Interview

Lutherbier im Kreuzgang

Lutherbier im Kreuzgang

Beim Reformationsfest in Nürnberg: Tetzel verkauft den Ablaß. Gespielt von der Hans-Sachs-Spielgruppe und den Klosterhofspielern Langenzenn.

Bild: ELKB/Breit

Papstgesandte, Handwerker, Gaukler und Bürgerfrauen im Freilichttheater in Langenzenn. "Luther" stand auf dem Spielplan, die Nürnberger Regionalbischöfe hatten sieben Vorstellungen komplett gebucht.

Fast 3.000 Kirchenvorsteher aus dem evangelischen Kirchenkreis Nürnberg haben sieben Vorstellungen von "Luther" im Klosterhof, in der Kirche und auf dem Martin-Luther-Platz in Langenzenn (Landkreis Fürth) besucht. Zu den Theaterabenden des erfolgreichen Stücks mit Mittelaltermarkt und Biergarten hatten die Regionalbischöfe Elisabeth Hann von Weyhern und Stefan Ark Nitsche die Ehren- und Hauptamtlichen aus den Kirchenvorständen eingeladen. Die letzte Aufführung für die Gäste fand am Dienstag wegen Regens nicht an den drei Spielorten, sondern nur in der Langenzenner Kirche statt. Dort stand auch Ark Nitsche selbst auf der Bühne. Seine Frau saß wieder im Publikum. Im Interview mit dem epd erzählt sie von dem besonderen Stück: 

Sind Sie beide denn bei jeder Vorstellung dabei gewesen?
Ja und wir hatten viel Spaß. Mein Mann hat einige Male das Gewand eines Kurfürsten getragen, wenn ein Schauspieler erkrankt war. Ich saß einmal in der letzten Reihe, wunderte mich, wo er ist und hab ihn auf der Bühne gar nicht erkannt. Es war fast schon ein Running Gag, wenn er dann wieder unerkannt durch die Szene ging.

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Und wie fanden Sie das Stück?
Die Langenzenner haben ein kluges Bild von Luther und seiner Zeit gezeichnet. Und die Schauspieler wiederum haben gesagt, dass die Kirchenvorsteher ein anderes, ein kundigeres Publikum waren. Sie haben auch versteckte Anspielungen und anspruchsvollere Witze verstanden.

Warum haben Sie die Kirchenvorstände zu diesen Abenden eingeladen?
Weil wir uns großzügig bedanken wollten. Diese Menschen, ob ehrenamtlich oder hauptamtlich, gestalten miteinander Kirche vor Ort, sind als Kirche in der Gesellschaft präsent und bilden ein dichtes Netz. Sie sollten auch einmal erleben, wie viele wir sind. Die Theaterabende in Langenzenn waren für uns dann auch die Gelegenheit, den Gemeinden die neuen Altarbibeln von der Landeskirche zu überreichen. Die Kirchenvorstände mit ihren Partnern freuten sich über die Anerkennung und sie freuen sich, einmal etwas zu erleben, das sie nicht selbst vorbereiten müssen. Es gab Lutherbier im Kreuzgang, Flammkuchen und ein großes Büffet.

Wie haben Sie denn diese Großzügigkeit bezahlt?
Wir haben Gelder aus der Lutherdekade abgerufen, aus unserem eigenen Haushalt des Kirchenkreises Mittel genommen und wurden von Sponsoren unterstützt. Wir wollten auf jeden Fall nicht kleinlich sein und wirklich gescheit zu essen und trinken bieten.

Wie haben Sie Ihre Gäste erlebt?
Sie freuten sich über die Anerkennung und Wertschätzung und sie freuen sich, einmal etwas zu erleben, das sie nicht selbst vorbereiten müssen. Da war so eine gute Laune! Man merkt aber auch, dass Kirchenvorstände Übung im Improvisieren haben. Wenn einmal ein Regen in die Vorstellung platzte, haben sie ganz schnell Unterschlupf im Kreuzgang gefunden und sind dabei fröhlich geblieben.


27.07.2017 / epd/Jutta Olschewski