Neue Initiative

Netzwerk will iranische Christen unterstützen

Netzwerk zum Schutz iranischer Christen

v.r.n.l.: Diakon David Geitner, Monika Hoenen, Stephan Theo Reichel, Pfarrer Elmar Croner, Regionalbischöfin Dorothea Greiner, Pfarrer Florian Herrmann, Anna Westermann.

Bild: ELKB

Das „Netzwerk zum Schutz iranischer Christen“ soll die Beratung und Begleitung von iranischen Geflüchteten verbessern, die Mitglied der evangelischen Kirche sind und von Abschiebung bedroht werden.

Das zunächst mit einem Schwerpunkt in Oberfranken tätige Netzwerk wurde am 1. Oktober mit einem Informations- und Netzwerktreffen in der evangelischen Kirche in Neudrossenfeld ins Leben gerufen. Initiiert haben das Netzwerk die Bayreuther Regionalbischöfin Dorothea Greiner und der Verein „matteo Kirche und Asyl“ mit seinem Vorsitzenden Stephan Theo Reichel.

                                                                                                                        

Ziel der neuen Initiative ist, die Kräfte der Pfarrerinnen, Pfarrer und ehrenamtlichen Flüchtlingsbegleiter besser zu bündeln, Know-how zu teilen, getaufte iranische Geflüchtete in ihrer individuellen Situation gezielt zu beraten und im Verkehr mit den Behörden zu unterstützen. In der bayerischen Landeskirche leben rund 1670 im Iran geborene evangelische Christen, davon über 330 im Kirchenkreis Bayreuth.

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„Viele unserer iranischen Gemeindeglieder stecken in der Falle“, erläutert die Regionalbischöfin. „Die Behörden und Gerichte halten ihr Bekenntnis zum Christentum für vorgetäuscht und erwarten von ihnen, dass sie ihre Taufe im Iran verheimlichen. Wenn sie keinen Pass vorlegen, dürfen sie nicht arbeiten und haben keine Lebensperspektive, aber der Pass ist gleichzeitig das Ticket für die Abschiebung. Davor haben sie große Angst.“

Stephan Theo Reichel, dessen Verein matteo bereits ein ähnliches Netzwerk zur Unterstützung von Afghanen aufgebaut hat, unterstreicht die Problematik von Abschiebungen in den Iran: „Es ist ein Skandal, dass unsere Behörden mit einer Diktatur zusammenarbeiten, um diese Abschiebeflüge zu ermöglichen.“

Die Regionalbischöfin ergänzt: „Das so genannte Geordnete-Rückkehr-Gesetz hat die Situation der Iraner, deren Konversion nicht anerkannt wird, wesentlich verschärft. Eigentlich sollten die in den Kirchengemeinden engagierten Iraner und Iranerinnen ihre Konversion noch einmal in einem Asyl-Folgeverfahren unter Beweis stellen können. Das haben uns das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) und das Bundesinnenministerium zugesagt. Aber die formalen und praktischen Hürden für solche Verfahren sind sehr hoch, und wenn sie doch in Gang kommen, bleiben sie über viele Monate ohne Ergebnis. So bleiben unsere iranischen Gemeindeglieder ohne Perspektive.“

 


06.10.2020 / ELKB