Landesbischof im Presseclub

Neue geistliche Grundhaltung gegen Rassismus

Landesbischof Heinrich Bedford Strohm bei Jahrespressekonferenz im Presseclub München

Das Reformationsjubiläum in diesem Jahr kann Bedford-Strohm (links) zufolge zu einer breiten geistlichen Erneuerung führen. Im Bild rechts der Ehrenvorsitzende des Presseclubs Ruthart Tresselt.

Bild: ELKB/Minkus

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm fand am Donnerstag bei seiner Jahrespressekonferenz im Münchner Presseclub klare Worte zu den Themen Extremismus, Rassismus, Ökumene und Reformationsjubiläum.

Die Sorge um den Zusammenhalt der Gesellschaft und die Hoffnung auf konkrete Fortschritte in der Ökumene hat der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm bei seiner traditionellen Pressekonferenz zum Jahresauftakt hervorgehoben. In der Gesellschaft hätten Nervosität, Aggression und Haltungen, die schon als überwunden galten, wie Rassismus und Antisemitismus, zugenommen, sagte der Bischof am Donnerstag im Münchner Presse-Club.

Mit Blick auf den wachsenden Extremismus in Deutschland sagte der Bischof, der auch Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist, die Kirchen überlegten, ein gemeinsames Wort im Vorfeld der Bundestagswahl herauszugeben. Man müsse aber noch sehen, wie das hilfreich sei für die gesellschaftliche Lage. Im Wahlkampf habe die Kirche jedoch die Verpflichtung, "mit allem Nachdruck" die Grundregeln des Anstands anzumahnen. Die Kirchen müssten deshalb immer wieder den wechselseitigen Respekt als Grundlage für den demokratischen Dialog einfordern.

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Mit deutlichen Worten warnte der Bischof vor der rechtspopulistischen AfD. Alle Menschen, die sich der Partei anschließen wollten, müssten sich klarmachen, wer darin eigentlich vertreten sei. "Da gibt es richtige Nazis in dieser Partei", sagte Bedford-Strohm. Als Beispiel nannte Bedford-Strohm den AfD-Politiker Björn Höcke, der nationalsozialistisch-affine Thesen vertrete. Der AfD-Fraktionsvorsitzende im Thüringer Landtag verbreite seine nationalsozialistische Einstellung und lehne die Erinnerungskultur nach der NS-Zeit ab.

Differenziert steht Bedford-Strohm zu der Frage, ob Christen in der AfD sein könnten. "Wir machen es an der Haltung fest, nicht an drei Buchstaben", sagte der Bischof. In der Partei seien ganz unterschiedliche Menschen vertreten - nicht nur Rechtspopulisten oder Extreme, sondern auch Unzufriedene. Klar sei für ihn allerdings: "Antisemitismus und Rassismus sind unvereinbar mit dem christlichen Glauben. Da, wo gehetzt wird, muss eine rote Linie gezogen werden." Dafür brauche es eine neue geistliche Grundhaltung.

Von dem Besuch einer EKD-Delegation bei Papst Franziskus am 6. Februar erhofft sich Bedford-Strohm deutliche Impulse für die Ökumene. In der Frage eines gemeinsamen Abendmahls könne es "konkrete Signale" geben, dass in Zukunft die beiden Partner einer "konfessionsverbindenden Ehe" das Abendmahl zusammen am "Tisch des Herrn" feiern dürfen. Denn für den Papst stünden nicht Dogmen im Zentrum, sondern der einzelne Mensch und seine Bedürfnisse. Diese Menschen-Nähe des Papstes sei auch ein Hoffnungszeichen für die Ökumene.

Das Reformationsjubiläum in diesem Jahr kann Bedford-Strohm zufolge zu einer breiten geistlichen Erneuerung führen. Denn es sei nicht das ursprüngliche Ziel des Reformators Martin Luther gewesen, eine eigene Kirche zu gründen, sondern Christus neu zu entdecken. Das Reformationsgedenken sei deshalb Anlass für die Christenheit im ökumenischen Geist auf die "Quellen des Glaubens" hinzuweisen. Es sei zu hoffen, dass es in Zukunft ausgehend von dem Reformationsjubiläum die "Generation 2017" gebe, die gute Erfahrungen mit dem Glauben gemacht hat.

 


20.01.2017 / epd