Bayerischer Theologe im Rat des LWB

Oberdorfer: Weltbund muss Minderheiten beistehen

Prof. Dr. Bernd Oberdorfer in Windhoek

Bleibt im Rat des Lutherischen Weltbundes: Prof. Dr. Bernd Oberdorfer

Bild: Dunkenberger-Kellermann

Der Augsburger Theologieprofessor Bernd Oberdorfer ist erneut in den 48-köpfigen Rat des Lutherischen Weltbundes (LWB) gewählt worden. Das entschieden die rund 300 Delegierten im namibischen Windhuk.

Oberdorfer war von der bayerischen Landeskirche nominiert worden. Der Professor für Systematische Theologie und Ökumene an der Universität Augsburg wird weiterhin einziges bayerisches Mitglied im Rat sein. Dieser ist das höchste Gremium zwischen den alle sechs oder sieben Jahre stattfindenen Vollversammlungen. Für Oberdorfer wird es die zweite Amtszeit: Er war bereits 2010 bei der LWB-Vollversammlung in Stuttgart in das Gremium gewählt worden.

An der Seite von Minderheiten

Für den Augsburger Theologen muss der Lutherische Weltbund an der Seite von Minderheiten stehen. Wenn etwa Homosexuelle in bestimmten Ländern kriminalisiert würden, dann müsse der LWB seine Stimme erheben, sagte Oberdorfer im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst. Denn der LWB habe den Anspruch, eine prophetische Stimme für Minderheiten zu sein.

Das Thema Homosexualität sei in den Mitgliedskirchen hoch umstritten, so Oberdorfer. Das hänge unter anderem damit zusammen, wie biblische Aussagen interpretiert würden. Man müsse sich fragen, wie die Lutheraner mit der Bibel umgehen könnten, um überhaupt zu verstehen, warum einige Kirchen homosexuelle Lebensgemeinschaften anerkennen würden, andere wiederum nicht. Der LWB wolle derzeit an dem Thema offenbar nicht rühren, um die Kirchengemeinschaft zu stabilisieren: "Das sind Prozesse, die lang dauern."

Streitpunkt Frauenordination

Schwieriges Thema sei auch die Frauenordination, sagte Oberdorfer weiter. Die lettische Kirche habe im vergangenen Jahr ihre Kirchenverfassung geändert und die Frauenordination abgeschafft. Dieser Schritt habe den LWB enorm belastet, denn die Mitgliedskirchen hatten eigentlich festgelegt, dass Männer und Frauen gleichermaßen ordiniert werden können. Derzeit ordinieren laut LWB-Generalsekretär Martin Junge 119 der 145 Mitgliedskirchen Frauen. Die übrigen erklären, zumindest auf dem Weg dorthin zu sein.

Der Theologieprofessor begrüßt es, dass sich die bayerische Landeskirche als Kirche in "weltweiter Verbundenheit" sieht. "Denn der bayerische Horizont ist nicht der alleinprägende." Diese offene Sichtweise hätten aber nicht alle Landeskirchen. Er finde es bereichernd zu wissen, Teil einer weltweiten Gemeinschaft zu sein und dass die hiesige lutherische Tradition nicht die einzige mögliche sei.

Neuer Präsident stammt aus Namibia

Neben dem Rat wählte die Vollversammlung auch einen neuen Präsidenten: den nigerianischen Erzbischof Musa Panti Filibus (57), der damit Nachfolger von Munib Younan aus den palästinensischen Gebieten wird. Der Lutherische Weltbund repräsentiert nach eigenen Angaben mehr als 74 Millionen Christen in 145 Mitgliedskirchen und 98 Ländern. Die zwölfte Vollversammlung in Namibia steht unter dem Motto "Befreit durch Gottes Gnade".


15.05.2017 / epd