Lutherischer Weltbund

Gnade Gottes nicht gegen Geld zu haben

Namibia, das Gastgeberland der 12. Vollversammlung des Lutherischen Weltbunds, präsentiert sich.

Wenn sich der vor 70 Jahren gegründete Lutherische Weltbund im Mai in Namibia trifft, stehen neben dem Jubiläum auch die Themen Klimawandel, Flüchtlinge und Menschenrechte auf der Tagesordnung.

Der Lutherische Weltbund (LWB) hat in diesem Jahr allen Grund zum Feiern: zum einen natürlich das allgegenwärtige 500. Reformationsjubiläum, zum anderen einen runden Geburtstag. Denn vor 70 Jahren, also 1947 und damit kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges, wurde der LWB im schwedischen Lund gegründet. Die lutherischen Kirchen in aller Welt schlossen sich zusammen, um den Kirchen im zerstörten Europa beizustehen. Und auch, um künftig mit einer starken lutherischen Weltstimme sprechen zu können. Inzwischen gehören dem LWB 145 Mitgliedskirchen aus 98 Ländern an, die rund 74 Millionen Christen weltweit repräsentieren.

Zitat

Die größte Gemeinsamkeit ist, dass man miteinander Gottesdienst feiert. In verschiedenen Sprachen, mit verschiedenen Ausdrucksmöglichkeiten, Liedern, Gesängen, Tänzen. Das ist jenseits aller Resolutionen und theologischer Texte eine ganz wichtige Sache für die Vollversammlung. Das Erlebnis, dass wir weltweite Kirche sind.

Oberkirchenrat Michael Martin zur Frage nach dem "Gemeinsamkeiten" der lutherischen Kirchen weltweit

Gefeiert wird in diesem Jahr in Namibia bei der 12. Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes, die am 10. Mai beginnt. Die diesjährige Vollversammlung steht unter dem Motto "Wir sind befreit durch Gottes Gnade". Zu dem Thema soll der Menschenrechtsaktivist und Arzt Denis Mukwege, der im Kongo Vergewaltigungsopfer operiert, am 11. Mai den Hauptvortrag halten. Die 400 Delegierten werden sich außerdem den Unterthemen "Erlösung - Menschen - Schöpfung: für Geld nicht zu haben" widmen. Damit solle ausgedrückt werden, dass die Menschen sich die Gnade Gottes nicht kaufen können, sagt Michael Martin. Genauso wenig wie die Schöpfung oder Menschen. "Kein Mensch darf Gegenstand von Kaufverhandlungen werden."

Schöpfung - für Geld nicht zu haben

LWB Titelbild 'Schöpfung - für Geld nicht zu haben',© LWB

Als Luther sich im 16. Jahrhundert von Gottes erlösender Liebe sprach, bezog er sich nicht auf die Umwelt. Ökologische Herausforderungen standen damals nicht auf der Tagesordnung.

Heutzutage sehen sich viele Teile der Welt jedoch mit existenziellen Umweltproblemen konfrontiert. Auf dem afrikanischen Kontinent schaffen es beispielsweise viele Gemeinden kaum, ihre Einwohner mit sauberem Trinkwasser zu versorgen, während um sie herum riesige Flächen Gemeindeland an den Meistbietenden verkauft oder verpachtet werden. Wasser und Land – Ressourcen, die jahrhundertelang die Versorgung der Gemeinden gewährleisteten und von den Bauern gemeinsam genutzt worden waren – werden nun zu Markte getragen. Sie sind zu Handelswaren geworden. Gemeinden, deren Existenz auf diesen Ressourcen beruht, werden zum Abwandern gezwungen. Häufig enden sie in städtischen Elendsvierteln mit schlechter öffentlicher Grundversorgung.

Luthers Aussagen zur Zeit der Reformation erinnern uns daran, dass es Aspekte unserer Existenz auf diesem Planeten gibt, die um des irdischen und des ewigen Lebens willen keine Handelsware und niemals verkäuflich sein sollten. Das schließt unsere Schöpfung ein, die Gott uns anvertraut hat, damit wir sie bewahren.

Booklet Schöpfung - für Geld nicht zu haben als PDF

Menschen - für Geld nicht zu haben

LWB Titelbild 'Menschen - für Geld nicht zu haben',© LWB

Das befreiende Evangelium von Jesus Christus spricht hinein in das Leben der Menschen in jedem Zeitalter. Die Lutheraner sind nicht im 16. Jahrhundert steckengeblieben. Unsere Theologie, die die befreiende Gnade Gottes unterstreicht, gilt auch heute.

Darum erklären wir: Menschen sind für Geld nicht zu haben. In manchen Ländern arbeiten Gastarbeiter unter menschenunwürdigen Bedingungen. Wir fragen: Ist Sklaverei eine Sache der Vergangenheit? Oder wurden andere, subtilere Methoden gefunden, die untragbare Praxis der Ausbeutung von Arbeitskräften, Kindern und Frauen fortzusetzen? Für Hunderttausende bleibt der Menschenhandel ein Albtraum, der im klaren Widerspruch steht zu der befreienden Liebe Gottes.

Wir wissen, dass Gottes Liebe für uns durch das Leben, den Kreuzestod und die Auferstehung Jesu Christi Wirklichkeit geworden ist. Sie steht dafür ein, dass Menschen, Menschenrechte und Menschenwürde keine Waren sind. Sie sind keine Handelsware, die die auf dem Markt feilgeboten werden kann. Sie sind nicht verkäuflich.

In dem Jahr, in dem wir des 500. Jahrestages der Reformation gedenken, mit der Martin Luther Gottes barmherzige Liebe zum Schlüssel unserer Erlösung aufzeigte, erklären wir mutig: Menschen sind für Geld nicht zu haben.

