Frühjahrstagung Coburg

"Ein Zeichen im Geist der Reformation"

'Ein Zeichen im Geist der Reformation'

Zur Abstimmung heben die Synodalen die grünen Stimmkarten, hier im Bild der Synodale Erik Hermanns und Beate Schabert-Zeidler aus dem Kirchenkreis Augsburg.

Bild: ELKB

Die Barmer Theologische Erklärung wird in der Verfassung der Landeskirche verankert, die evangelische Erwachsenenbildung mit zehn theologisch-pädagogischen Stellen verstärkt - so die Beschlüsse.

Drei Jahre lang haben sich Kirchengemeinden und Gremien der Landeskirche mit der Barmer Theologischen Erklärung beschäftigt – nun wird sie Eingang in die Kirchenverfassung finden. In seiner Einbringungsrede des Gesetzesvorschlags hob Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm hervor, wie aktuell die Erklärung heute sei: „Wer hätte vor drei Jahren gedacht, in welch rasanter und unheimlicher Weise sich innerhalb weniger Jahre die weltpolitisch en Konstellationen verändern würden? … Im Jahr des Reformationsjubiläums fürchten viele um die kulturelle Identität des einst christlichen Abendlandes, um die Tragfähigkeit unserer aufgeklärten Demokratien und um den Fortbestand unserer offenen Gesellschaft. Das macht Barmen so aktuell – geradezu unheimlich aktuell.“ Barmen nötige dazu, im frühen 21. Jahrhundert nach dem christlichen Profil zu fragen.

Bei der Herbstsynode 2014 wurde ein gemischter Ausschuss eingesetzt, der sich damit auseinandersetzen sollte, ob ein Bezug auf die Barmer Erklärung Eingang in den Grundartikel der Kirchenverfassung finden könne, erinnerte Bedford-Strohm in seiner Einbringungsrede. Dieser Prozess sei unter Einbeziehung der theologischen Hochschulen, Fakultäten und möglichst vieler Dekanate, Gemeinden und Einrichtungen geschehen. Zahlreiche Dekanate hatten sich in Pfarrkonventen mit diesem Thema beschäftigt und überwiegend positive Rückmeldungen gegeben, ja zum Teil die Aufnahme eines Hinweises in die Kirchenverfassung als „überfällig“ bezeichnet.

Zitat

Wir haben uns mit grundlegenden Fragen der Zielbestimmung unserer Kirche auseinandergesetzt. Vom Zentrum unserer Kirche her wollen wir neue geistliche Ausstrahlungskraft gewinnen. Das wunderbare Ergebnis will uns ein Ansporn und ein Anfang sein, unseren weiteren Weg und den Prozess, der vor uns liegt zu gestalten.

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm

Die Barmer Theologische Erklärung sei bisher nicht ausdrücklich in der Kirchenverfassung verankert, begründete der Landesbischof das Gesetzesvorhaben. Eigentlich aber sei sie längst verfassungsrechtliche und gelebte Realität. Das hat die Landessynode nun geändert: Für die Verankerung stimmten 89 Synodale, eine Zweidritelmehrheit war nötig. Sie hat folgende Ergänzung beschlossen:

„Mit den christlichen Kirchen in der Welt bekennt sie ihren Glauben an den Dreieinigen Gott in den altkirchlichen Glaubensbekenntnissen. Sie hält sich in Lehre und Leben an das evangelisch-lutherische Bekenntnis, wie es insbesondere in der Augsburgischen Konfession von 1530 und im Kleinen Katechismus D. Martin Luthers ausgesprochen worden ist. Damit bezeugt sie die Rechtfertigung des sündigen Menschen durch den Glauben um Christi willen als die Mitte des Evangeliums. In der Barmer Theologischen Erklärung von 1934 weiß sie die befreiende und verbindliche Kraft des Evangeliums Jesu Christi aufs Neue bekannt.“

Landessynode Coburg Plenum,© ELKB

Bild: ELKB

Die Barmer Theologische Erklärung wird in der Verfassung der Landeskirche verankert

Ein Beitrag von Christoph Lefherz

Die Landessynode hat mit großer Mehrheit die Neupositionierung der Evangelischen Erwachsenenbildung in Bayern beschlossen. 2013 wurde der Prozess „Innovation Bildung 2017“ gestartet, um eine Profilierung, Regionalisierung und Professionalisierung zu unterstützen. "„Innovation Bildung 2017“ hat die Bedeutung der Evangelischen Erwachsenenbildung und ihre Relevanz für unsere Kirche neu ins Bewusstsein gebracht. Initialzündung waren die Denkwerkstätten. Hier brachten die Bildungswerke verschiedene Akteure aus dem kirchlichen und nicht-kirchlichen Bereich ins Gespräch, um Ideen für eine neue Profilierung zu gewinnen. Regionale Bildungsprozesse wurden gefördert", erläutert Oberkirchenrat Detlev Bierbaum.

