Lutherbibel 2017

"Näher am Text und näher bei Luther"

Stefan Ark Nitsche, Regionalbischof im Kirchenkreis Nürnberg

Stefan Ark Nitsche, Regionalbischof im Kirchenkreis Nürnberg

Bild: (c) ELKB / Poep

Die neue Lutherbibel ist fertig! Ein guter Anlass einen Festgottesdienst zu gestalten. Am 30. Oktober predigt Regionalbischof Stefan Ark Nitsche in St. Egidien in Nürnberg.

Es wird feierlich in St. Egidien am Tag vor dem Reformationstag. Um 10.30 Uhr beginnt am Sonntag der Festgottesdienst, predigen wird Regionalbischof Stefan Ark Nitsche, Kirchenmusikdirektor Gerd Kötter begleitet ihn auf der Orgel. Der Anlass ist die neue Ausgabe der Lutherbibel. Seit dem 19. Oktober ist sie im Handel erhältlich. 12 000 der rund 31 000 Verse haben für die neue Fassung eine Änderung erfahren. Warum das gut und nötig war, erzählt Regionalbischof Ark Nitsche im Interview:

Nach mehr als 30 Jahren wurde die Lutherbibel neu überarbeitet. Wie überfällig und wichtig war das aus Ihrer Sicht?
Vor allem aus zwei Gründen war das dran: Inzwischen ist die exegetische Forschung an den hebräischen und griechischen Texten der Bibel ein ganzes Stück weiter und präziser. Da war Nachholbedarf. Außerdem atmete die letzte Überarbeitung doch stark Geist und Sprache der 80iger Jahre, der Vorwendezeit. Damals auf der Höhe der Zeit, heute eher zu glatt. Inzwischen ist die poetische und zugleich urwüchsige Sprachkraft Luthers von vielen wieder entdeckt worden. Die Chance, bei einer notwendigen wissenschaftlichen Überarbeitung der vertrauten Lutherbibel wieder mehr Luther zu bekommen, war verlockend. Dabei zu entdecken, dass die Übersetzung von 1545 in vielen Fällen auch aus heutiger Sicht näher an den alten Texten war, ist ein Zusatzgeschenk.

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Was ist das Wichtigste, was sich Ihrer Meinung nach, geändert oder erneuert hat?
Näher am Text und näher bei Luther! Näher am Wortlaut und vor allem der Bedeutung einzelner Worte in den ursprünglichen Texten und die Wiederentdeckung des Schriftstellers und Dichters Luther. Dem Zacken aus der Krone fielen, wenn er zusammen mit Spezialisten jedes seiner oft errungenen Übersetzungsworte noch einmal auf die Waagschale legte. Der bis ans Ende seines Lebens dauernd in Revision seiner eigenen Arbeit war.

Was bedeutet die neue Lutherbibel für den "Gottesdienstalltag"?
Sie wird rasch Freundinnen und Freunde finden, wenn man sie so behutsam einführt, wie sie erarbeitet wurde.

Welche Symbolkraft steckt aus Ihrer Sicht dahinter?
Das Evangelium sucht sich, seit es in der Welt ist, in immer neuen Kontexten und Lebenswelten immer wieder neu Formen und Sprache. Es soll ankommen, anrühren, aufwecken, aufrütteln, bewegen und Menschen zum Aufbrechen motivieren, zu Gott, zu anderen Menschen und zu sich selbst. Die neue Lutherbibel ist ein sichtbares Zeichen für diesen bis ans Ende der Welt und der Zeit laufenden Prozess des In-die-Welt-Kommens der frohen Botschaft.


25.10.2016 / Kerygma