"Miteinander für Europa"

Ein Zeichen der Einheit

"Miteinander, nicht gegeneinander" sollte der gemeinsame Weg in Europa künftig sein, so Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm bei der Kundgebung in München.

Mit einer großen Kundgebung auf dem Münchner Karlsplatz ist am Samstagabend das dreitägige Christen-Treffen "Miteinander für Europa" zu Ende gegangen.

Vor rund 5.000 Zuschauern bekundeten der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und der Münchner Erzbischof Kardinal Reinhard Marx tiefe Einheit.

Die gelebte Ökumene sei heute so stark, man müsse nur seine Augen aufmachen, betonte Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm. Das werde auch beim Reformationsjubiläum sichtbar, das zum ersten Mal in der Geschichte gemeinsam begangen werde. Das unterstrich auch Marx, der Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ist. Im kommenden Jahr, wenn die Kirchen des 500. Reformationsjubiläums gedenken, solle deutlich werden: "Diese Christen kriegen wir nicht mehr auseinander. Die gehören zusammen. " Europa erwarte von den Kirchen, dass sie gemeinsam Christus bezeugen, sagte ist. "Wir gehen gemeinsam weiter voran, trotz mancher Unterschiede."

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An dem hochkarätig besetzten ökumenischen Kongress nahmen sogar Papst Franziskus und Patriarch Bartholomäus I. per Videobotschaft teil. Franziskus warnte darin vor neuen sichtbaren und unsichtbaren Mauern - Angst, Fremdenfeindlichkeit und wirtschaftlicher Egoismus - , die Europa zu spalten drohten. Die Welt stehe vor "beispiellosen Herausforderungen, die uns zwingen, vereint zu sein, zusammenzuarbeiten und einander zu unterstützen", erklärte der griechisch-orthodoxe Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomäus.

Bei der Abschlusskundgebung traten auch der Vizepräsident des Lutherischen Weltbundes, der württembergische Landesbischof Frank Otfried July, Kurienkardinal Kurt Koch und der rumänisch-orthodoxe Metropolit Serafim auf, sprachen ein gemeinsames Gebet und umarmten sich. Die Kirchen sollten in der Frage eines gemeinsamen Abendmahls schneller vorankommen, forderte July. Vor allem gemischt-konfessionelle Ehepaare litten unter dieser Trennung am "Tisch des Herrn". Schon bei einer Podiumsdiskussion am Freitag hatte July für mehr Einheit unter den Christen geworben. Dabei müssten sie die konfessionelle Selbstzufriedenheit ablegen und sich in Vielfalt verwirklichen. Ein "neues Einheitskraut" dürfe aber nicht gezüchtet werden, mahnte July.

Kardinal Koch, "Ökumene-Minister" im Vatikan, hob hervor, dass die Christen unterschiedlicher Konfessionen in den vergangenen Jahren die Bedeutung der gemeinsamen Taufe wiederentdeckt hätten. Dadurch seien sie sich nähergekommen, die Geschwisterlichkeit unter ihnen sei gewachsen und ein "weltweites Netz der Freundschaft" entstanden. Metropolit Serafim wies auf die großen spirituellen Verbindungen unter den Christen hin. Die geistigen Gemeinschaften hätten viel für die wachsende Einheit der Kirchen geleistet.

Einander die Hände reichen

500 Jahre Trennung zwischen katholischer und evangelischer Kirche seien genug, sagte Kardinal Walter Kasper, früherer Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, am Rande des Kongresses. Beim gemeinsamen Reformationsgedenken im kommenden Jahr wollten die Kirchen daher für die große Annäherung in den vergangenen Jahrzehnten danken. "Zweitens sollten wir uns die Hand geben und sagen: 'Wir bleiben beieinander und wir gehen weiter voran Richtung Einheit'", forderte der katholische Theologe. Die christliche Vielfalt müsse als Bereicherung gesehen werden. "Wir haben das gleiche Evangelium, wir glauben an den gleichen Gott, an Jesus Christus und seine Botschaft der Versöhnung, der Liebe, Gerechtigkeit und Freiheit."

In der Initiative "Miteinander für Europa" sind evangelische, katholische, anglikanische, orthodoxe und freikirchliche Christen aus ganz Europa zusammengeschlossen. Beteiligte Gemeinschaften sind unter anderem die Fokolar-Bewegung, die katholisch geprägte Laienorganisation Sant'Egidio oder der Christliche Verein Junger Menschen (CVJM). Rund 1.700 Teilnehmer aus rund 300 christlichen Gemeinschaften und Bewegungen hatten sich seit Donnerstag in München zu Diskussionen und Workshops getroffen.


04.07.2016 / epd