Neujahrspredigten 2017

Gott schenkt ein neues Herz

Jahreslosung 2017, Motiv Stefanie Bahlinger

Über ein dunkles, abgestorbenes Herz schiebt sich ein blutrotes, lebendiges Herz – das Motiv zur Jahreslosung 2017 von Stefanie Bahlinger.

Bild: Jahreslosung im Verlag am Birnbach - Motiv von Stefanie Bahlinger, Mössingen, www.verlagambirnbach.de

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und die Münchner Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler predigten am Neujahrstag zur Jahreslosung 2017. 

In Deutschland, das als Land insgesamt gesegnet sei mit großem materiellem Wohlstand, bleibe es auch in Zukunft eine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass alle an diesem Wohlstand teilhaben, so der bayerische Landesbischof und EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm heute in seiner Neujahrspredigt im Bayerischen Rundfunk. Ein Land wie Deutschland, das bereits viele Jahre im Frieden lebe, dürfe nicht „nachlassen in dem Bemühen, Wege zu suchen, wie man Gewalt verhindern, eindämmen und zu ihrer Überwindung beitragen kann, wo immer es möglich ist“. Dabei helfe ein christlich-realistischer Blick auf den Menschen, der nach Luthers Einsicht vor Gott stets zugleich gerecht und Sünder sei. Dieser Blick bewahre „vor dem Traum des Übermenschen“ ebenso wie vor einer „Dämonisierung“ von Menschen. 

Zitat

Jahreslosung für das Jahr 2017: „Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.“ 

Hesekiel 36,26

Man könne „Gott nur dankbar“ sein, „wenn er uns ein neues, ein lebendiges, ein liebendes Herz gibt“, so Bedford-Strohm zu Beginn des neuen Jahres. „Es tut einem Land gut, wenn es Solidarität, Mitgefühl und Achtsamkeit für die anderen stark werden lässt. Es tut einem Land gut, wenn es nicht aus der Angst, sondern aus dem Vertrauen leben kann. Es tut einem Land gut, wenn nicht die Knappheitsgefühle die Seele regieren, sondern das Gefühl des Gesegnet-Seins“, sagte der Landesbischof. 

Die Münchner Regionalbischöfin und Ständige Vertreterin des Landesbischofs, Susanne Breit-Keßler, hat in ihrer Neujahrspredigt in der Münchner St. Matthäuskirche dazu aufgerufen, sich ein „warmes, achtsames Herz“ zu erhalten. Stress und Überforderung, aber auch dauernder Ellbogeneinsatz und tiefwurzelndes Misstrauen könnten im schlimmsten Fall zu Herzerkrankungen führen.

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Nötig sei eine umfassende Erneuerung des ganzen Lebensstils durch eine Neuausrichtung auf Gott. Doch dies werde häufig als Zumutung empfunden in einer Zeit, in der Autonomie, Selbstbestimmung und Unabhängigkeit „das Allerwichtigste“ zu sein schienen. Von Gott mit einem „weiten, großen Herzen“ beschenkt zu sein, bedeute dagegen, „sich der Menschlichkeit zu verschreiben“. Breit-Keßler bekannte, dass ihr Herz den Menschen gehöre, die andere brauchten: „Kinder in unserem Land und weltweit, Frauen, die nach Schutz suchen, Bedürftige, die ein Dach über dem Kopf nötig haben, genauso wie etwas zu essen und zu trinken. Leute, denen es am Nötigsten fehlt oder die so reich sind, dass sie verzweifelt nach dem Sinn des Lebens fahnden. Unser Herz sollte denen gehören, die krank sind, sterbenskrank oder dement, die sich nach Besuch sehnen. Die in einer Justizvollzugsanstalt hocken und sich zum Guten hin verändern wollen oder entlassen wurden und einen Neuanfang versuchen möchten.

Breit-Keßler plädierte für mehr Herzensgüte auch in Fragen einer gerechten Weltwirtschaft, die nicht allein den Vorteil der westlichen Hemisphäre im Auge haben dürfe, sondern darauf achten müsse, dass alle Menschen ihr Auskommen hätten. 


01.01.2017 / ELKB