Freiherr von Pechmann-Preis

Auseinandersetzung mit der "Neuen Rechten"

Die Preisträger des Wilhelm Freiherr von Pechmann-Preises bei der Preisverlehung.

Couragierte Preisträger: Das Wunsiedler Bündnis gegen Rechtsextremismus und die Evangelische Landjugend Ansbach.

Bild: Walter

Zwei Projekte, die sich engagiert und kreativ gegen Rechtsextremismus einsetzen, sind in  München mit dem  Wilhelm Freiherr von Pechmann-Preis der Bayerischen Landeskirche ausgezeichnet worden.

Ausgezeichnet wurden in diesem Jahr das Bündnis gegen Rechtsextremismus im oberfränkischen Wunsiedel  und die Evangelische Landjugend Ansbach für ihr vorbildliches Engagement gegen Rechtsradikalismus und die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus. Überreicht wurde der Preis, der  mit insgesamt 10.000 Euro dotiert ist, von der Münchner Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler und der Präsidentin der Landessynode, Annekathrin Preidel bei einem Festakt in der Münchner Markuskirche.

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Wir müssen sensibel dafür werden, dass es in Deutschland seit langem ein hohes Maß an längst nicht mehr latenter Ausländerfeindlichkeit, manchmal offenem Rassismus und widerlichem Antisemitismus gibt. Sie können immer und überall aufbrechen, wenn Menschen einen Sündenbock für ihre eigene Unzufriedenheit suchen. Demokratie muss stets verteidigt werden. Ihr größter Feind ist der Trugschluss, sie sei nicht in Gefahr.

Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler

Mit dem Projekt "Rechts gegen Rechts - Der unfreiwilligste Spendenlauf Deutschlands" hatte das Bündnis gegen Rechtsextremismus im November 2014 eine kreative Protestaktion gegen den jedes Jahr in Wunsiedel stattfindenden Aufmarsch von Rechtsextremisten gestartet: Für jeden Meter, den die Neonazis bei ihrem Gedenkmarsch zurücklegten, wurde eine bestimmte Summe Geld an die Aussteigeraktion EXIT gespendet und damit der mögliche Ausstieg aus der rechtsextremistischen Szene finanziert. Insgesamt kamen 10.000 Euro zusammen.

In zwei Veranstaltungen hatte sich die Evangelische Landjugend (EJL) Ansbach mit der nationalsozialistischen Vergangenheit auseinandergesetzt. Unter der Überschrift "Orte des Grauens - Zeichen der Hoffnung" hatten sich 110 Personen auf eine Erkundungsfahrt zu fünf Stationen des Nationalsozialismus in Ansbach und Umgebung begeben. Und bei einem Erzählcafé im Bezirksklinikum Ansbach konnten sich Interessierte über "Lebensborn: Himmlers SS und ihre Kinder in Ansbach“ informieren.

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Die Jury habe sich gefreut, dass sich auch junge Menschen nachdenklich mit der Vergangenheit beschäftigen "und damit beispielhaft zukunftsfähig werden", betonte die Münchner Regionalbischöfin und Ständige Vertreterin des Landesbischofs Susanne Breit-Keßler bei der Verleihung. Nur wer sich erinnere, auch an die Schuld der Kirche, sei fähig zur Diskussion und "in der Lage, kirchlich und gesellschaftlich angemessen, das heißt, der Menschenwürde entsprechend zu handeln".

Bedauerlicherweise sei es heute nötiger denn je, sich Hassparolen entgegenzustellen. Dabei habe man es nicht "mit primitiven Menschen zu tun, deren Emotionen mal kurz aufwallen und die man rechts liegen lassen könnte", zu tun, sondern mit gebildeten, gut situierten und frommen Menschen aus der Mitte der Gesellschaft. "Damit müssen wir uns auseinander setzen - einschließlich der Frage, warum um Himmels willen der Protestantismus immer wieder anfällig ist für Denkstrukturen, die Anderes, Fremdes, Neues so vehement ausgrenzen. Der Protestantismus, der doch Glaubensfreiheit gebracht hat."

Die Regionalbischöfin rief weiter dazu auf, eine humane, zivilisierte Sprache zu pflegen: "Das wirkt sich auch auf das Verhalten in unserer Gesellschaft aus." Ein klares demokratisches Profil sei das Merkmal für "wahre Patrioten", betonte Breit-Keßler. Doch Demokratie müsse stets verteidigt werden: "Ihr größter Feind ist der Trugschluss, sie sei nicht in Gefahr", sagte die ständige Vertreterin des Landesbischofs.

Zitat

Nein, wir hören nicht das Gras wachsen. Es ist ernst. Menschenwürde, Toleranz und Respekt stehen auf dem Spiel – nicht irgendwo, nicht da draußen, sondern heute, hier und jetzt mitten in unserem Land."

Synodalpräsidentin Annekathrin Preidel

Synodalpräsidentin Annekathrin Preidel rief in ihrem Schlusswort dazu auf, nicht aufzuhören "uns erzählen zu lassen, was geschehen ist, auf dass wir sensibel bleiben für das, was um Gottes willen nicht wieder geschehen soll". Einmal mehr könnte es sein, "dass wir unterschätzen und nicht wahrhaben wollen, was sich in Deutschland zusammenbraut". Menschenwürde, Toleranz und Respekt stünden "heute, hier und jetzt mitten in unserem Land" auf dem Spiel. "Kirche für Andere sind wir, wenn wir dem Rad der fremdenfeindlichen Menschenverachtung zivilcouragiert in die Speichen fallen", sagte die Synodalpräsidentin.

Mit dem Wilhelm Freiherr von Pechmann-Preis, der vergangene Woche zum fünften Mal verliehen wurde, würdigt die Landeskirche seit 2008 "herausragende Leistungen in der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus" und vorbildliches Engagement für Zivilcourage. Wilhelm Freiherr von Pechmann (1859-1948) war der erste Präsident der evangelischen Generalsynode in Bayern und entschiedener Gegner des Nationalsozialismus.


17.05.2016 / ELKB, epd