Booklet Menschen – für Geld nicht zu haben als PDF

Erlösung - für Geld nicht zu haben

LWB Titelbild 'Erlösung - für Geld nicht zu haben',© LWB

Das 500. Reformationsgedenken eröffnet uns eine gute Möglichkeit, die Sehnsucht der Menschen nach Ganzheit und ihr Streben nach einem würdevollen Leben neu in den Blick zu nehmen.

Noch heute nehmen wir wahr, dass Religion in das Geschehen auf den Weltmärkten hineingemischt wird indem Menschen glauben gemacht werden, dass sie nur durch Wunder Wohlstand erlangen können.

Luthers Kernbotschaft von der Erlösung allein durch Gnade – nicht durch gute Werke oder käufliche Güter – sollte im 21. Jahrhundert nicht als Selbstverständlichkeit angesehen werden. Erlösung und Ganzheit, geheilte Beziehungen, ein Leben in Würde, der Wunsch nach Wohlergehen – das alles ist nicht für Geld zu haben.

Indem wir uns zur Vollversammlung zusammentreten bekräftigen wir, dass Erlösung in diesem neuen Zeitalter und in neuartiger Weise nicht für Geld zu haben ist.

Booklet Erlösung – für Geld nicht zu haben

Auch das Gastgeberland Namibia soll bei der Konferenz eine Rolle spielen. Der Klimawandel werde in Namibia greifbar, weil es in dem Land seit vier Jahren nicht mehr geregnet habe, sagt Oberkirchenrat Michael Martin. Folgen seien Dürre, Hunger, Armut und Flüchtlinge. "Natürlich müssen wir darüber sprechen, wie afrikanische Länder am Weltmarkt beteiligt sind, wie es mit Flüchtlingsbewegungen oder der Klimaerwärmung aussieht", sagt Martin.

Auf dem Programm stehen zudem die Wahl des neuen Präsidenten und des neuen Rates am 13. Mai. Sechs Personen aus deutschen LWB-Mitgliedskirchen sind für das höchste Gremium der Kirchengemeinschaft nominiert, das zwischen den Vollversammlungen die Geschäfte des LWB leitet.

„Ratsmitglieder übernehmen eine verantwortungsvolle Leitungsaufgabe in unserer weltweiten Kirchengemeinschaft. Wir sind froh und dankbar, sechs kompetente Personen für diese Aufgabe vorzuschlagen. Sie können reiche Erfahrungen aus Deutschland und ein großes Engagement in den LWB einbringen“, so der Vorsitzende des Deutschen Nationalkomitees des Lutherischen Weltbundes (DNK/LWB), Landesbischof Gerhard Ulrich, zu den Nominierungen. Aus der bayerischen Landeskirche ist der Augsburger Professor für Systematische Theologie, Prof. Dr. Bernd Oberdorfer, nominiert.

Seit 2010 ist Munib A. Younan (Palästina) Präsident, einer seiner Stellvertreter ist der württembergische Landesbischof Frank Otfried July. Generalsekretär ist Martin Junge aus Chile. LWB-Vizepräsident July erhofft sich von dem Treffen "eine internationale Begegnung, bei der deutlich wird, dass die Reformation eine Weltbürgerin ist. Dass wir voneinander lernen können, was Reformation in kleinen und großen Kirchen, in Minderheits- und Mehrheitskirchen bedeuten kann". Zu den strittigen Themen Frauenordination und Umgang mit Homosexualität sagte July dem Evangelischen Pressedienst: "Ich hoffe und wünsche mir, dass wir die Spannungen so lange aushalten, bis wir gemeinsame gangbare Wege gefunden haben."

Das Kreuz aus El Salvador, das Symbol des gemeinsamen Reformationsgedenkens, reist von Lund zur Vollversammlung nach Windhuk.

Das anlässlich des Gemeinsamen ökumenischen Reformationsgedenkens in Lund, Schweden, entstandene Kreuz aus El Salvador wird auch beim Jubiläumsgottesdienst in Namibia im Mittelpunkt stehen.

Bild: LWB/M. Renaux

Einer der Höhepunkte ist die große Reformations-Gedenkfeier am 14. Mai im Sam-Nujoma-Fußballstadion in Windhuk, zu der die Veranstalter bis zu 9.000 Besucher erwarten. Bischof em. Dr. Zephania Kameeta, der ehemalige LWB-Vizepräsident für die Region Afrika, wird zum Thema der Vollversammlung „Befreit durch Gottes Gnade“ predigen. Der frühere Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in der Republik Namibia hat aktuell das Amt des namibischen Ministers für Armutsbekämpfung und soziale Wohlfahrt inne.Der Gottesdienst aus Anlass des Reformationsjubiläums wird per Livestream in Gemeinden weltweit übertragen, die so die Möglichkeit haben, ihn mitzuverfolgen und mitzufeiern.

Zur 12. Vollversammlung werden 800 Teilnehmer aus aller Welt, darunter 400 Delegierte, erwartet. Aus Bayern kommen sechs Delegierte, zu ihnen zählen Oberkirchenrat Michael Martin, die Präsidentin der bayerischen evangelischen Landessynode, Annekathrin Preidel, das LWB-Ratsmitglied, der Augsburger Theologieprofessor Bernd Oberdorfer, die Ökumenereferentin Dr. Maria Stettner sowie die Jugenddelegierten Paula Göhre und Tim Sonnemeyer. Die Delegierten werden begleitet von Experten aus den Themenfeldern Ökumene, Mission und Communio sowie Vertreterinnen verschiedener Berufsgruppen. Die Vollversammlung endet am 16. Mai.


03.05.2017 / Christiane Ried (epd)/LWB