Landesbischof im Presseclub:

Klimaschutzziele einhalten

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm vor dem Münchner Presseclub

Ein Festhalten an den Klimazielen und eine größere Flexibilität in der Flüchtlingspolitik forderte Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm vor dem Münchner Presseclub.

Bild: ELKB

Bei seinem traditionellen Besuch im Münchner Presseclub hat Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm die Politik aufgefordert, an ihren Klimaschutzzielen festzuhalten.

Es dürfe keine Abstriche am Fahrplan zur CO2-Reduktion geben, sagte der Landesbischof. Bedford-Strohm räumte ein, dass man bei der Zielerreichung Zahlen keinen Heiligenschein verpassen sollte. Man sollte aber sagen: "So schnell wie möglich."

Bedford-Strohm erinnerte daran, dass bereits jetzt infolge des Klimawandels Regionen von der Landkarte verschwinden. Die Pazifik-Insel Tuvalu etwa beginne schon unterzugehen. Und auch woanders verlören Menschen durch Dürre und Stürme und ihre Heimat - "nur weil wir unseren westlichen Lebensstil nicht ändern wollen", kritisierte der Landesbischof. Derzeit litten vor allem die Menschen unter dem Klimawandel, die am wenigsten dazu beitragen. Man dürfe daher die Konsequenzen für Menschen in anderen Ländern nicht aus dem Blick verlieren. "Wir müssen Lautsprecher für die Geschichten von Menschen anderswo sein", rief der Bedford-Strohm  Politik, Kirchen und Gesellschaft zum Handeln auf.

Mehr Flexibilität in der Flüchtlingspolitik

Beim Thema Flüchtlinge forderte Bedford-Strohm mehr Flexibilität. Menschen, die schon seit Jahren in Deutschland leben und etwa als Fachkräfte gebraucht werden, dürften nicht einfach abgeschoben werden. Solche Flüchtlinge müssten unkompliziert vom Asyl- ins Einwanderungsrecht wechseln dürfen, ohne vorher in ihre Heimat zurückkehren zu müssen. Insgesamt brauche es mehr Offenheit bei den Arbeitsmöglichkeiten für Geflüchtete. Ihn erreichten viele Nachrichten, dass Asylbewerber arbeiten wollten, aber nicht dürften. Da komme es zu Frust auch bei den Ehrenamtlichen, die den Geflüchteten zum Beispiel Deutsch beigebracht hätten. Wenn sie damit zum Nichtstun verdammt seien, dann kämen die Flüchtlinge in ihren Einrichtungen womöglich "auf dumme Gedanken", warnte Bedford-Strohm.

Mehr Offenheit fordert der Landesbischof auch beim Thema Familiennachzug. Da herrsche zwischen katholischer und evangelischer Kirche, für die das Thema Familie von zentraler Bedeutung sei, große Übereinstimmung. "Man kann Menschen nicht so lange von ihrer Familie trennen." So müssten unmittelbare Angehörige nach Deutschland kommen dürfen. Die Kinder etwa müssten in Deutschland zur Schule gehen können. Ihre Fähigkeiten kämen später dann Deutschland oder ihren Heimatländern zugute.

"Profil und Konzentration"

Von seiner eigenen Kirche erwartet Bedford-Strohm, positiv in die Zukunft zu blicken. Der im vergangenen Jahr gestartete Reformprozess in der bayerischen Landeskirche "Profil und Konzentration" (PuK) etwa sei vielversprechend angelaufen. Mit ihm wolle man entwickeln, wie die Kirche der Zukunft aussehen könne. Das mache man bewusst jetzt in finanzstarken Zeiten - und nicht unter Zeit- und Spardruck, wenn ein Reformprozess unumgänglich werde. Großen Handlungsbedarf sehe er vor allem bei der Jugend, für die die Kirche weit weg sei. Er wünsche sich, dass junge Menschen in der Kirche eine Heimat fänden und sich an ihr beteiligen, betonte der Bischof.

Auch in Sachen Digitalisierung müsse man vorankommen, mahnte Bedford-Strohm, der selbst passionierter Facebook-Nutzer ist und auch regelmäßig Live-Talks auf seiner Seite anbietet. Man müsse die Botschaft des Evangeliums auch in den digitalen Räumen fruchtbar machen. Die Möglichkeiten dazu wolle er "beherzt nutzen". So habe die Kirche Initiativen gestartet und liefere unter www.trauspruch.de, www.trauernetz.de oder unter www.konfiweb.de inzwischen entsprechende kirchliche Angebote im Netz.


15.01.2018 / epd