Konvent Kloster Heilsbronn

"Wir sind uns bewusst, dass wir kein Kloster sind"

Konvent Kloster Heilsbronn

Das Münster ist das Herzstück des ehemaligen Zisterzienserklosters (1132-1578).

Bild: Evangelische Kirchengemeinde Heilsbronn

Prior Christian Schmidt im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst über zehn Jahre Evangelischer Konvent Kloster Heilsbronn.

Im Herbst 2006 wurde im Westmittelfranken etwas ganz Besonderes aus der Taufe gehoben: eine neue geistliche Gemeinschaft. Unter der Leitung des damaligen Ansbach-Würzburger Regionalbischofs Christian Schmidt wurde der Evangelische Konvent Kloster Heilsbronn (EKKH) ins Leben gerufen. Ein Großteil der Mitglieder trifft sich seither wöchentlich jeden Freitag zu einer gemeinsamen Vesper im Heilsbronner Münster. Sie pflegen sozusagen aus evangelischer Perspektive zisterziensische Traditionen. Am Freitag, 17. November, feiert der Konvent mit einem Festgottesdienst um 17.30 Uhr sein zehnjähriges Bestehen.

Herr Schmidt, wie viele Mitglieder gehören den beiden Konventen der Kommunität inzwischen an?
Wir sind eine geistliche Gemeinschaft mit momentan 28 Mitgliedern, die sich auch nicht mehr auf zwei Konvente aufteilen wie zu Beginn. Die zwei Gruppen sind zu einer Gruppe mit unterschiedlichen Akzenten geworden. Es gibt also keinen getrennten Kloster- und keinen Münsterkonvent mehr.

Haben Sie vor zehn Jahren selbst daran geglaubt, dass dieses Projekt zehn Jahre überlebt?
Ja, selbstverständlich, sonst hätte ich das gar nicht angefangen. Etwas Geistliches braucht zudem Zeit zum Wachsen, das ist ja kein Gesangsverein oder Kegelclub, wo man sich zusammentut und loslegt. Dinge verändern sich, Neues entsteht, Mitglieder sterben, neue kommen hinzu. Die Frage ist aber trotzdem berechtigt, denn heute sind zehn Jahre relativ gesehen länger als früher. Insofern bin ich sehr dankbar, dass es uns nun schon ein Jahrzehnt als Gemeinschaft gibt.

Es gab anfangs auch Bedenken gegen eine neue evangelische Kommunität - haben sich die alle zerschlagen?
Der Heilsbronner Kirchenvorstand hat der Gründung des Konvents zwar zugestimmt, aber auch einige Bedingungen gestellt - die wir auch alle erfüllt haben! Der Konvent sollte etwa Männern und Frauen offenstehen. Ich hatte zuerst nur an Männer gedacht, bin aber aus heutiger Sicht froh, dass es anders gekommen ist. Die Schwierigkeit war: etwas Neues ins Leben zu rufen, ohne die guten vorhandenen Angebote damit infrage zu stellen.

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Sie waren anfangs selbst skeptisch und haben gesagt: "Spielen wir da jetzt Mönch?" Und, schon mal das Gefühl gehabt?
Nein, das hatte ich nicht. Wir sind uns bewusst, dass wir kein Kloster sind und sein können, wir leben "draußen" in der Welt, sind teils auch verheiratet, viele haben weltliche Berufe, treffen uns maximal ein Mal pro Woche. Das ist mit dem echten Klosterleben nicht vergleichbar. Wir sind am ehesten eine Art Tertiär- oder Oblatengemeinschaft, nur haben wir eben keinen ersten Orden wie bei den Katholiken oder evangelischen Klöstern und Kommunitäten.

Der Klosterkonvent trifft sich jeden Freitag im Münster. Ist das gemeinsame Gebet schon mal ausgefallen?
Wir haben am 20. Oktober 2006 begonnen und es ist seither noch nie ausgefallen. Das ist ganz wichtig, wenn man nicht zusammen lebt und arbeitet wie im Kloster oder in einer Kommunität, dass man so einen Anker der Regelmäßigkeit, Verlässlichkeit und Stabilität hat - ohne so etwas ist ein spirituelles Leben nicht denkbar. Wenn jeder kommt und geht, wann er will, wenn Regen, Schneefall oder auch zu viel Arbeit einen ständig von der Teilnahme abhalten würden, würde das keinen Sinn machen! Wir treffen uns ja sogar Karfreitags - die einzige Ausnahme könnte sein, wenn Heiligabend auf einen Freitag fallen würde.

