Evangelische Akademie Tutzing

Jahresempfang 2018 – mit Ehrengast Oliver Berben

Judith Stumptner, Heinrich Bedford-Strohm, Oliver Berben, Udo Hahn und Sabine Rüdiger-Hahn

Unser Bild zeigt die stellvertretende Akademiedirektorin Judith Stumptner, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, Ehrengast Oliver Berben, Akademiedirektor Udo Hahn und Sabine Rüdiger-Hahn (v.l.n.r) in den Salons des Schlosses.

Bild: haist eat archiv

Einer der erfolgreichsten deutschen Filmproduzenten stand diesmal im Mittelpunkt des Jahresempfangs der Evangelischen Akademie Tutzing: Oliver Berben.

Oliver Berben sprach am 17. Januar über die Bedeutung der Kultur für eine offene Gesellschaft. Mehr als 300 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Medien und Kirche folgten der Einladung ins Schloss Tutzing. Klaus Doldinger’s Passport sorgte diesmal für den musikalischen Rahmen – und spielte die Titelmelodien berühmter Spielfilme wie „Das Boot“, „Die unendliche Geschichte“ und „Tatort“.

Filme können die Seele der Menschen erreichen

Der Bedeutung des Films für die Demokratie und die Bewusstseinsbildung der Menschen hat den traditionellen Jahresempfang der Evangelischen Akademie Tutzing am Mittwochabend bestimmt. Wie der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm vor Repräsentanten aus Kirche und öffentlichem Leben sagte, spielt der Film eine entscheidende Rolle für Gesellschaft und Kultur. Denn Filme könnten mit wichtigen Botschaften nicht nur die Köpfe, sondern auch die Herzen und vielleicht sogar die Seelen der Menschen erreichen.
Ein Film, der Gefühle weckt und genau dadurch viele Menschen anspricht, sollte deshalb nicht mit einem vermeintlich intellektuellen Anspruch als „Schnulze“ abgewertet werden. Insbesondere im kirchlichen Bereich sei das Medium des populären Films noch viel zu „wenig zu Hause“, sagte der Bischof. Denn es gebe ein bildungsbürgerlich-elitäres Denken in protestantischen Lebenswelten, das dem populären Film zuweilen ein pauschales Etikett der Oberflächlichkeit anhefte. Dieses Etikett sei aber Ausdruck der eigenen Milieu-Abhängigkeit und eines eigenen begrenzten Horizonts.

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Die Bedeutung des Films zeigt sich Bedford-Strohm zufolge exemplarisch an dem 1979 ausgestrahlten Fernsehfilm „Holocaust“. Denn dieser Film habe den Diskurs über die Geschichte des Nationalsozialismus in der Breite der Bevölkerung verwurzelt. Auch der Film „Katharina Luther“ habe im Jahr des Reformationsjubiläums eine große Breitenwirkung gehabt. Derartige Filme hätten eine nachhaltige Wirkung, weil sie Grundorientierungen vermitteln und Lebensgeschichten darstellen könnten. Filmemacher sollten deshalb menschliches Leid sichtbar machen und Geschichten der Humanität, der Empathie und der Hoffnung erzählen.

Die Vielfalt der Medien ist nach Überzeugung des Filmemachers Oliver Berben ein Grundpfeiler der Demokratie. So könnten beispielsweise in dem dualen Mediensystem in Deutschland in unterschiedlichen Darstellungsformen unterschiedliche Meinungen in die öffentlichen Debatten transportiert werden, sagte Berben bei dem Jahresempfang. Deshalb sollte die Vielfalt an Sendern und Ausspielkanälen erhalten bleiben. Eine große Kunst- und Kulturlandschaft sei die Grundlage, auf der sich gleichzeitig eine starke Demokratie herausbilden könne.

Der Film sei nicht nur ein Spiegel der Gesellschaft, sondern könne auch Themen in die Mitte der Gesellschaft rücken und dadurch Diskussionen anstoßen, betonte Berben. Die fiktionalen Geschichten, die im Film erzählt werden, könnten ein Thema nicht nur aus unterschiedlichen Perspektiven darstellen, sondern auch das Herz der Menschen erreichen. Dadurch werde im Film mehr als eine „pure Nachricht“ vermittelt. Außerdem brächten Filme die Menschen näher zusammen, weil sie nationale Grenzen überwinden, sagte der Filmproduzent und Regisseur.

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Oliver Berben wird als nächstes großes Projekt einen Film über die Wannseekonferenz produzieren. Die Verfilmung solle bis 2020 realisiert werden, sagte Berben, einer der Geschäftsführer der Constantin Film Produktion, am Mittwochabend auf dem Jahresempfang der Evangelischen Akademie Tutzing. In dem Film gehe es vor allem um das Bewusstsein der Konferenzteilnehmer und wie diese dann mit ihren Entscheidungen umgegangen seien, erklärte der 46-jährige Filmproduzent und Regisseur. In einer Villa am Berliner Großen Wannsee hatten am 20. Januar 1942 ranghohe Nazis und SS-Leute die Vernichtung der Juden geplant.

In einem schriftlichen Grußwort hob Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) die Funktion der Akademie hervor, auf der Basis christlicher Wertvorstellungen nach Antworten auf Fragen der Gegenwart zu suchen und dadurch Orientierung zu geben. Wegen der gleichzeitig stattfindenden CSU-Klausurtagung konnte in diesem Jahr kein Vertreter der Staatsregierung bei dem Empfang sprechen. In seiner Begrüßungs-Ansprache rief Akademie-Direktor Udo Hahn dazu auf, die Demokratie gegen stärker werdende populistische Kräfte zu verteidigen – mit Wachsamkeit, Entschiedenheit und der Bereitschaft, den eigenen Horizont offen zu halten und zu erweitern. Dabei setze die Akademie auf die Kraft der Argumente, auf Verständigung und Interessensausgleich als „Markenzeichen einer Diskursgesellschaft“.

Die Aufzeichnung des Jahresempfangs wird am Samstag, 3. Februar 2018, 22.30 Uhr, auf ARD-alpha gesendet.


22.01.2018 / epd