Predigten zu Pfingsten

Gottes Geist macht Mut

Deckengemälde der Heilig-Geist-Kirche in Dinkelsbühl

Der Heilige Geist führt zum Bekenntnis zu dem gekreuzigten und augferstandenen Jesus Christus - davon war in zahlreichen Pfingstpredigten die Rede.

Bild: Heilig-Geist-Kirche in Dinkelsbühl

Dem Terror und der Gewalt die christliche Botschaft entgegenzusetzen - dazu haben Landesbischof und Regionalbischöfinnen und -bischöfe in ihren Pfingstpredigten aufgerufen.

Über der frohen Pfingstbotschaft dürfe das Leid der Menschen nicht ausgeblendet werden, predigte Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm im Pfingstgottesdienst in der Münchner Matthäuskirche. Der Heilige Geist Gottes, von dem an Pfingsten die Rede sei, habe auch den Schmerz und das menschliche Leid durchlebt. Zu diesem Leid gehöre auch die Verfolgung von Christen in ganz unterschiedlichen Teilen der Welt. Sie seien Opfer von Menschen, die meinten, sie täten mit ihrem Morden Gott einen Dienst. Dabei seien diese Taten die "größte Gotteslästerung, die man sich vorstellen kann", so der Landesbischof.

Der Heilige Geist öffne den Blick auf die "Selbstverkrümmung" der Menschen, die sich den von Gott ausgehenden Lebenskräften verschlössen, sagte Bedford-Strohm. Als Beispiel dafür nannte der Bischof eine Kommunikation, die sich in Internetblasen und Echokammern ausdrücke und abschotte gegenüber den Mitmenschen oder eine Überhöhung der eigenen Nation, die blind mache für das Leid und die Not anderer Menschen.

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Ökumenische Vesper im Dom

Als ein "besonderes ökumenisches Ereignis" bezeichnete Kardinal Reinhard Marx die ökumenische Vesper zu Pfingsten, die er gemeinsam mit Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, Bischof Sofian Patrunjel von der Rumänisch-Orthodoxen Metropolie München und Vertreterinnen und Vertretern anderer Kirchen im Liebfrauendom anlässlich des Reformationsjubiläums feierte. Marx: "Gemeinsam bekennen wir: Christus ist auferstanden, er schenkt uns seinen Geist. Gemeinsam bezeugen wir diese christliche Hoffnung, von der wir leben." Christus solle ins Zentrum gestellt werden, gerade angesichts des erneuten schrecklichen Terrorangriffs. "Erschrocken sind wir, empört. Aber vor allem wollen wir dagegen unsere christliche Hoffnung setzen: Mord und Terror und Gewalt haben nicht das letzte Wort."

Vertreter der großen christichen Kirchen bei der PfingstveLandesbischof Heinrich Bedford-Strohm, Kardinal Reinhard Marx und Bischof Sofian Patrunjel von der Rumänisch-Orthodoxen Metropolie München bei der ökumenischen Vesper im Münchner Dom. sper im Münch

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, Kardinal Reinhard Marx und Bischof Sofian Patrunjel von der Rumänisch-Orthodoxen Metropolie München bei der ökumenischen Vesper im Münchner Dom.

Bild: BR-mediathek

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm betonte in der gemeinsamen Predigt, die Taufe sei die Grundlage der christlichen Einheit. In der Magdeburger Erklärung hätten die großen Kirchen die Taufe als das, "was uns verbindet", wechselseitig anerkannt. Das Bild vom "Leib Christi" mit seinen unterschiedlichen Gliedern sei sehr inspirierend für die ökumenische Gemeinschaft der Kirchen, so Bedford-Strohm. "Die Frage ist ja: Wie kann es mit uns als Kirche weitergehen? Was können wir vielleicht zusammen machen, wo wir die unterschiedlichen Gaben brauchen der jeweils unterschiedlichen Menschen, unterschiedlicher Konfessionen? Da, finde ich, ist dieses Bild des Leibes etwas, worauf wir zugehen können." Bedford-Strohm erinnerte daran, wie weit die Kirchen auf ihrem Weg zueinander schon gekommen seien. Dies sei für ihn ein großer Grund zur Freude. "Und deswegen ist für mich Pfingsten auch ein Freudenfest, auch ein Fest der Dankbarkeit für das Werk des Heiligen Geistes, das wir schon erfahren dürfen."

