Predigten zu Karfreitag

"Gott opfert sich, damit das Opfern ein Ende hat."

Glasfenster mit Kreuzwegdarstellung

Das Leiden Jesu Christi und die Bedeutung seines Sterbens für die Menschen - das stand im Zentrum der Karfreitagsbotschaften der Regionalbischöfe in Bayern.

Bild: Dieter Schütz / pixelio.de

Was bedeutet es, wenn Christen sagen, Jesus sei den Opfertod am Kreuz gestorben? Damit beschäftigten sich die Predigten des Landesbischofs und der Regionalbischöfinnen und -bischöfe zum Karfreitag.

In seiner Predigt in der Münchner Matthäuskirche betonte Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, es wäre das größte Missverständnis, aus der Rede über das Opfer Christi ein Bild Gottes abzuleiten, „dass ihn als eifernden Gott beschreibt, der seinen Sohn opfert, um seine Rachsucht zu stillen“. Gerade das Gegenteil sei der Fall: „Gott opfert ja nicht einen anderen, sondern Gott gibt sich selbst hin, aus reiner Liebe. Seine Allmacht erweist er nicht durch militärische Bataillone, die den römischen Soldaten entgegentreten, die Jesus gefangen nehmen, sondern allein durch die Liebe.“ Diese Liebe gelte der ganzen Welt.

Zitat

‘Wir werden euch trotzdem lieben.‘ Diese Worte Martin Luther Kings hallen nach. Sie haben ihr Echo in unserer Zeit. Lasst uns daran denken, wenn ganze Gruppen von Menschen in unserem Land ins Abseits gestellt werden sollen. Wenn sich das Misstrauen in unsere Herzen schleicht. Wenn das Gift der harten Worte und der schnellen Urteile sich in unsere Sprache schleicht… Lasst uns nie vergessen, dass Gottes Liebe jedem Menschen gilt.“

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm

Deswegen könnten sich Christen nicht mit dem Hass in der Welt abfinden: „Hass und Gewalt sind nichts Normales. Sie entfernen uns von uns selbst, von unseren Mitmenschen, von Gott und von der Natur, in der Gott den Menschen am Anfang geschaffen hat.“ Daran sollten Christen denken, wenn sie selbst mit Hass konfrontiert seien und in Gefahr gerieten, selbst Hass mit Hass zu beantworten. Bedford-Strohm nannte den Baptistenpfarrer Martin Luther King, dessen gewaltsamer Tod sich in wenigen Tagen zum 50. Mal jährt, einen eindrucksvollen Botschafter dieser Liebe und zitierte eine Rede Kings aus dem Jahr 1963: „Finsternis kann keine Finsternis vertreiben. Das gelingt nur dem Licht. Hass kann den Hass nicht austreiben. Das gelingt nur der Liebe.“

Regionalbischöfin Gisela Bornowski

Gisela Bornowski,© ELKB / Poep

Bild: ELKB / Poep

"Jesus ... starb für alle Menschen, damit es nie wieder Opfer geben muss, schon gar nicht im Namen Gottes. Das ist anbetungswürdig. Es ist die ultimative Tat der Liebe, damit die Gewalt ein Ende findet."

Predigt zu Karfreitag als PDF

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm

Heinrich Bedford-Strohm,© (c) ELKB / Poep

Bild: (c) ELKB / Poep

„Gott hat sich selbst hingegeben, damit wir leben, damit wir den Weg der Gewalt verlassen, damit wir aus der Trauer finden, damit wir neu werden.“

Predigt zu Karfreitag als PDF

Regionalbischof Michael Grabow

Regionalbischof Michael Grabow,© Kirchenkreis Augsburg

Bild: Kirchenkreis Augsburg

"Jesus betet für die, die ihm bitteres Unrecht tun. Es sind bis heute die Zeugen der Liebe, die nicht fluchen, sondern beten. Es sind bis heute die Zeugen der Liebe, die für diejenigen beten, die ihnen Unrecht tun. Sie beten auch für Dich und mich."

Predigt am Karfreitag als PDF

Der Weg der Gewaltfreiheit und der Liebe sei nicht naiv, so der Landesbischof, sondern der einzig realistische Weg. „Gott hat sich selbst hingegeben, damit wir leben, damit wir den Weg der Gewalt verlassen, damit wir aus der Trauer finden, damit wir neu werden“ -  das sei der tiefe Sinn des Karfreitags.