Die Neupositionierung sieht ein kirchlich verankertes flächendeckendes Netzwerk regionaler und hauptamtlich geführter Bildungseinrichtungen vor, das sich künftig organisiert im Zusammenspiel von Bildungswerken, Stadtakademien und Bildungszentren im ländlichen Raum und anschlussoffen ist für Bildungsarbeit von Diensten und Werken (z.um Beispiel Diakonie, Amt für Gemeindedienst und andere). So geschieht integrierendes Bildungshandeln unter der Wortmarke „Bildung evangelisch“. Die Synode hat beschlossen, dass dafür zehn theologisch-pädagogische Stellen (vor allem Religionspädagogen/innen) für die regionale Erwachsenenbildung im „Landesweiten Dienst“ (LWD) ausgewiesen werden. Dies geschehe kostenneutral, weil es um eine Umschichtung von Mitteln geht.

Jugenddelegierte Julia Simon und Jonas Strasser

Die Jugenddelegierten erhalten zukünftig Stimmrecht bei Synodaltagungen, im Bild die Jugenddelegierten Julia Simon und Jonas Strasser.

Bild: ELKB

Seit längerem hat sich eine Arbeitsgruppe mit den Regelungen zur Wahl der Landessynode befasst und legte jetzt Eckpunkte für eine Neuregelung vor. Einstimmig hat sich die Landessynode für das Stimmrecht für Jugenddelegierte beschlossen. Länger diskutierte die Synode die Zusammensetzung der künftigen Synoden und die Tagungsmodalitäten. Sie beschloss, die Frage der Zusammensetzung in dieser Synodalperiode nicht weiter zu diskutieren und die Tagungs. Weitere Grundsatzbeschlüsse zur Überarbeitung des Landessynodalwahlgesetzes betrafen die Berufungsmodalitäten, die Einführung der allgemeinen Briefwahl, die Weiterarbeit an der Frage der Kommunikation sowie die Tagungsmodalitäten.

Synode behandelte 12 Eingaben

Jeder und jede der 2,5 Millionen evangelisch-lutherischen Christen in Bayern kann eine Eingabe an die Landessynode richten. Auch die Synodalen selbst können Anträge stellen. Diesmal sind insgesamt 12 Eingaben und Anträge eingegangen. Unter anderem:

Die Kirchliche Umweltkonferenz bittet die Synode, das Wort der Landessynode aus dem Jahr 2009 „Mit Energie für gutes Klima“ im Licht der UN-Klima-Konferenz von Paris landeskirchenweit neu zu diskutieren und geeignete Maßnahmen zu beschließen, „um den eigenen Beitrag zur Klimaerwärmung zu verringern“. Seit der Klimasynode 2009 wurden gute Erfolge im Sinne der Nachhaltigkeit und der Ressourcenschonung erzielt. "Dennoch müssen die Anstrengungen weitergeführt werden.Die Landessynode hat die Fachabteilung gebeten, ein integriertes Klimaschutzkonzept für die bayerische Landeskirche zu entwickeln.

Zur Person

Pageflow, Bild: © ELKB

Synode Multimedial

Begleitend zur Tagung finden Sie die Multimediaberichterstattung im Pageflow. Alle wichtigen Berichte, Worte und Beschlüsse in Bild, Audio und Video.
Pageflow zur Synodaltagung Coburg

Für die Gefängnisseelsorger ist der Dienstgeber zuständig, bei dem sich die Seelsorger im aktuellen Dienstverhältnis befinden. Die Konferenz der Gefängnisseelsorger bittet um die Überführung der Dienstverhältnisse der Gefängnisseelsorger zurück zur bayerischen Landeskirche. Die Fachabteilung wird gebeten bis zur Herbstsynode 2017 zu prüfen, welche konzeptionellen und finanziellen Auswirkungen die Überführungen haben würden.

Mehrere Kirchengemeinden hatten einen Antrag auf zusätzliche Finanzmittel gestellt. Die Synode bittet die Gemeindeabteilung im Landeskirchenamt ein Konzept zur Unterstützung besonders finanzschwacher Gemeinden zu erarbeiten- auf Basis einer Evaluation des innerkirchlichen  Finanzausgleiches. Dabei solle auch ein Anreizsystem für die verstärkte Zusammenarbeit von Gemeinden geschaffen werden.

Mit einem dringlichen Antrag wurde die Errichtung eines kirchlichen Solidariätsfonds für betroffene Pfarrerinnen und Pfarrer, die von Ermittlungen bei Kirchenasylen betroffen sind. Aus diesem Fonds sollen Anwaltskosten und im Verhandlungsfall Verfahrenskosten bezahlt werden. Die Landessynode lehnte diesen Antrag ab.


05.04.2017 / ELKB