Pechmann-Preis verliehen

"Sensibel bleiben für das, was nicht wieder geschehen darf"

Logo Wilhelm Freiherr von Pechmann-Preis

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Bild: ELKB

Am 8. Februar wurden in der Münchner Erlöserkirche die diesjährigen Preisträgerinnen und Preisträger des Wilhelm Freiherr von Pechmann-Preises ausgezeichnet.

Mit diesem Preis, der heuer mit 15.500 Euro dotiert ist, würdigt die Landeskirche herausragende Leistungen in der Auseinandersetzung mit der Zeit des Nationalsozialismus und der Rolle der Kirche in dieser Zeit.

Zitat

Die neuen Rechten mit ihren Programmen verraten und pervertieren genau die konservativen Werte, die zu verteidigen sie vorgeben. Es ist an uns, diese Werte – wie beispielsweise das Bild von Heimat, von Vaterland und Muttersprache –  zurückzuerobern und mit fröhlichem, solidarischem Leben zu füllen. Wir dürfen uns nicht nehmen lassen, wofür wir als Christenmenschen einstehen."

Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler

Angesichts des erstarkenden Rechtspopulismus gelte es, verstärkt für ein demokratisches und menschenwürdiges Europa einzutreten, betonte Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler in ihrer Begrüßungsrede. Die neuen Rechten pervertierten mit ihren Programmen die konservativen Werte, die sie zu verteidigen vorgeben. Es gelte, „der Finsternis in den Köpfen und Herzen zu wehren“, so Breit-Keßler, die auch Ständige Vertreterin des Landesbischofs ist, denn demokratischer und menschenwürdiger würde Europa durch einen weiteren Rechtsruck nicht.

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Die Präsidentin der Landessynode der ELKB, Annekathrin Preidel, warnte in ihrer Ansprache vor Geschichtsvergessenheit: „Wir dürfen nicht aufhören, uns erzählen zu lassen, was in unserer jüngsten Geschichte während des Nationalsozialismus geschehen ist. Wir müssen sensibel bleiben für das, was um Gottes willen nicht wieder geschehen soll. Wir dürfen nicht blind, taub und stumm werden angesichts dessen, was in unserer Gesellschaft gerade wieder geschieht.“

Gestiftet wurde der Preis zum Gedächtnis an Wilhelm Freiherr von Pechmann (1859-1948), den ersten gewählten Präsidenten der Evangelisch-Lutherischen Generalsynode in Bayern. Er war von Beruf Bankdirektor und bekleidete internationale Ehrenämter in Wirtschaft und Kirche. Von Pechmann war ein entschiedener Gegner des Nationalsozialismus. Der Preis ehrt seine Verdienste um Humanität, Christentum und Kirche sowie sein Eintreten für jüdische Mitbürger.

Eine siebenköpfige Jury bestehend aus Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler (Vorsitz), der Präsidentin der Landessynode Dr. Annekathrin Preidel, den Synodalen Stefan Blumtritt, Augsburg,  und Christina Flauder, Kulmbach, sowie Dr. Dieter Haack, Bundesminister a. D., Prof. Dr. Harry Oelke von der Evangelisch-Theologische Fakultät der LMU München und Dr. Wolfgang Sommer, Emeritierter Professor derAugustana-Hochschule Neuendettelsau verlieh zwei Preise in der Kategorie „Wissenschaft“ (je 3.000€), drei in der Kategorie „Publizistik“ (je 3.000€) und einen Sonderpreis in Höghe von 500 Euro.

Und das sind die Preisträgerinnen und Preisträger:

in der Kategorie „Wissenschaft“:

Dr. Hans Rößler: Nationalsozialismus in der fränkischen Provinz. Neuendettelsau unterm Hakenkreuz. Neustadt/Aisch 2017.

Dr.  Rebecca Scherf: Evangelische Kirche und Konzentrationslager 1933 bis 1945. Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München.

in der Kategorie „Publizistik“

Nancy Brandt: „‘Seine Kirche aber schwieg‘. Zum 75. Todestag des evangelischen Kirchenjuristen und NS-Opfers Martin Gauger“. Bayern 2. Evangelische Perspektiven. Ausstrahlung am 20. November 2016; und „Seine Kirche aber schwieg.“ Bayerisches Fernsehen. Stationen. Ausstrahlung am 16. November 2016.

Julia Fritzsche / Sebastian Dörfler: Das Pogrom von Hoyerswerda: Eine Reise in die Gegenwart. Bayern 2. Hörbild und Feature. Sendung vom 17. September 2016.

Monika Greier: Zwangssterilisation und das Verhalten der Gehörlosenseelsorge – Schritte zur Aufarbeitung. Die evangelische Gehörlosenseelsorge und das „Wort an die erbkranken evangelischen Taubstummen“ von 1936. Schuld und Verantwortung. In: Das Zeichen. Zeitschrift für Sprache und Kultur Gehörloser 105(2017), S. 6-18.

Sonderpreis:

Maria Merz: Dr. Heinrich Maier – Ein Wiener Geistlicher im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Vorwissenschaftliche Arbeit. Klasse 8b, Döblinger Gymnasium Wien, Betreuerin: Ursula Pleschko. 12. Februar 2016.


01.06.2025