Memminger Freiheitspreis

Mutiger Einsatz gegen Armut

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm hielt die Laudatio auf Erwin Kräutler bei der Verleihung des Memminger Freiheitspreises.

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm hielt die Laudatio auf Erwin Kräutler bei der Verleihung des Memminger Freiheitspreises.

Bild: ELKB

Für seinen Einsatz für Landlose in Brasilien hat der katholische Bischof Erwin Kräutler den Memminger Freiheitspreis erhalten. Heinrich Bedford-Strohm hob in seiner Laudatio den Mut Kräutlers hervor.

Kräutler lebe und verkörpere das, woran der Memminger Freiheitspreis erinnere, würdigte der Landesbischof vor etwa 3000 Menschen auf dem Memminger Marktplatz. Alle vier Jahre verleiht die Stadt diesen Preis für Verdienste um Freiheit Recht und Gerechtigkeit - in Erinnerung an die zwölf Memminger Bauernartikel aus dem Jahre 1525, die als die erste Niederschrift von Menschenrechten in Europa gelten. "Die Memminger Bauern wollten ein freies und selbstbestimmtes Leben führen, das Evangelium sollte der rechte Maßstab sein (Artikel 12)", erläuterte Bedford-Strohm. 

Diese Forderung gelte auch heute: "Das Recht auf Freiheit und Gerechtigkeit steht allen Menschen zu, ob Mann, ob Frau, ob weiß oder Indio, ob reich oder arm. Damit dies nicht nur eine Forderung, sondern Realität wird, leben und arbeiten Sie mit den Ihnen anvertrauen Menschen geschwisterlich zusammen", lobte der Landesbischof den 76-Jährigen. Sich gegen strukturelle und gemachte Armut einzusetzen, sei selten populär.  Das habe weder Großgrundbesitzern zur Zeit der Reformation gefallen, "noch vielen Mächtigen heute."

Wenn sich derzeit in Deutschland die Kirchen für Geflüchtete und für Arme einsetze, "dann stoßen wir damit auch auf Widerspruch. Wir können aber gar nicht anders", betonte der Landesbischof. Die untrennbare Verbindung von Gottesliebe und Nächstenliebe mache den Kern des christlichen Glaubens aus.

Liebevoller Umgang mit der Natur

Bedford-Strohm hob besonders Bischof Kräutlers Engagement für die Natur hervor. Der brasilianische Kirchenmann berichte vom liebevollen Umgang der Indios mit der Natur. Diese andere Art der Beziehung zur Schöpfung "ist ein Teil des globalen Bewusstseinswandels, den wir alle brauchen", stellte Bedford-Strohm fest.

Kräutler, der aus Österreich stammt, war mehr als drei Jahrzehnte lang Bischof in Xingu, der flächenmäßig größten Diözese Brasiliens. Er setzte sich für die Menschenrechte der Indios und den Erhalt des tropischen Regenwaldes im Amazonasgebiet ein. Bekannt wurde er unter anderem durch seinen Widerstand gegen das Staudamm-Großprojekt Belo Monte am Fluss Xingu, einem Seitenfluss des Amazonas.Für seinen Einsatz für die Umwelt und die Menschenrechte indigener Völker im Amazonasgebiet erhielt Kräutler 2010 den Alternativen Nobelpreis. Der Theologe ist auch Co-Autor des Kapitels über den Umweltschutz in der Enzyklika "Laudato si" von Papst Franziskus.


29.09.2016 / EPD/ELKB