Anfangs war Ihre Kommunität sehr "pfarrerlastig", wie schaut die Zusammensetzung heute aus?
Die, die inzwischen dazugekommen sind, sind keine Pfarrer. Und das ist auch gut so. In unserem Jubiläumsgottesdienst am Freitag werden wir eine Frau aus Würzburg aufnehmen, die Verkäuferin ist, ein anderer Interessent ist Logopäde. Natürlich ist es auch schön, wenn so einer Gemeinschaft auch Theologen und Pfarrer angehören - es besteht dann allerdings immer schnell die Gefahr, dass die in die Sprache Kanaans verfallen.

Werden Sie nicht von vielen Evangelischen eher mit Argwohn betrachtet oder gar als "katholisch" geschmäht?
Das gab es und wird es wohl immer geben. Ich habe darauf immer zwei Antworten. Zum einen: Ja, wir sind katholisch, aber wir sind nicht römisch-katholisch. Katholisch bedeutet, dass wir zu der einen umfassenden Kirche gehören. Zum anderen: Ich glaube, dass durch die Reformation auch manche Frömmigkeitsform allmählich verloren gegangen ist, wie zum Beispiel die Tagzeitengebete - die wurden übrigens auch nach der Reformation in der Nürnberger St. Lorenzkirche noch lange weitergeführt! Solche Traditionen wieder aufzunehmen finde ich nicht verwerflich.

Die Mitglieder sollen Bibelstudium betreiben, Tageszeitengebete halten - klappt das im (Berufs-)Alltag überhaupt?
Das ist eine gute Frage, die aber jedes Mitglied für sich selbst beantworten muss! Ich weiß, dass manche Mitglieder des Konvents sich zu bestimmten Tageszeiten ihren Konventsschal umlegen und ihr Kreuz umhängen und dann beten. Ich kontrolliere das als Prior aber nicht, das geht mich nichts an. Selbst versuche ich das auch in meinen Tagesablauf einzubauen. Einmal pro Woche verschicke ich Gedanken zum Predigttext des vorangegangenen Sonntags - das geht an alle Konventsmitglieder, das ist auch so ein gedankliches Band, das uns alle miteinander verbindet.

Welche Rolle spielen evangelische Kommunitäten aus Ihrer Sicht heute in den evangelischen Kirchen?
Die Kommunitäten und Gemeinschaften sind mit Sicherheit Kristallisationspunkte für die Spiritualität vieler Christen. Ich frage zum Beispiel neue Interessenten für unseren Konvent immer, weshalb sie zu uns kommen wollen, was sie bei uns suchen. Die sagen dann oft: Ich bin zwar in meiner Kirchengemeinde sehr engagiert, aber ich finde dort für meine Seele nicht das, was ich spirituell brauche. Das gab's in der Kirche ja immer, dass einige eine größere Verbindlichkeit im Glauben und in der Spiritualität haben wollten, als andere. Jeder so, wie er es mag!

Die Kirchen schrumpfen, die Kommunitäten und Gemeinschaften aber wachsen. Was kann die Kirchenleitung daraus lernen?
Ich denke schon, dass man von uns lernen kann. Das war auch immer mein Argument für solche Gemeinschaften. Ich denke, es ist sehr wichtig, dass in der Kirche gut verwaltet und gut organisiert und gut mit dem Geld umgegangen wird. Die praktischen Dinge und Notwendigkeiten nehmen in unserer evangelischen Kirche oft viel Raum ein. Die Gefahr dabei ist aus meiner Sicht, dass alles schief wird, wenn nicht an erster Stelle die Frage steht: Was sagt das Evangelium, was sagt Gott? Daran wollen wir Kommunitäten und Gemeinschaften in aller Demut erinnern.

Sie sind Gründungsprior und als Regionalbischof seit einigen Jahren im Ruhestand. Wie lange bleiben Sie noch an der Spitze der Kommunität?
Ich werde nächstes Jahr 70 - das ist ein Alter, in dem man dann auch mal langsam mal aufhören können und Platz machen sollte. Aber es ist gar nicht so einfach, einen Nachfolger zu finden. Denn Prior des Konvents zu sein, das ist ein Ehrenamt, das viel Zeit beansprucht. Neben dem Berufsleben ist das schwierig - und auch im Ruhestand ist es oft stressig. Die Landeskirche und ich halten jedenfalls Ausschau, weil wir ja wollen, dass es gut weitergeht!

Herr Schmidt, bitte vervollständigen Sie den Satz: "Wenn ich mich mit den Konventsmitgliedern zur Vesper im Münster treffe..."
 ... dann ist das auch für mich eine ganz wichtige Oase in der Woche, wo ich zur Ruhe komme. Da gehören fünf Minuten Stille dazu - das ist für mich ein ganz wichtiger Punkt, in der Gemeinschaft zur Ruhe zu kommen, aufs Wort Gottes zu hören, zu beten, Kraft zu schöpfen.


13.11.2017 / epd/Daniel Staffen-Quandt