Buß- und Bettag

Nachdenken, welche Richtung unser Land nehmen soll

von Segnitz, Bedford-Strohm, Breit, Kittelberger, beim Buß- und Bettag in München

Pfarrer von Segnitz, Landesbischof Bedford-Strohm, Politikbeauftragter Breit und Dekanin Kittelberger beim Gottesdienst zum Buß- und Bettag 2017 in St. Matthäus in München.

Bild: ELKB/Minkus

Ein Energiestoß für eine am Gemeinwohl orientierte politische Kultur, dies erhoffte sich Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm beim Gottesdienst in St. Matthäus in München.

Der Bußtag sei ein Tag des Innehaltens und biete jedem die Gelegenheit, „über Grund und Ziel“ seines Lebens nachzudenken, so der bayerische Landesbischof und EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm im Rahmen eines Empfangs nach dem Buß- und Bettagsgottesdienst in der Münchner St. Matthäuskirche.  Dieser Tag sei auch eine „Gelegenheit für unser Land, über die Richtung nachzudenken, die es nehmen will. Meine Hoffnung ist, dass sich eine Kultur des Zuhörens und der Nachdenklichkeit verbindet mit einer Selbstvergewisserung über die Grundorientierungen, die unser Land tragen und die gerade für uns Christen von zentraler Bedeutung sind: Die Menschenwürde, der Schutz der Schwachen und die Verantwortung gegenüber der Natur, die wir Christen als Schöpfung Gottes sehen, die uns nicht gehört, sondern anvertraut ist, dass wir sie bebauen und bewahren.“
 
Heinrich Bedford-Strohm: „In diesen Tagen machen sich viele Menschen Sorgen, wie es in unserem Land weitergehen wird.“ Es sei klar, dass es im politischen Alltag immer auch die Notwendigkeit gebe, hin und her zu verhandeln, auch mal taktisch zu agieren, Kompromisse zu schließen und möglichst klug Mehrheiten zu gewinnen. Aber es sei schon die Frage, was am Ende das leitende Interesse gewesen sei: „Geht es immer nur um die eigenen Interessen, die persönlichen oder die der eigenen Partei?  Oder ist das alles am Ende doch hingeordnet auf das, was dem politischen Leben in einer Demokratie das Ziel gibt: das Wohl des Landes und seiner Bürger.“ Gerade in einer Situation, in der die unklaren Mehrheitsverhältnisse die Regierungsbildung erschweren brauche das Land diese Perspektive: „Vielleicht kann ja von diesem Bußtag 2017 ein kleiner Energiestoß für eine am Gemeinwohl orientierte politische Kultur ausgehen.“

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In seiner Predigt hatte Kirchenrat Dieter Breit, der Beauftragte der Bayerischen Landeskirche für die Beziehungen zu Landtag und Staatsregierung, die Gottesdienstbesucher daran erinnert, dass das Böse in der Welt „immer zuerst ein Teil von uns“ sei. Darum müsse der Widerstand gegen das Böse mit der eigenen Umkehr und Buße beginnen. Christen fordern und bemühen sich um eine gerechtere Welt, so Breit. Doch Gerechtigkeit und „die Ehrfurcht vor dem heiligen Gott“ gehörten zusammen.  Eigene Rechthaberei könne nur dann überwunden werden, „wenn wir die Grenzen aufspüren und schützen, die Gottes Gebot setzt“.

In Bayern steht der diesjährige Buß- und Bettag unter dem Motto: „Um Gottes Willen“. Der protestantische Buß- und Bettag, erstmals 1532 im mittelalterlichen Straßburg offiziell eingeführt, wurde 1995 zur Finanzierung der Pflegeversicherung in allen Bundesländern außer in Sachsen als gesetzlicher Feiertag ersatzlos gestrichen. Der Bußtag hat seinen festen Platz im kirchlichen Festkalender jedoch nicht verloren und ist im Leben vieler Menschen nach wie vor fest verwurzelt.


22.11.2017 / ELKB