichte geschrieben habe. Dieses Erlebnis müsse eine solche Wucht gehabt haben, dass es alles gesprengt habe, was sie sich hätten vorstellen können.

Zitat

„Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden!“ Mit diesem Satz fallen die Grenzen, die die Menschen so oft gegeneinander abzuschotten drohen. Nicht mehr die Nation ist wichtig - keine Nation kommt zuerst! Nicht mehr die Hautfarbe ist wichtig – wir sind alle Kinder Gottes, wunderbar gemacht. ... Wir sind alle Schwestern und Brüder, vereint in dem Ruf: „Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden!“

schof Heirich Bedford-Strohm

Wie diese Erfahrung mit unserem Wissenschaftlichen Weltbild zusammengehe, wüssten wir nicht, so der Landesbischof. Aber es gebe gute historische Gründe dafür, dass das Grab leer gewesen sei. Dennoch könne das leere Grab ncht die Beweisgrundlage für den Auferstehungsglauben sein. "Man kann die Auferstehung Jesu nicht historisch beweisen. Man kann der Botschaft nur vertrauen." ES sei ein starkes Zeichen, dass sich die Christen an diesem Tag - ganz gleich auf welchem Kontinent und in welcher Sprache zuriefen "Der Herr ist auferstanden!" Damit  fielen alle Grenzen der Nationen, der Hautfarbe und des Status. "Wir sind alle Schwestern und Brüder".

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm

Heinrich Bedford-Strohm,© (c) ELKB / Poep

"Die Osterbotschaft macht das Unmögliche möglich: radikal Anteil nehmen am Leiden der Menschen, die Opfer von Unrecht und Gewalt werden. Und gleichzeitig radikal aus der Hoffnung zu leben, den Segen dankbar wahrzunehmen und anzunehmen, der auf dem eigenen Leben liegt. Die Osterfreude ist eine Lebensfreude, die von der Dunkelheit weiß, aber zugleich aus dem tiefen Vertrauen auf den Sieg des Lebens lebt. Lasst uns als Christen auf der ganzen Welt eine große Gemeinschaft des Glaubens, der Liebe und der Hoffnung werden."

 

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Regionalbischöfin Dorothea Greiner

Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner,© Heike Rost

"Auch, wenn an Weihnachten mehr Leute in die Kirche gehen - Ostern bleibt unser wichtigstes Fest. Erst von der Auferstehung her, verstanden die Jünger: Das Kreuz war kein Scheitern, sondern der größte Sieg der Liebe Jesu. Erst von der Auferstehung her verstanden sie: Schon die Geburt dieses Menschen war ein Heilsereignis."

Regionalbischöfin Gisela Bornowski

Gisela Bornowski,© ELKB / Poep

"Ostern duldet keinen Stillstand. Ostern macht lebendig. Ostern führt nach draußen. ... Sagt es weiter, was ihr erkannt und erfahren habt! Sagt es weiter, was euch geholfen hat, wieder neu ins Leben zu finden....Auferstehung feiern, heißt, Momente des neuen Lebens spüren. Schon jetzt."

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Regionalbischof Hans-Martin Weiss

Regionalbischof Hans-Martin Weiss,© Kirchenkreis Regensburg

"Ostern ist das alleinige Werk Gottes. Er lässt nicht zu, dass Christus im Grab bleibt. Und so dürfen wir hoffen: Er wird auch nicht zulassen, dass die Menschen im Tod bleiben. Wenn wir dieses österliche Geschenk Gottes anerkennen und annehmen, dann können und dürfen wir uns als Menschen in diesem Leben verändern. Dann können und dann dürfen wir neu auf uns schauen. Dann müssen wir nicht bleiben, wer wir sind."

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Regionalbischof Stefan Ark Nitsche

Stefan Ark Nitsche, Regionalbischof im Kirchenkreis Nürnberg,© (c) ELKB / Poep

"Zweifeln erlaubt: an der alles beherrschenden Macht des Todes, an allem, was mich klein machen will, was mich runterzieht. Das alles ist nicht einfach weg. Die Realität bleibt. Aber: Angst, Ohnmacht, Hilflosigkeit, Einsamkeit, Scham und Verzweiflung sind entmachtet. Mit Ostern ist ein radikaler Zweifel an der Macht lebensfeindlicher Kräfte in die Welt gekommen – und das gilt für meine Seele und das gilt für unsere Gesellschaft." (Predigt liegt nicht vor)

An Ostern 2017 erschalle der Auferstehungsruf vielleicht noch etwas lauter als sonst, so der Landesbischof, um allen, die Gewalt, und Schrecken verbreiteten, "den religiösen Fanatikern, den Rassisten, den Antisemiten, den Nationalisten dieser Welt, den brutalen Machthabern"  und den Waffenhändlern, die ihnen die Todeswerkzeuge verkaufen, zu sagen: "Hört auf, den Tod anzubeten! Hört auf, soviel Leid anzurichten! Hört auf, Männer, Frauen und Kinder ins Unglück zu stürzen."

