Ökumenische Sternwallfahrt in Nürnberg

Auf dem Weg zu mehr Gemeinsamkeit

Pfingstgottesdienst in St. Sebald, Nürnberg

Sie vermochte die rund 1700 Besucher der ökumenischen Sternwallfahrt kaum zu fassen: Die Kirche St.Sebald in der Nürnberger Altstadt

Bild: Kerstin Dominika Urban

Sie kamen mit Schirmen und Ponchos, aber mit strahlenden Gesichtern. Rund 1.700 Christen aus etwa 60 Gemeinden Nürnbergs nahmen trotz Regen an der ökumenischen Sternwallfahrt nach St. Sebald teil.

Am Morgen des Pfingstsonntages ging es beinahe wie bei einem Umzug zu: Jede ankommende Gruppe wurde an der Pforte der Sebalduskirche persönlich empfangen und über den Lautsprecher angekündigt. Die Menschen kamen zu Fuß, auf dem Fahrrad oder als "singende U-Bahn" und "musizierende Straßenbahn" mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Bereits eine halbe Stunde vor dem Gottesdienst hatten die ersten Besucher sich einen der etwa 800 Sitzplätze in der Kirche ergattert. Der Rest scharte sich in den Gängen sowie um und hinter dem Altar.

Die Organisatoren waren überwältigt. "Wie an Heiligabend", hatte Dekan Jürgen Körnlein schon im Vorfeld prophezeit - und er sollte Recht behalten. "Endlich feiern wir gemeinsam am Pfingsten einen Gottesdienst", freute sich Körnlein, der mit seinem katholischen Kollegen Hubertus Förster die Gemeinde begrüßte.

Starke Signalkraft

Seit Beginn der Reformationsdekade sind der Nürnberger Regionalbischof Stefan Ark Nitsche und sein katholischer Bamberger Amtskollege Erzbischof Ludwig Schick einen langen Weg der Ökumene gegangen und haben schon zahlreiche ökumenische Gottesdienste miteinander gefeiert. Das Pfingstfest und damit den Geburtstag der Kirche gemeinsam zu feiern - der Signalkraft dieses Anlasses waren sich alle Beteiligten bewusst. Passend dazu schwenkten hie und da sogar die Gottesdienstbesucher Fähnchen, auf denen "Ökumene" stand.

In seiner Predigt verdeutlichte Nitsche, dass Ökumene nicht die "Suche nach dem Rezept für einen Einheitsbrei" sei, sondern die Kirchen gemeinsam die Botschaft Gottes bezeugen sollten. Versöhnte Verschiedenheit sollte nicht nur ein ökumenisches Ziel, sondern auch ein politisches Projekt sein. Erzbischof Schick erklärte, Reformation bedeute, den Geist Jesu im persönlichen Leben, in Kirche und Welt zu erneuern. Deshalb sollte das Reformationsgedenkjahr ein Jahr der Umkehr werden zum Geist Jesu und zu Gerechtigkeit für alle Menschen.

Früchte eines Weinstocks

Ein gemeinsames Abendmahl als ökumenisches Zeichen sei im Reformationsjahr zwar noch nicht möglich, betonten die Veranstalter, dafür aber ein gemeinsames Trauben-Essen. Deshalb wurden als sichtbares Zeichen dafür, dass alle Christen Früchte eines Weinstocks - Jesu Christi - seien, Schalen mit verschiedenfarbigen Trauben an jeweils einen Vertreter der evangelischen und katholischen Gemeinden verteilt.


08.06.2017 / Timo Lechner (epd)