Pfingstpredigten in Bayern

Pfingstpredigten in Bayern

Pfingstgottesdienste

Eine Bewegung nimmt ihren Anfang - an Pfingsten zogen die Jünger in die Welt, um die gute Botschaft weiterzuerzählen

Bild: iStock-solarseven

Der Heilige Geist, der Gemeinschaft stiftet, tröstet und zu Miteinander und Toleranz ruft - darum ging es in den Predigten von Landesbischof und Regionalbischöfinnen und -bischöfen zu Pfingsten.

In seiner Pfingstpredigt in der Münchner Matthäuskirche sagte Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, Pfingsten blase den Geist der Freiheit ins Herz und mische kirchliche Milieus auf. Klischees und Vorurteile hätten darin keinen Platz. "Je mehr der Geist weht und uns in der Seele erreicht, verwandelt er sie in Liebe.“

Die Erfahrung des Heiligen Geistes verbinde sehr verschiedene Menschen zur Gemeinschaft der Kirche. Diese Gemeinschaft sei so groß, bunt und weit wie das Herz Gottes. Zu dieser Gemeinschaft gehörten auch untypische Gottesdienstbesucher wie die Motorradfahrer, die es kürzlich in einem Motorradgottesdienst gemeinsam mit dem Bischof und einer Rockband in der Kirche hatten „krachen lassen“. Zur Gemeinschaft gehörten die jungen Menschen, wenn sie manchmal kritische „harte Worte“ fänden für die gewohnten kirchlichen Formate. Mit zur Gemeinschaft gehörten auch die Zweifler, die mit ihrem kritischen Geist andere davor bewahrten, „althergebrachte Glaubenswahrheiten einfach nachzubeten, ohne sie überhaupt verstanden zu haben“. Die Erweckten gehörten dazu mit ihrer Begeisterung für den Glauben, aber auch die moralisch Konsequenten mit ihrem Beharren darauf, dass es keinen Glauben an Gott gebe ohne die tätige Liebe zu den Mitmenschen.

Die Gemeinschaft der vom Geist Gottes ergriffenen Menschen teile die Vision eines guten Lebens, so Bedford-Strohm. Die Gemeinschaft mit dem Geist Gottes führe zu einem Leben aus dem Vertrauen, aus der Liebe, der Hoffnung und der Vergebung.Dies sei der „Rückenwind“, der vom Pfingstfest für jeden Christen ausgehe.

Regionalbischöfin Bornowski: Gott zieht bei uns ein

In ihrer Pfingstpredigt in der Ansbacher St. Gumbertuskirche erklärte die Ansbach-Würzburger Regionalbischöfin Gisela Bornowski, an Pfingsten wolle Gott bei den Menschen einziehen. "Nicht nur als Untermieter, sondern sozusagen als Familienmitglied, als wirklicher Hausgenosse will er bei uns wohnen". Durch den Heiligen Geist, den Jesus "Tröster" genannt habe, könne man Gottes Nähe in besonderer Weise spüren - Gott stehe den Menschen durch seinen Geist bei. Und Trost bräuchten Menschen vom Anfang bis zum Ende ihres Lebens: "Vom Säugling, der schreit, bis hin zum sterbenden Greis."

Laut Bornowski schreit die ganze Welt geradezu nach Trost - egal, wohin man auch schaue: "Zu den Geflüchteten in den Schlauchbooten auf dem Mittelmeer, die so sehr auf Rettung und eine neue Heimat hoffen und dann einfach ihrem Schicksal überlassen werden!" Oder in den Sudan, nach Jemen, nach Venezuela, an die mexikanisch-US-amerikanische Grenze, listete die Theologin auf. Trost zu spenden habe viel mit Geistesgegenwart zu tun. "Im richtigen Moment das Richtige tun und sagen", wie Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, als er in Sizilien selbst in ein Flüchtlings-Schlauchboot gestiegen sei.

Regionalbischof Weiss: Verbunden in Gottes Geist

Durch den Heiligen Geist, den Jesus "Tröster" genannt habe, teile er sich den Menschen mit und helfe ihnen, predigte auch der Regensburger Regionalbischof, Hans-Martin Weiss. "Wenn wir so verzweifelt, fertig, kaputt sind, dass wir noch nicht einmal mehr etwas sagen können, spricht Gott durch den Heiligen Geist zu den Menschen", sagte Weiss am Pfingstsonntag in der Kurkirche Bad Gögging (Kreis Kelheim), deren Einweihung an Pfingsten vor 20 Jahren gefeiert wurde.

Die Erfahrung des Heiligen Geistes verbinde die Menschen aber nicht nur mit Gott, sondern auch die Menschen miteinander. Er sei eine Art "Mittler, der zwischen uns ist, als ob wir alle im selben Wasserbecken wären", erklärte Weiss. Diese Verbundenheit überschreite auch die Zeiten. Die Menschen seien durch den Heiligen Geist verbunden mit den Christen der Reformationszeit und des Mittelalters, mit den Aposteln und Jüngern und mit Jesus selbst.

Das kirchliche Fest Pfingsten erinnert an den Tag, als die Jünger Jesu nach dessen Tod und Auferstehung allein in Jerusalem zurückgeblieben waren. Da erlebten sie ein Brausen wie von einem Sturm und sahen Feuerzungen, die sich auf sie setzen – es waren die äußeren Zeichen des Geistes Gottes, der die Jünger ergriffen hatte. Seit diesem Ereignis vor 2000 Jahren ist Gott durch seinen Geist allen Christen nahe.


10.06.2019 / ELKB/epd