Michael Lochner geht in den Ruhestand

"Das Singen lag mir besonders am Herzen."

Portrait Michael Lochner

Geht in den Ruhestand: Michael Lochner

Bild: ELKB

25 Jahre lang stand er an der Spitze der Evangelischen Kirchenmusik - nun geht Michael Lochner in den Ruhestand. Am Freitag, 27. Januar, wird er in der Münchner Lukaskirche verabschiedet.

In einem Schreiben dankte Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm Lochner für seinen Dienst. „Sie haben wesentlich mitgeholfen, dass die Musik vielen Menschen das Herz für die frohe Botschaft geöffnet hat, durch eigenes Spiel und durch die Begleitung unserer Kirchenmusiker“. Der Landeskirchenmusikdirektor hat die fachliche Aufsicht über die Kirchenmusik in der bayerischen Landeskirche. Er wirkt an allen Entscheidungen der Kirchenleitung über die Kirchenmusik mit.

Lochner, gebürtig in Schwarzenbach an der Saale, hatte Musik studiert am Nürnberger Konservatorium und an der Hochschule für Musik in München.  1979 wurde Lochner Dekanatskantor zunächst in Mittenwald / Weilheim, dann ab 1983 in Bad Kissingen / Schweinfurt. Von 1991 bis 1999 war Lochner Kantor der St.-Lukas-Kirche in München. 1991 wurde er zum Landeskirchenmusikdirektor der Evang.-Luth. Kirche in Bayern berufen im Teildienst für Südbayern, ab 1999 im Volldienst, ab 2005 mit der Fachaufsicht über die gesamte bayerische evangelische Kirchenmusik bis zum Ruhestand 2017.

Von 2001 bis 2015 hatte Lochner einen Lehrauftrag inne an der Hochschule für Musik und Theater München für evangelische Liturgik, Hymnologie, Kirchenmusikgeschichte und Kirchenmusikkunde. Seit 2011 ist er Honorarprofessor der Hochschule für evangelische Kirchenmusik Bayreuth. Bayern-evangelisch.de befragte den scheidenden Landeskirchenmusikdirektor nach seinen Erinnerungen, nach seinen Plänen für den Ruhestand und nach den Herausforderungen für seinen Nachfolger Ulrich Knörr.

Die Kirchenmusik ist vielfältiger geworden

Herr Prof. Lochner, 26 Jahre lang waren Sie Landeskirchenmusikdirektor. Was hat sich in dieser Zeit in der Kirchenmusik getan?

Michael Lochner: Eine ganze Menge! Die Verjüngung der Kantorenschaft, die sich heute positiv zur Gospel- und Popmusik verhält und daneben die alten Meister nicht fallen lässt. Eine Vergrößerung unserer Chorlandschaft mit einer überaus erfreulichen Entwicklung der Kinderchorarbeit. Dann neue und bessere Orgeln, auf denen das Orgelspiel wieder Freude macht. Ganz wesentlich auch die Verbreiterung der Kompetenzen in Bereichen der nebenamtlichen Kirchenmusik mit verschiedenen Qualifikationen: Unabhängig von der Ausbildung im Orgelspiel bieten wir jetzt Unterricht in klassischer Vokalchorleitung, Pop- und Gospelchorleitung, Kinderchorleitung, Bläserchorleitung und Bandleitung an. Unsere landeskirchlichen Prüfungszeugnisse werden überall in der EKD und darüber hinaus anerkannt. An der Ausbildung wirken auch die vier kirchenmusikalischen Verbände mit, die mit den Dekanatskantoraten an einem Strang ziehen. Für diese Zusammenarbeit bin ich sehr dankbar.

In den vergangenen Jahren waren Sie zuständig für 126 Kantoren und Kantorinnen und ca. 2.400 neben- und ehrenamtliche Kirchenmusiker und Kirchenmusikerinnen, sowie rund 70.000 Mitwirkende in Chören und Musikgruppen. Entwicklung Gesangbuch und Liturgie, Hochschulen für Musik, Orgeln und Glocken, Personal und Stellen, aus- und Fortbildung – all das gehörte zu Ihrem Verantwortungsbereich. Was lag Ihnen besonders am Herzen?

Michael Lochner: Besonders am Herzen lag mir immer das Singen in seinen verschiedenen kirchlichen Ausprägungen - und damit das Gesangbuch, welches der Grund aller evangelischen Kirchenmusik ist. In den letzten Jahren kam die Sorge um den Gottesdienst hinzu. Ich vermisse immer öfter einen überzeugenden, gekonnten Umgang mit den allgemeinen liturgischen Formen. Und ein echtes Lebensthema war für mich das Bemühen, die Stellung der evangelischen Kantors neben den anderen kirchlichen Berufsgruppen zu stärken und zu festigen. Damit sind wir weiter gekommen, sodass es sich wieder lohnen dürfte, in den Kirchenmusikberuf zu gehen.

An welche Ereignisse erinnern Sie sich besonders gerne?

Michael Lochner: Erinnerungswerte Ereignisse gab es viele. Eine Rangliste habe ich nicht. Doch gab es Entwicklungen über längere Zeiträume, die ich mitgestalten durfte: die aufwachsende kirchliche Arbeit im Bereich von Freizeit und Tourismus, die der evangelischen Kirchenmusik vor allem in Südbayern kräftige Schübe gab. Dann meine Zeit als Kantor an der Münchner Lukaskirche, mit vielen wunderbaren Aufführungen des Lukas-Chores und Mitgliedern des Münchner Rundfunkorchesters. Danach die Hochschulentwicklung in Bayreuth, wodurch nun auch in kirchlicher Trägerschaft eine künstlerische, kirchenmusikalische und musikpädagogische Berufsausbildung auf akademischer Ebene angeboten werden kann. Schließlich eine weitgehend gelungene Landestellenplanung, mit der jetzt landesweiten Anstellung der Kantorinnen und Kantoren, was unsere hauptberufliche Kirchenmusik endlich auf die richtigen Füße stellt.

Wieder mehr mit anderen musizieren

Zum 31.1. 2017 gehen Sie in den Ruhestand, aber Sie hören nicht auf mit der Musik. Was haben Sie sich für die Zeit nach Ihrem Dienst vorgenommen?

Michael Lochner: Etwas nachholen, was mir zuletzt sehr gefehlt hat: das Musizieren mit anderen Menschen, in enger Verbindung mit der wortgebunden Kirchenmusik, mit Chor- und Sologesang. Dafür werde ich zu kirchenmusikalischen Aufführungen einiger Kolleginnen und Kollegen meine Mitwirkung anbieten. Als Mitspieler in zweiter Reihe, versteht sich, und weitgehend stressfrei. Mit der Hochschule für evangelische Kirchenmusik in Bayreuth bleibe ich weiterhin verbunden.

Welche Herausforderungen warten auf Ihren Nachfolger Ulrich Knörr?

Michael Lochner: Ich freue mich über die Wahl meines Kollegen und bisherigen Stellvertreters Ulrich Knörr! Wir sind einer Meinung, dass das neue Kirchengesetz über die Kirchenmusik und andere aktuelle Grundlegungen, die für die Fortentwicklung der Kirchenmusik von entscheidender Bedeutung sind, in jedem Winkel unserer Landeskirche bekannt gemacht und umgesetzt werden müssen. Der Aufbau eines vertrauensvollen Verhältnisses zu den Kolleginnen und Kollegen vor Ort ist ebenfalls von größter Wichtigkeit, was wieder viele Besuchsdienste und Gespräche erfordert. Ich bin sicher, dass Ulrich Knörr das alles meistern wird.


23.01.2017 / ELKB