Dorothea Greiner: Die Tradition der Auferstehungszeugen

Regionalbischöfin Dorothea Greiner ordinierte am Ostersonntag in einen jungen Pfarrer. Pfarrerinnen und Pfarrer, so Greiner, stünden in der Tradition der ersten Auferstehungsboten, eine "Verküdigungstradition, die schon zu Beginn zu scheitern scheint" - denn alle vor die die Botschaft von der Auferstehung zunächst gekommen sei, hätten daran gezweifelt. Dort wo sich Jesus selbst gezeigt habe, sei der Zweifel verschwunden. Denen, die die Botschaft heute verkündigten, gehe es oft so wie den ersten Auferstehugszeugen: "Häufig werden Sie Achselzucken, Zweifel oder sonst etwas hervorrufen – bloß keinen Glauben." Doch: "der Glaube an Christus beginnt oft nicht am Ort der Verkündigung, beginnt oft nicht in der Kirche oder im Konfirmandenunterricht, sondern später." Es brauche aber den Ort der Verkündigung, die Kirche, damit dann irgendwo die Worte Jesu berührten und Glauben wachsen könne."Christus ist in seiner Macht, Glauben zu wecken, erfreulich unberechenbar."

Gisela Bornowski: Ostern führt nach draußen

Die Zweifel der Jünger würden in der Ostergeschichte sehr ernst genommen, predigte Regionalbischöfin Gisela Bornowski im Ostergottesdienst in Würzburg.  Die Ostergeschichte frage gar nicht danach, wie Jesus auferstanden sei, sondern viel mehr danach, was mit den Menschen geschehen sei, die dem Auferstandenen begegneten. „Ostern handelt davon, wie Menschen auferstehen ins Leben. Ostern erzählt von der Hoffnung, dass Gott alles anders machen kann, und wie sie Menschen hilft, zuversichtlich und mutig weiterzugehen.“ Die erste Begegnung mit dem Auferstandenen habe bei seinen Freunden nicht Freude, sondern Angst erregt. Jesus habe diesen Zweifel ernst genommen und sich von seinen Jüngern berühren lassen. „Auferstehung geschieht nicht so, dass die Zweifel mit einem Schlag weggewischt sind.  Der Zweifel ist der Zwillingsbruder des Glaubens.“ Nach und nach hätten Jesu Freunde erfahren, was Ostern bedeutet: „Ostern duldet keinen Stillstand. Ostern macht lebendig. Ostern führt nach draußen.“ Die Ostergeschichte wolle Menschen dazu ermutigen, Hoffnung zu wecken auf die Auferstehung in ein neues Leben. „Auferstehung feiern, heißt, Momente des neuen Lebens spüren. Schon jetzt.“

Hans-Martin Weiss: Sich den Osterglauben schenken lassen

Von einem „oft lebenslangen Widerstreit zwischen der Oster-Freude in uns und den alten Ängsten und Sorgen in uns Menschen, die daran nicht glauben wollen“, sprach auch Regionalbischof Hans-Martin Weiss in seiner Osterpredigt in Speichersdorf. Den frei machenden Oster-Glauben könne man nicht einfach so besitzen, sondern ihn sich nur schenken lassen. „Natürlich wird man auch dann immer wieder um ihn kämpfen müssen, gegen eben diese eigenen Ängste. Aber wenn man sich die notwendige Zeit zugesteht, wenn man die eigenen Zweifel zulässt und durch die eigenen Ängste hindurchgeht, dann kann man schließlich doch vordringen zum Glauben an den Auferstandenen und zur wahren Oster-Freude“, - darüber, dass die Begrenzungen des eigenen Lebens keine letzte Gültigkeit mehr hätten. „Nicht weil wir selber so toll sind. Sondern: allein durch die Gnade Gottes. Darum ist es gut, Gott Gott sein zu lassen. Denn im ersten und letzten kann nur Gott uns erlösen. Ostern ist das alleinige Werk Gottes. Er lässt nicht zu, dass Christus im Grab bleibt. Und so dürfen wir hoffen: Er wird auch nicht zulassen, dass die Menschen im Tod bleiben.“

Stefan Ark NItsche: "Zweifeln erlaubt!"

Am Ostersonntag feierte der Nürnberger Regionalbischof Gottesdienst in der Justizvollzugsanstalt, den er zusammen mit Gefangenen vorbereitet hatte. Die Ostererzählung von den Frauen, die am Grab ihrer Hoffnung dem Lebendigen begegnen, habe die Häftliinge angeregt, von ihren Tiefpunkten, von ihren Verzweiflungen und von ihren Hoffnungen zu erzählen, so Nitsche. Gerade für Menschen, die für ein Verbrechen verurteilt sind, könne Ostern zeigen, "dass der Tod und die Zerstörung nicht das letzte Wort haben, sondern dass Gott das letzte Wort über einen Menschen spricht". Diese Botschaft rufe einen Menschen ins Leben zurück. "Das braucht jeder Mensch, auch die Menschen, die nicht in die Freiheit gehen können - jedenfalls nicht gleich", betonte der Nürnberger Regionalbischof. Indem die Gefangenen begännen, an der Chancenlosigkeit ihrer Situation zu zweifeln, fingen sie an zu hoffen, dass auch für sie ein neues Leben möglich sei. Auferstehen sei möglich – nicht erst nach dem Tod, sondern davor.


16.04.2017 / ELKB