Lagois-Preis

"Kulturerbe" für Fotografien über Frauen auf der Walz

Handwerksgesellinnen auf der Walz

Handwerksgesellinnen auf der Walz: Chiara Dazi hat den Lagois-Fotopreis erhalten

Bild: Chiara Dazi

Die Fotografin Chiara Dazi hat für ihre Reportage "Wandertage" über Frauen auf der Walz den Lagois-Fotopreis 2018/19 in Höhe von 2.500 Euro erhalten.

Der Evangelische Presseverband für Bayern e.V. (EPV) vergab die Auszeichnung zum Thema "Immaterielles Kulturerbe" am Freitag in der Evangelischen Jugendkirche in München. Den Förderpreis in Höhe von 1000 Euro erhielt Christoph Otto für seine Fotoreihe über den Schlangenkult des italienischen Bergdorfs Cocullo. Erstmals zeichnete der seit 2008 alle zwei Jahre verliehene Lagois-Preis auch Nachwuchskünstler aus.

In ihrer Laudatio würdigte die Schirmherrin des Wettbewerbs, die Münchner Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler, die Fotos von Preisträgerin Dazi als Reise "in eine fremde, zugleich verlockende Welt". Dazi zeige Einsamkeit und Gemeinschaft von Frauen, die sich voller Neugierde der alten Tradition der Walz verschrieben hätten. "Man erahnt, wie herrlich es sein könnte, mit wenig Gepäck und ohne Smartphone durchs Leben zu gehen", sagte Breit-Keßler.

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Christoph Ottos Serie über das "Dorf der Schlangen" wiederum befreie die Reptilien vom Ruch des Bösen und würdige sie als Symbol "der Weisheit und Heilkraft". Dem Nachwuchsfotografen Leonart Rössert sei es mit seinen "wilden, ungebärdigen" Bilder eines Fischers auf Stromboli gelungen, die versunkene Welt der nicht-industriellen Fischerei lebendig zu machen. Leonie Schottlers Fotos über die schwäbisch-alemannische Fasnacht zeigten christliches Faschingsbrauchtum jenseits des "schunkelnden Tanzmariechenkarnevals". Die Evangelische Jugend Neu-Ulm wiederum stelle dar, "was den Nachwuchs in unserer Kirche seit Urzeiten auszeichnet", so die Regionalbischöfin.

Breit-Keßler betonte die Bedeutung von scheinbar vergangenen Traditionen und Bräuchen, die zum immateriellen Kulturerbe zählten: "Ohne Erinnerung an die Vergangenheit kann man weder Gegenwart mit allen Sinnen leben noch Zukunft vernünftig gestalten." Die über 100 Wettbewerbs-Teilnehmer hätten sich darauf eingelassen, "die fotografische Auseinandersetzung mit dem zu suchen, was unser Leben abseits von vordergründiger Effizienz und Ökonomie prägt", so die Schirmherrin.

Der Lagois-Wettbewerb ist mit 5.000 Euro dotiert und wird seit 2008 alle zwei Jahre vom Evangelischen Presseverband für Bayern (EPV) vergeben. Namensgeber für den Preis ist der bayerische Pfarrer Martin Lagois (1912 bis 1997), der mit seiner Medienarbeit die evangelische Publizistik prägte. 2016 widmete sich der Lagois-Wettbewerb dem Thema "Auf der Flucht: Frauen und Migration".


02.04.2019 / epd