Evangelischer Kirchentag

Aufbruch der "Generation 2017"

Deutscher Evangelischer Kirchentag 2017 Abschlussgottesdienst

Zum Abschlussgottesdienst, dem Höhepunkt des Jubiläums, kamen nach Angaben der Veranstalter rund 120.000 Menschen nach Wittenberg.

Bild: DEKT/Nadine Malzkorn

Mischt euch ein und verändert mit eurem Glauben die Welt: ein Appell, den mehr als 100.000 Besucherinnen und Besucher, darunter auch viele aus Bayern, beim Abschluss in Wittenberg gehört haben.

Mit einem stimmungsvollen Gottesdienst vor mehr als 120.000 Menschen in der Lutherstadt Wittenberg ist am Sonntag der 36. Deutsche Evangelische Kirchentag zu Ende gegangen. Bei strahlendem Sonnenschein rief der Erzbischof von Kapstadt, Thabo Makgoba, in seiner Predigt auf den Elbwiesen die junge Generation zum Einsatz für eine bessere Welt auf.

Makgoba bezeichnete die Reformation Martin Luthers als "mehr als einen theologischen Wendepunkt." Sie sei ein "definierender Moment in unserer soziologischen und politischen Entwicklung" gewesen und biete die Möglichkeit ein "inspirierendes GPS, ein globales Positionierungssystem für die nächsten 500 Jahre" zu werden.

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Makgoba wandte sich an die jungen Menschen im Publikum und forderte sie auf: "Hört die Schreie der anderen und unseres Planeten! Hört, wie Gott sie hören würde." Wie einst Martin Luther King habe auch er einen Traum für die Welt. "Dass eines Tages all die narzisstischen, nationalistischen, isolationistischen Ausschweifungen der Gegenwart verschwinden werden" und stattdessen "ein weltweites Bewusstsein entstehen wird, dass wir eine Menschheit sind."

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, bestärkte Maakgoba und sagte: "Vielleicht erleben wir das Wachsen einer Generation 2017, in der junge Leute aufbrechen! Eine Generation, die aus dem Reformationsjubiläumsjahr einen Neuaufbruch zum Glauben mitnimmt und uns alle einschließt."

Zitat

Vielleicht erleben wir das Wachsen einer Generation 2017, in der junge Leute aufbrechen! Eine Generation, die aus dem Reformationsjubiläumsjahr einen Neuaufbruch zum Glauben mitnimmt und uns alle einschließt.

EKD-Ratsvorsitzender Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm im Abschlussgottesdienst des Evangelischen Kirchentags 2017

Bedford-Strohm bezog sich dabei auch explizit auf die Ökumene: "Wir haben als christliche Konfessionen verstanden, dass wir religiöse Erneuerung heute nie und nimmer mehr in Abgrenzung oder gar Abwertung der jeweils anderen Konfessionen erfahren können." Nach 500 Jahren Abgrenzung wolle er "eindlich wieder zusammenkommen, den ganzen Reichtum unserer Tradition miteinander teilen und einfach Freundinnen und Freunde in Christus sein."

 

Informationen zum Thema Kirchentag 2017

Kirchentag 2017

Insgesamt beteiligten sich rund 106.000 Dauerteilnehmer an den fast 2.500 Veranstaltungen in Berlin und Wittenberg, vor zwei Jahren in Stuttgart waren es 97.000. Zudem zählten die sechs regionalen "Kirchentage auf dem Weg" in acht mitteldeutschen Städten etwa 50.000 Menschen. Der nächste Kirchentag findet vom 19. bis 23. Juni 2019 in der westfälischen Metropole Dortmund statt.
Alle Infos unter https://www.kirchentag.de

Kirchentagspräsidentin Christina Aus der Au rief die Protestanten beim Festgottesdienst auf, Auseinandersetzungen nicht zu scheuen. Die Schweizer Theologin forderte dazu auf, auch mit denen zu reden, die keinen Dialog führen wollen. "Und von Angesicht zu Angesicht, nicht anonym im Netz." An das Ende Ihres Appells setzte Christina Aus der Au ein Beinahe-Zitat von Martin Luther, der vor 500 Jahren in Wittenberg 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche genagelt haben soll. "Machen wir uns auf", schloß die Präsidentin, "als Menschen, die sich durch Begegnung verändern lassen. Hier stehen wir - und wollen anders. Jetzt gehen wir - und können anders."

Der am Mittwoch eröffnete Kirchentag stand im Zeichen des 500. Reformationsjubiläums. 1517 hatte der Reformator Martin Luther (1483-1546) in Wittenberg seine 95 Thesen gegen die Missstände der Kirche seiner Zeit veröffentlicht. Zum Ende des Kirchentages war der Weg nach Wittenberg für viele eine kleine Pilgerfahrt: Viele zehntausende Menschen machen sich auf. Das Festwochenende begann bereits am Samstagabend mit der Nacht der Lichter mit Brüdern aus Taizé, führte über den Gestgottesdienst, Picknick, Gesprächen und endete mit einem Konzert.

Festwochenende Reformation: Die Nacht der Lichter

Die Brüder der Gemeinschaft von Taize feierten mit vielen tausend Kirchentagsbesuchern eine Nacht der Lichter. Ein Film von Christoph Breit.

Zum Abschlussgottesdienst, dem Höhepunkt des Jubiläums, kamen nach Angaben der Veranstalter rund 120.000 Menschen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ermutigte in einem Grußwort die Christen zu noch mehr Gemeinschaft. "Der lebendige ökumenische Austausch zwischen den Konfessionen und die enge Zusammenarbeit der Christen tun dem ganzen Land gut", sagte er. Der Journalist Hans Leyendecker lud als Präsident des nächsten Kirchentages 2019 die Gottesdienstteilnehmer nach Dortmund ein.


29.05.2017 / epd/DEKT/ELKB