Augsburger Hohes Friedensfest

Mumm haben, sich einzumischen

Plakat Wir sind Friedensstadt am Rathaus Augsburg zum Hohen Friedensfest 2016

Die Friedensstadt: Auf dem Rathausplatz versammelten sich mehr als 1000 Bürgerinnen und Gäste zur Friedenstafel.

Bild: Irmard Hoffmann

Die Münchner Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler hat in ihrer Predigt zum Hohen Friedensfest in Augsburg die Bürger zum Einsatz für die Mitmenschen und gegen Rassismus und Extremismus aufgerufen. 

Augsburg feierte „Mut zum Frieden“: Bei strahlendem Sonnenschein kamen Augsburgerinnen und Augsburger, Vertreter aus Stadt, Kirchen und Gesellschaft sowie zahlreiche Gäste zu den ökumenischen Festgottesdiensten, dem Kinderfriedensfest und weiteren Veranstaltungen. Allein auf dem Rathausplatz versammelten sich mehr als 1000 Tischnachbarn zur Augsburger Friedenstafel.

Die Ständige Vertreterin des Landesbischofs, Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler, forderte in der Predigt zum Hohen Friedensfest von den Bürgern Mut und Einstehen für andere ein. Es müsse "sichtbar werden, wie wir eingreifen, um Frieden wiederherzustellen, um individuelle Gewalt zu verhindern, und um ideologischen Terror jeder Couleur abzuwenden", sagte Breit-Keßler am Montag beim Festgottesdienst zum Friedensfest in der Kirche St. Ulrich und Afra in Augsburg . 

Zitat

Mut ist Herzenssache. Sie braucht die Einsicht, dass es in der konkreten Situation auf mich ankommt. Mut ist keine bloße Spontaneität, der plötzliche Ausbruch von Mut, sondern mutige, bewusste Lebensführung. Eine Tugend wie Mut bildet sich durch Einüben in das Gute. 

Die Ständige Vertreterin des Landesbischofs, Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler, in der Predigt zu Hohen Friedensfest 2016

Die evangelische Theologin hob dabei auch das Gebot der Nächstenliebe hervor: "Es bedeutet: Ich habe Mumm, mich einzumischen, wenn ein Mitmensch bedroht ist." Die Bürgerinnen und Bürger müssten "hinschauen, hinhören, sich einsetzen, damit Menschen jeden Alters und Geschlechts, mit Stärken und Schwächen, aus allen Nationen und Religionen, sicher bei uns leben können".

Breit Keßler mahnte auch eine stärkere Beteiligung an wichtigen gesellschaftlichen und politischen Entscheidungen an. Je weniger Möglichkeiten es gebe, im eigenen und im gesellschaftlichen Leben etwas auszurichten, desto mehr wachse die Gleichgültigkeit, sagte die Ständige Vertreterin. Im Vorfeld wichtiger Entscheidungen müsse daher "so viel Beteiligung wie möglich sein", forderte sie: "Ich muss wissen, wofür ich einstehe, was mir andere wert sind."

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Das Friedensfest wird in Augsburg seit 1650 jedes Jahr am 8. August gefeiert. Damals wurde den evangelischen Christen nach dem Dreißigjährigen Krieg die Religionsfreiheit gewährt. Seit 1950 ist der Tag ein gesetzlicher Feiertag, der nur für das Stadtgebiet Augsburg gilt. Von 1984 an wurde das Fest ökumenisch begangen. Seit einigen Jahren gehört ein umfangreiches Kulturprogramm dazu, dass das friedliche Zusammenleben verschiedener Kulturen und Religionen in den Mittelpunkt stellt. Das Motto in diesem Jahr lautete "Mut".

Augsburgs Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU) griff das Thema bei der Eröffnung der Augsburger Friedenstafel auf, zu der sich diesmal rund 1.000 Augsburger auf dem Rathausplatz trafen, um Essen und Getränke zu teilen. Gribl betonte, es sei Mut erforderlich, um "klar zu sagen, wir haben ein offenes Herz für alle humanitären Anliegen." Es gebe jedoch auch Grenzen der Belastbarkeit des sozialen Friedens. In der Bevölkerung seien Verunsicherung und Ängste spürbar. Die Gesellschaft müsse daher auch den Mut aufbringen, denjenigen zuzuhören, die solche Ängste äußern. Das Friedensfest müsse künftig solche sozialen Spannungen stärker im Blick haben, meinte Gribl.

 

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Bereits im Vorfeld des Festes hatte die Stadt Augsburg eine geplante Kundgebung der rechtsgerichteten "Bürgerinitiative Ausländerstopp Augsburg" (BIA) auf dem Rathausplatz verhindert. Die der NPD nahestehende Organisation musste die Versammlung mit dem Titel "Die Lüge vom Frieden" an einem anderen Ort abhalten. Das Augsburger Bündnis für Menschenwürde hatte wegen der Kundgebung die Bürger dazu aufgefordert, möglichst zahlreich an der Friedenstafel teilzunehmen, um so ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen.

Während der Friedenstafel kam es zu einer Demonstration von Asylbewerbern. Sie forderten unter anderem bessere Möglichkeiten, in Deutschland arbeiten zu können. Vertreter verschiedener Religionen verlasen bei der Tafel einen gemeinsamen Friedensgruß. Sie betonten darin die Bedeutung von gegenseitigem Verständnis und Toleranz im Zusammenleben. Weiter heißt es darin: "Menschen, die Hass, Terror und Schrecken verbreiten, die Leben vernichten und sich dabei auf eine Religion berufen, missbrauchen den Namen Gottes."


09.08.2016 / epd