Pfingstpredigten in Bayern

Gegen die Logik der Gewalt

Pfingstrosen

Mit Gottesdiensten und Freiluftveranstaltungen haben Evangelische Christen in ganz Bayern an Pfingsten an das Wirken des Heiligen Geistes und die Anfänge der Kirche erinnert.

Bild: ELKB/Lüters

Wie notwendig der Geist von Pfingsten auch heute sei - davon sprachen der Landesbischof und Regionalbischöfinnen und -bischöfe in ihren Pfingstpredigten.

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm betonte in seiner Pfingstpredigt in der Münchner St. Matthäuskirche die religiöse Bedeutung des Kreuzes. "Für uns als Christen ist das Kreuz nicht Gegenstand des Streites unterschiedlicher politischer Überzeugungen, sondern für uns ist das Kreuz das Zeichen unseres Herrn und Heilands Jesus Christus", erklärte der bayerische Landesbischof.

Zitat

Was wir in der Gemeinschaft des Heiligen Geistes erfahren, mag auch ein Zeichen für die Welt sein. Es ist eine Gemeinschaft, die weiß, woher sie kommt und genau deswegen ihre Arme ausbreitet. Die pfingstliche Gemeinschaft ist inklusiv! Sie vereint unterschiedliche Nationen! Sie ermöglicht, dass Menschen sich trotz ihrer Unterschiede verstehen. Für mich ist das auch eine Vision für die Welt. Und immer wieder mache ich die Erfahrung, dass diese Vision auch Wirklichkeit werden kann."

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm

Das zentrale Symbol der Christenheit stehe "für die Verwandlung der Logik der Gewalt und der Ausgrenzung in eine Logik der Liebe und der Gemeinschaft", hob Bedford-Strohm hervor. Darin strahle es Humanität aus. Der Pfingstgeist sei ein so besonderer Geist, weil er von Kreuz und Auferstehung wisse, erklärte der Landesbischof. "Er wirft ein Licht auf die Ganzheit, die durch die Zerbrochenheit hindurch die Kraft Gottes erfahrbar macht." Diese Ganzheit führe durch die "Dunkelheiten des Lebens" hindurch zum Licht.

Pfingstgemeinschaft

Heinrich Bedford-Strohm,© (c) ELKB / Poep

Bild: (c) ELKB / Poep

Pfingstpredigt von Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm in München, St. Matthäus.

Die Predigt als PDF

"Singt und spielt dem Herrn in eurem Herzen!"

Susanne Breit-Keßler,© ELKB / Poep

Bild: ELKB / Poep

Pfingstpredigt von Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler zu 100 Jahre Chor und Kirchenmusik in der Himmelfahrtskirche Sendling.

Die Predigt als PDF

Pfingsten erinnere daran, so Regionalbischof Ark Nitsche in seiner Pfingstpredigt in Nürnberg St. Sebald, dass "die lähmende Macht der Angst exemplarisch gebrochen und neue Sprachfähigkeit geboren" worden seien, sagte der evangelische Theologe am Sonntag. Das Fest sei damit "ein Meilenstein für den geistigen Klimaschutz".  Nitsche kritisierte, dass im politischen und im gesellschaftlichen Diskurs zunehmend  "die Mühe des genauen Redens durch gezielte Provokation und die Arbeit des Verstehen-Wollens durch schon im Voraus Gewusstes" ersetzt werde.

Vor knapp zweitausend Jahren in Jerusalem hätten dagegen Menschen in sich den Mut entdeckt, "ihre aus Enttäuschung und Angst verbarrikadierten Türen und Fenster weit aufzumachen". Sie seien das Risiko eingegangen, unverstanden zu bleiben, und fanden Kommunikationsformen, um ihre Anliegen verständlich zu machen. Den Christen damals sei gelungen, "aus Einbahnstraßenkommunikation Gespräch, Austausch, Gegenseitigkeit, Interesse aneinander und füreinander zu machen", sagte der Regionalbischof.Diesem Beispiel folgend sei Christentum "überall dort, wo sich Menschen davon bewegen lassen und den Mut finden, einfach anzufangen, ohne schon genau zu wissen, ob es auch 'erfolgreich' sein wird", sagte der Theologe. Das ermögliche, dass Frieden und Gerechtigkeit eine nachhaltige Chance hätten.

Regionalbischöfin Breit-Keßler: "Wir brauchen dringend Pfingsten!"

Das 100-jährige Jubiläum von Chor und Kirchenmusik feierte Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler am Pfingstsonntag mit der Gemeinde der Himmelfahrtskirche in München-Sendling. Die Regionalbischöfin erinnerte an das Gründungsjahr 2018, das Ende des ersten Weltkriegs. Segensreich sei damals nichts mehr gewesen. "Viele zerrissen noch von der Angst wegen des schrecklichen Krieges, der in Europa Millionen Menschen das Leben kostete. Verzweifelt, nicht mehr siegesgewiss." Auch heute gebe es viel Anlass zur Beunruhigung: " Wir brauchen dringend Pfingsten, den Geist. Brauchen lebendige Kirchen wie Ihre Himmelfahrtskirche." Es brauche heute Menschen, die sich für ein gerechtes und freundliches Miteinander einsetzten, so die Regionalbischöfin. "Es ist entscheidend, unter welchen musikalischen und geistlichen Vorzeichen wir unser Leben individuell und in dieser Gesellschaft gestalten."

Pfingsten wird etwa seit Ende des vierten Jahrhunderts 50 Tage nach Ostern gefeiert. In Erinnerung an die in der Bibel geschilderte Ausgießung des Heiligen Geistes auf die Menschen wird Pfingsten auch als "Geburtstag der Kirche" verstanden.


24.05.2018 / epd/elkb