Stefan Ark Nitsche: gemeinsam Mut finden

Über das "Doppelwunder von Pfingsten" predigte der Nürnberger Regionalbischof Stefan Ark Nitsche in der vollen Nürnberger Sebaldskirche. Der plötzliche Mut, Farbe zu bekennen nach sieben Wochen der Angst und die befreiende Erfahrung, verstanden zu werden, seien die Geburt der Kirche gewesen. Die Bibel sei voller solcher Erzählungen, so Nitsche: vom Hereinholen ins Leben und vom Staunen über die Entmachtung der Angst. Deshalb sei es auch Auftrag der Kirchen, hartnäckig zu bleiben auf dem Weg, einander zu verstehen und gemeinsam Mut zu finden. Ökumene sei dabei nicht die Suche nach dem Rezept für einen Einheitsbrei, sondern versöhnte Verschiedenheit, ein Modell, das "nicht nur als ökumenisches Ziel, sondern als politisches Projekt" dienen könnte.

Gisela Bornowski: begeistert für die Sache Jesu

Ein aktives Bekenntnis zum Glauben forderte die Ansbach-Würzburger Regionalbischöfin Gisela Bornowski in ihrer Pfingstpredigt in der Kirche St. Gumbertus in Ansbach. Der Heilige Geist wolle für die Sache Jesu begeistern, "dass wir wieder lernen, den Menschen um uns zu sagen, was wir an Jesus Christus haben und warum wir auf ihn hoffen". Nach biblischem Verständnis sei es Sünde, sich von Gott zu entfernen und mit dem Gefühl zu leben, ohne Glauben und Gott ganz gut zurecht zu kommen.

Hans-Martin Weiss: Stellung beziehen

Auch der Regensburger Regionalbischof Hans-Martin Weiss ermutigte dazu, sich zu Wort zu melden und Stellung zu beziehen. "Als Christen brauchen wir nicht den Mund zu halten und zu schweigen. Christen können darüber reden, wie sie die Welt sehen und was sie für diese Welt für nötig halten", sagte Weiss in der Neutraublinger Lutherkirche. Dazu habe Gott die Menschen befähigt, als er ihnen an Pfingsten den Heiligen Geist schenkte. Der Regionalbischof bezog sich ausdrücklich auch auf den umstrittenen Polizeieinsatz zur Abschiebung eines afghanischen Berufschülers in Nürnberg und erklärte: "Ich halte es für eine wichtige Aufgabe der Kirche, öffentlich darauf hinzuwirken, dass alle Bürger und Gäste eines Landes wie dem unseren in gleicher Weise zu rechtstaatlichem Handeln verpflichtet sind." Dies habe sowohl für die staatlichen Einsatzkräfte als auch für die jugendlichen Mitschüler sowie den beteiligten Flüchtling zu gelten.

Michael Grabow: Engagement gegen Ausgrenzung und Hass

Bei einem Freiluftgottesdienst am Pfingstmontag in Neu-Ulm apellierte der Augsburger Regionalbischof Michael Grabow an die Christen, sich für die Menschenwürde einzusetzen. Die menschenverachtenden Attentate der vergangenen Wochen seien Versuche, die Gesellschaft, die wesentlich von christlichen Werten bestimmt sei, gezielt und provokant im Innersten zu erschüttern. Dieses Engagement gegen Ausgrenzung und Hass sei keine leichte Aufgabe, sondern koste Mut und Anstrengung. "Aber billiger ist ein Leben als mündiger und verantwortungsvoller Christ nicht zu haben", betonte der Regionalbischof. Pfingsten könne gar nicht anders als ökumenisch gefeiert werden, so Grabow. Denn bei dem biblischen Pfingsten hätten sich durch die Aussendung des Heiligen Geistes plötzlich Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft und Hautfarbe über alle Unterschiede hinweg verstanden. Deshalb sei Pfingsten multireligiös, multiethnisch und multikulturell gewesen.


06.06.2017 / ELKB/EPD