Gisela Bornowski:Es muss keine Sündenböcke mehr geben

„Opfer sind passé“, diese provozierende Überschrift stellte Regionalbischöfin Gisela Bornowski über ihre Karfreitagspredigt in Ansbach St. Gumbertus. So sei beispielsweise bei Jugendlichen „Du Opfer“ zum Schimpfwort verkommen. Das Wort "Opfer" werde kaum mehr in religiösem Sinn gebraucht. Dagegen sei es in der Antike verbreitet gewesen, Tiere zu schlachten oder als Sündenböcke in die Wüste zu jagen und Gott gnädig zu stimmen. Diese Kulturhandlungen seien uns heute fremd. „Dabei brauchen auch wir doch dauernd Sündenböcke“- ob unter Jugendlichen, in der Politik oder in der Wirtschaft. Manch einer werde zum Opfer, damit andere gut dastehen könnten.

Der Verfasser des Hebräerbriefes sage ganz eindrücklich: „Wir brauchen keine Opfer mehr.  Wir selber müssen nicht mehr Opfer sein und wir müssen andere nicht mehr zum Opfer machen. Es muss keine Sündenböcke mehr geben, denn „einer – Christus – ist geopfert worden.“ Niemand müsse mehr die Strafe Gottes fürchten und aus Angst andere zu Sündenböcken machen. Es gebe kein größeres Opfer als die liebevolle Hingabe Jesu am Kreuz. Alle anderen Opfer seien unnötig.

Zitat

Es soll keiner mehr den Kopf hinhalten müssen für die Schuld anderer. Wer dieses Opfer Gottes in Jesus Christus ernst nimmt, der wird frei, zu seiner Schuld zu stehen, anstatt sie zu verdrängen oder auf andere abzuwälzen. Der wird frei, eigene Fehler zu bekennen und dann auch befreit weiterzugehen. Der wird dann auch barmherzig umgehen mit denen, die zu ihrer Schuld stehen. Der wird vergeben können so wie Gott uns vergibt, wenn wir ihn darum bitten.“

Regionalbischöfin Gisela Bornowski

Der Tod Jesu am Kreuz sage, "dass es ein für allemal genug ist mit all den Opfern, die diese Welt – Gott sei’s geklagt - immer noch verlangt.“ Bornowski erinnerte an Arnaud Beltrame, der sich bei dem terroristischen Anschlag in Trébes gegen eine Geisel austauschen ließ. „Er war kein dummes Opfer. Er war bereit, sein Leben zu geben für das Leben der jungen Frau und für die Bekämpfung des Terroristen.“ Auch wenn dies eine heldenhafte Hingabe gewesen sei: „Wir hätten eine bessere Welt, wenn solche Opfer gar nicht nötig wären.“

Gott setze keine Gewalt ein, um den Menschen von der Gewalt abzubringen, so Bornowski. Darum sei der Tod Jesu auch kein Opfer, das Gott gefordert, sondern eines, das er erlitten habe, um Versöhnung zu ermöglichen. „Gott opfert sich in seinem Sohn, damit das Opfern ein Ende hat.“ Dass der französische Polizist für einen Menschen gestorben ist, sei eine bewunderungswürdige Tat, solle aber nicht sein. „Denn Jesus, das ist der große Unterschied, starb für alle Menschen, damit es nie wieder Opfer geben muss, schon gar nicht im Namen Gottes.“

Michael Grabow: Worte Jesu am Kreuz

Die letzten Worte Jesu am Kreuz meditierte Regionalbischof Michael Grabow bei seiner Predigt in Augsburg St. Ulrich. Zunächst aber nahm er die Worte der Menschen unter dem Kreuz in den Blick: „Es schreit, lästert, spottet, kommentiert – es lärmt unter dem Kreuz.“ Keiner habe verstanden, worum es ging, weder die Jünger  noch  Pilatus noch die Hohepriester, Schriftgelehrte und Ältesten. Ihn erinnere das, was unter dem Kreuz gesagt werde, an unser eigenes Reden von Gott, erklärte Grabow. „Warum lässt Gott, wenn er Gott ist, all das Leid in der Welt zu? Warum greift Gott, wenn er Gott ist, nicht ein ins Elend? Wir haben feste Bilder von Gott. Wir haben unser Bild von Gott schon längst fertig.“ Im Gegensatz zu den sich überschreienden Zuschauern sei Jesus ganz leise. Er bete für seine Peiniger, er kümmere sich um seine Mutter und seine Jünger und sein letztes Wort, das er mit einem Menschen spreche, werde zum Schlüssel für das Paradies. Die Frage „Mein Gott, warum hast du mich verlassen“ habe Jesu für alle stellvertretend herausgeschrien, die sich in Krieg, Krankheit und Not verlassen fühlen.


30.03.2018 / ELKB