Temperaturen um den Nullpunkt

Mit Decken und Wollmützen in die Kirche

Nürnberg im Winter: Blick von der Kaiserburg

Nürnberger Innenstadtgemeinden teilen sich ab April zwei Pfarrstellen.

Bild: Bertl123

Wer sich in diesen eisigen Zeiten in fränkischen Kirchen aufhält, muss eine robuste Gesundheit haben. Vermutlich wird mehr Skiunterwäsche von Kirchenpersonal getragen als auf den Skipisten.

In den beiden großen Nürnberger Stadtkirchen St. Sebald und St. Lorenz ist es meistens lausig kalt. In der vergangenen Woche sank die Temperatur in St. Sebald sogar unter null Grad, das gibt es nicht oft. In St. Lorenz zeigte das Thermometer null Grad, wie Pfarrerin Susanne Bammessel  berichtet.

Während die Touristen bibbern, nehmen die zahlreichen Kunstwerke in der knapp 600 Jahre alten Kirche die Kälte gelassen. "Wir haben in der Kirche immer ein Binnenklima, in dem Temperaturveränderungen gemächlich gehen", erklärt die Touristenseelsorgerin. Kunstwerke wie der Engelsgruß, Bilder oder alte Folianten hätten sich in diesem Klima besonders gut erhalten. Neulich seien bei einer Steinskulptur konservierte Farbschichten aus dem 13. Jahrhundert diagnostiziert worden, sagt Bammessel.

Frieren in Schwabach

Um den Nullpunkt bewegen sich die Temperaturen auch in der Stadtkirche in Schwabach. Für den Kantor der Gemeinde, Kirchenmusikdirektor Klaus Peschik, aber kein Grund, ein Konzert oder einen Gottesdienst abzusagen. "Es gibt erstaunlich viele vernünftige Menschen, die sich eine Decke in die Kirche mitbringen", beobachtet er. Und wenn beim Silvesterkonzert 600 Zuhörer auf den geheizten Bänken sitzen, geben die menschlichen Körper selbst noch einmal Wärme an die große gotische Hallenkirche ab.

Hart sind die Zeiten aber besonders für die Sänger des Chors. "Die müssen da durch, auch wenn es grenzwertig ist", sagt Peschik. Erfahrene Chormitglieder würden Skiunterwäsche und Wärmesohlen in den Schuhen tragen. "Wenn ich Schlittenfahren gehe, ziehe ich mich doch auch vernünftig an", schärft Peschik gerade den Chor-Neulingen ein, erlebt dann aber doch bei Generalproben blaugefrorene Greenhörner.

Mit Wollmütze an der Orgel

Peschik selbst ist nicht gerade verfroren, lässt jedoch derzeit im Gottesdienst auf der Orgelempore die Wollmütze auf dem Kopf, "weil ich so wenig Haare habe". Seine Orgelschüler mussten auch an diesem Donnerstag bei Null Grad in der Kirche zum Unterricht kommen. Als Organist sollte man sich rechtzeitig an die Kälte gewöhnen, meint der Kantor. Es gibt für die Orgelspieler aber auch einen elektrisch beheizten Paravent, der die Extreme lindert.

Der Tourist in der Schwabacher Kirche und in den Nürnberger Kirchen kann keine Heizung erwarten. Daher bleiben die Besucher auch aus, räumt Bammessel ein. Statt sonst zwei Führungen gibt es in St. Lorenz im Januar und Februar nur eine Führung. Und auch die muss immer wieder einmal ausfallen, weil ab einem gewissen Kältegrad Kunstbegeisterung rapide abnimmt. Die "tägliche" Kurzandacht in St. Lorenz findet derzeit auch nur an Donnerstagen und Freitagen statt. Um die gesund durchzustehen, hat Pfarrerin Susanne Bammessel wärmende Skiunterwäsche und warme Wollsocken an. Eine Erkältung hat sie in diesem Winter nicht gehabt, freut sie sich. "Ich habe mich gut gehalten."+


27.01.2017 / Olschewski/Mockler, epd