Pfingstbrief Kirchenkreis Schwaben

Ermutigung zum Dialog

Michael Grabow

Regionalbischof Michael Grabow

Bild: (c) ELKB / Poep

 Christinnen und Christen seien in die Pflicht gerufen, im Dialog der Religionen dort anzusetzen, wo es gemeinsame Anknüpfungspunkte gebe, forderte Regionalbischof Grabow in seinem Pfingstbrief.

 In seinem Pfingstbrief an die Kirchengemeinden und Einrichtungen im Kirchenkreis Augsburg und Schwaben widmete sich Regionalbischof Michael Grabow der drängenden Frage, wie Christinnen und Christen in der durch die Flüchtlingsdebatte aufgeheizten Atmosphäre mit dem zunehmend wieder „hoffähig-Werden“ rechtsradikalen und fremdendfeindlichen Gedankenguts umgehen sollten.

Angesichts der aktuellen Herausforderungen durch religiösen Fundamentalismus und einen um sich greifenden neuen Nationalismus plädierte Regionalbischof Grabow für ein aktives Bekenntnis zu den Grundwerten von Demokratie, Menschlichkeit, Würde und Achtung des Anderen, auch in seiner Andersartigkeit.

Zitat

Immer wenn Menschen die Eckpfeiler unseres Zusammenlebens „um Gottes Willen“ oder aus einer Ideologie des dumpfen Nationalismus bestreiten und bekämpfen, dann sind wir gefordert, dem entgegenzutreten mit einem aktiven Bekenntnis zu unseren Grundwerten von Demokratie, Menschlichkeit, Würde und Achtung des Anderen, auch in seiner Andersartigkeit.

Regionalbischof Michael Grabow in seinem Pfingstbrief 2016

„Ich mache mir große Sorgen über das, was nicht nur in Deutschland geschieht, sondern überall in Europa: Das Salonfähig-Werden rechtsextremen Gedankengutes, das Erstarken rechtsextremer Parteien, Hass, Hetze und Gewalt gegen Fremde, ein Erstarken des alten und eines neuen Antisemitismus“, so Grabow.

Wer sich heute auf das sogenannte christliche Abendland berufe und dies mit Fremdenfeindlichkeit oder gar Fremdenhass verbinde, könne sich dafür nicht auf die Bibel und auch nicht auf das Christsein berufen, stellte Regionalbischof Grabow klar. In der Bibel sei der Flüchtling vielmehr ein Mensch, der ganz besonders zu schützen sei. Von Gott zu reden, könne man deshalb nur als einem Gott der Liebe und der Menschenfreundlichkeit, der die Menschen untereinander zu Schwestern und Brüdern mache, über die Grenzen aller Weltanschauungen und Religionen hinaus.

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Regionalbischof Grabow sehe hier unsere Zivilcourage gefragt: „Jeder, der wegschaut oder verharmlost, macht sich mitschuldig. (...) Hier sind wir gefragt als Christinnen und Christen, die nicht nur am Sonntag von Gott reden, sondern an jedem Tag ihren Glauben leben, einen Glauben, der im anderen den Nächsten sieht, einen von Gott geliebten Menschen. Ich bin unendlich dankbar für all die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die, zum Teil seit vielen Monaten, sich der Menschen annehmen, die zu uns kommen. Ich bin unendlich dankbar für die Unzähligen, die den Geist der Menschlichkeit und der Versöhnung leben.“

Pfingsten, das Fest der Ausgießung des Heiligen Geistes, ermahne gerade in diesen schwierigen Zeiten den Geist der Versöhnung zu leben – und so ein deutliches, klares und entschiedenes Zeichen zu setzen für eine Gesellschaft, die für Menschenwürde, Gleichheit und Geschwisterlichkeit stehe. Christinnen und Christen dürften deshalb nicht beim Trennenden stehen bleiben, sondern seien in die Pflicht gerufen, im Dialog der Religionen dort anzusetzen, wo es gemeinsame Anknüpfungspunkte gebe, so Regionalbischof Grabow in seinem Pfingstbrief.


12.05.2016 / ELKB/Menezes